Hamburg: Bunker erstmals zu besichtigen

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Roland Rossig, der Vorsitzende des Vereins Unter Hamburg e.V. betätigt den Notstromgenerator im KaufmannbunkerFotos: Hanke
 
Kann seit Kurzem besichtigt werden: der Kaufmannbunker auf dem Gelände der Hochschule für Musik und Theater

Verein Unter Hamburg e. V. macht Pöseldorfer Kaufmannbunker Besuchern zugänglich

Pöseldorf. Er war der stabilste Bunker Hamburgs im Zweiten Weltkrieg. Vier Meter dick waren die Mauern, stärker als die Mauern der Flakbunker auf dem Heiligengeistfeld. Kein Wunder, der „Kaufmannbunker“ war 1939/40 für den NS-Reichstatthalter und Gauleiter Karl Kaufmann erbaut worden. Seit kurzem kann er besichtigt werden. Er befindet sich auf dem Gelände der Hochschule für Musik und Theater, denn das Hauptgebäude der Hochschule, das Budge-Palais am Harvestehuder Weg 12, war von 1938 bis 1945 die Reichstatthalterei, die Kommandozentrale des nationalsozialistischen Hamburg. Kaufmann hatte das schöne Anwesen 1937 nach dem Tod der jüdischen Kunstmäzenin Emma Budge an sich gerissen.
Der Bunker war kaum bekannt, bis sich der Verein Unter Hamburg e.V. ab 2005 für ihn interessierte. Der erste Vorsitzende Roland Rossig wurde durch einen Techniker der Musikhochschule auf den einmaligen Bunker aufmerksam. „Er war mit einer Bekannten meiner Mutter liiert und wusste daher von meiner Leidenschaft“, erzählt Rossig. Der vollkommen unbeschädigte Bunker bestand aus sieben Stabsräumen, einem Technikraum und zwei Toiletten. Heute sind die meisten Räume leer, aber der Technikraum und ein WC, ein Waschbecken und die Lichtschalter befinden sich noch im ursprünglichen Zustand. Am meisten zu sehen gibt´s im Technikraum. Hier stehen ein Notstromgenerator, ein Wassertank, eine Schalttafel mit Sicherungen und eine Lüftungsmaschine. „Der Generator ist ein seltener Ein-Zylinder-Dieselmotor von Junkers. Der Bunker hatte einen Brunnen, der den Wassertank füllte. Die Lüftungsanlage sollte vor Giftgasangriffen schützen. Sie erzeugte Überdruck, der eventuell einsickerndes Giftgas verdrängt hätte“, erläutert Roland Rossig. In der ehemaligen Befehlsstelle, dem größten Raum des Bunkers hat Unter Hamburg zwei nachgedruckte Luftschutzkarten aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges von Harvestehude /Rotherbaum und den Stadtteilen östlich der Alster aufgehängt. Auf diesen Karten waren alle Hydranten und andere Löschwassergefäße verzeichnet. Rund 30 Personen fanden in dem Bunker Platz, der für die Hamburger NS-Führungsriege als Spezialanfertigung gebaut worden war. Kaufmann und andere Hamburger NS-Spitzenfunktionäre haben sich bei Bombenangriffen in der Regel hier aufgehalten. Nach dem Krieg diente der Bunker vermutlich als Munitions-und Waffenlager der Engländer. „Wir folgern das aus Schriftzügen wie „Danger“ und „No Smoking“, die wir vorfanden“, erzählt Roland Rossig.
In mühevoller Kleinarbeit hat der ehrenamtlich tätige Verein Unter Hamburg e.V. den Bunker in den letzten Jahren entrümpelt und seine Geschichte recherchiert. Bis in die 1970er Jahre hatte ein Malerbetrieb den Bunker gemietet. Dessen Möbel und andere Utensilien gammelten seitdem dort vor sich hin. Schwieriger als das Entrümpeln gestaltete sich die Recherche. Es fanden sich nur wenige Unterlagen im Staatsarchiv, denn dieser Bunker war „Geheime Reichssache“. Doch die 16 Mitglieder von Unter Hamburg haben sich fit gemacht, um nun Führungen durch den Bunker zu veranstalten. Bis zu 13 Personen können an diesen Führungen teilnehmen. Der nächste Termin ist der 8. Februar, um 10, 12 und 14 Uhr. Interessenten müssen sich unter Tel.: 682 67 560 oder info@unter-hamburg.de anmelden. (ch)
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