Hamburg: Ein Stadtgespräch - mit dem Planetariumschef

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Journalistin Nina Paulsen versammelt in ihrem Buch 35 Porträts aus der Hansestadt. Zum Beispiel über Thomas Kraupe

Hamburg. Was kommt heraus, wenn eine gebürtige Hamburgerin Menschen ihrer Heimatstadt porträtiert, die ganz unterschiedlich in ihren Quartieren wirken und viel zu Hamburg zu sagen haben? Ein neues, lesenswertes Buch: „Stadtgespräche aus Hamburg“ heißt der Band von Nina Paulsen, der im März als Hamburg-Ausgabe einer neuen bundesweiten Buch-Reihe erschienen ist (siehe Kasten). Das Hamburger Wochenblatt druckt daraus einen Auszug vom Porträt des Planetarium-Chefs Thomas Kraupe.

Wenn man Thomas Kraupe fragt, ob er eine Antwort auf die großen Fragen des Lebens hat, auf das Warum der Menschheit, ihren Sinn, den Anfang und das Ende, lehnt er sich zurück und holt tief Luft. „Wissen Sie, so einfach ist das alles nicht“, sagt der Astrophysiker dann und legt seine Stirn in Falten. „Die finale Antwort auf das alles gibt es nämlich nicht.“ Ein bisschen enttäuschend ist das schon. In dem kleinen, aber dafür umso höheren Konferenzraum des Hamburger Planetariums, dessen Direktor Kraupe seit dem Jahr 2000 ist, reichen die Bücherregale bis unter die Decke. Die Werke darin sind dicker als Telefonbücher und tragen so viel versprechende Titel wie ‚Auf der Suche nach dem Rand des Universums‘, ‚Geburt und Tod im Weltall‘ oder ‚Raum, Zeit, Ewigkeit‘. Es sind Tausende Seiten mit Tausenden Erklärungsversuchen über das, was unsere Welt im Innersten zusammenhält. Doch selbst sie bringen die menschliche Erkennt- nis offenbar nur Trippelschritte voran. „Eigentlich“, sagt Kraupe, »stößt man immer auf noch mehr Fragen. Aber genau das begeistert mich. Der Zauber bleibt bestehen, das Rätsel bleibt ein Rätsel.«
Es sind solche Sätze, bei denen das Publikum im Hamburger Planetarium an Kraupes Lippen hängt, wenn es sich unter der 21 Meter hohen Kuppel im sogenannten Sternensaal auf den Liege-sesseln zurücklehnt und das bestaunt, was an die gewölbte Decke projiziert wird. Das ist natürlich der Sternenhimmel, die Planeten und unser Sonnensystem und was darin so unterwegs ist. Doch es ist noch viel mehr. Die Gäste tauchen in sorgfältig inszenierte Shows aus Musik und optischem Spektakel ein, die Kraupe selbst entworfen hat. Er ist damit nicht nur Astrophysiker und Direktor des Planetariums, er ist auch Intendant. Intendant eines Sternentheaters, das im alten, ehemaligen Wasserturm im Hamburger Stadtpark untergebracht ist: ein markanter roter Backsteinbau, der zwischen Rasen, Beeten und Bäumen schon fast majestätisch hoch in den Himmel ragt. (...)

Lebenslange Liebe

Wenn es bei Kraupe um die Sterne geht, ist seine Begeisterung übersprühend. Das war schon so, als er noch klein war, und seine Liebe zu den unendlichen Weiten entdeckte. 1956 am Südrand von München geboren und dort groß geworden, waren es zuerst die großen Abenteurer, die ihn als Kind faszinierten. (...)
Selbst als Student ging er weiter in seine alte Schule und durfte dort Astronomie unterrichten. „Ich weiß noch genau, dass ich mich auf jede Stunde akribisch vorbereitet habe und den Schülern immer das nahe gebracht habe, was ich gerade in der Uni gelernt hatte.“ Kraupe macht eine kurze Pause und lacht. „Na ja, ich glaube, ich habe so manchen damit ein wenig überfordert. Es kann gut sein, dass sich die Stuhlreihen irgendwann etwas gelichtet haben.“ Deshalb und nicht zuletzt wegen seines Engagements bei der Bayerischen Volkssternwarte spürte er, dass das Unterrichten wohl doch nicht das war, was er sein Leben lang beruflich machen wollte. In jener Zeit besuchte er mit den Kollegen von der Sternwarte erst klassische Konzerte und fuhr danach mit ihnen in die Berge, um in den Himmel zu gucken. „Wir haben uns draußen die Nacht um die Ohren geschlagen und Sternschnuppen beobachtet. Das war eine äußerst prägende und inspirierende Zeit.“ Und so hängte er den Plan vom Lehrerdasein an den Nagel und wurde nach der Uni stellvertretender Leiter des Planetariums in Stuttgart – und konnte sich hier zum ersten Mal selbst darin versuchen, den Kosmos und Musik zusammenzubringen. Das lief derart gut, dass er auch für andere Häuser seine Sterneshows schrieb, unter anderem für die Planetarien im spanischen Castillon, im arabischen Riad, aber auch in Augsburg oder Kassel. Die Aufgaben wuchsen rasant: In München war er am Bau des damals „modernste“ Planetariums beteiligt, 1996 bis 2000 betreute er sogar in New York den Ausbau des Hayden-Planetariums. Zur Eröffnung kamen Hollywoodstars wie Tom Hanks und Jodie Foster. Und Kraupe war auf dem Planetariums-Olymp angelangt. Eigentlich kann da ja nicht mehr viel kommen, sollte man meinen – doch für Kraupe kam Hamburg. (...)


Verlosung:
„Stadtgespräche aus Hamburg“ ist ein unterhaltsames, informatives Kaleidoskop mit 35 spannenden Porträts vom Alsterkapitän bis zum Micheltürmer, vom Abendblatt-Chefredakteur bis zum Planetariums-Macher. Das Buch von Journalistin Nina Paulsen (30) aus Hamburg-Rahlstedt, die bei der Berliner Morgenpost arbeitet, erscheint im Gmeiner Verlag (192 Seiten, 14.99 Euro). Das Wochenblatt verlost fünf Bücher: Schreiben Sie bis zum 2. April eine Mail mit dem Betreff „Stadtgespräche aus Hamburg“ und unter Angabe Ihrer Telefonnummer an: gewinnspiel@hamburger-wochenblatt.de Das Los entscheidet, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
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