Hamburg: Eppendorfs neue Mitte

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Dieses Areal soll ab 2016 umgestaltet werden. Jetzt startet der ArchitektenwettbewerbGrafik: wb
 
Vollständiger Abriss oder Teilabriss? Was mit dem denkmalgeschützem Bezirksamt passieren wird, ist noch nicht entschiedenFoto: Hanke/wb

Architekten-Wettbewerb startet. Bezirksamt vor (Teil-)Abriss?

Von Christian Hanke
Hamburg. Nun wird es langsam ernst: Eppendorf soll eine neue Mitte bekommen. Geplant sind die Neugestaltung des denkmalgeschützten Bezirksamtes Hamburg-Nord an der Kümmellstraße und der benachbarten Schule St. Nikolai an der Robert-Koch-Straße.
Der neue Bebauungsplan „Eppendorf 17“ soll die Grundlagen für einen Abriss des jetzigen Bezirksamtsgebäude und für Wohnungsbau auf Teilen dieser Fläche und womöglich auch auf Flächen der Schule St. Nikolai schaffen. Ein neues verkleinertes Bezirksamt soll hier errichtet werden, das den Bedürfnissen der Regionalbehörde auch gerecht würde, so dass sich Platz für Wohnungsbau ergibt. Die Grundschule benötigt aber nicht weniger, sondern mehr Platz, da sie künftig vierzügig betrieben werden soll.

Städtebaulicher Wettbewerb

Jetzt wurde die Auslobung für einen Architektenwettbewerb auf den Weg gebracht. Ein Preisgericht wird voraussichtlich im Mai über die dann eingesandten 15 Entwürfe nationaler und internationaler Architekten entscheiden. Für die ABR German Real Estate AG, den Eigentümer der Fläche rund um das Bezirksamt, steht die Sache im Prinzip schon fest. „30 Prozent geförderter Wohnungsbau ist schon fix“, sagt Klaus Roelcke vom Vorstand. Wie viele Wohnungen auf dem etwa 17.000 qm großen Areal insgesamt gebaut werden, sei aber noch nicht klar. Das werde der städtebauliche Wettbewerb entscheiden, so Roelcke. Schon in der Entwicklungsphase investiert die Immobilien- und Grundstücksfirma 31 Millionen Euro. Baubeginn könnte schon in anderthalb Jahren sein, hofft Roelcke.

Bezirksamt: Teilabriss gefordert

An der Entscheidung über die Zukunft dieser zentralen Flächen Eppendorfs ist neben dem Investor German Real Estate AG und der Stadt Hamburg auch ein Planungsbeirat beteiligt, der sich aus Vertretern verschiedener Eppendorfer Institutionen, den Fraktionen der Bezirksversammlung Hamburg-Nord und einem Anwohner zusammensetzt. Dreimal hat er schon getagt.
Eine Institution ist schon nicht mehr dabei. Die Initiative „Wir sind Eppendorf“ zog sich enttäuscht zurück. Ihrer Meinung nach stehen Abriss und Neubau des Bezirksamtes sowie Wohnungsbau auf Flächen des jetzigen Bezirksamtes bereits fest. Der Planungsbeirat, so die Initiative, habe nur „Alibi-Funktion“. Die Verlierer seien die Eppendorfer, die zusehen müssten, wie ein Investor über den Erwerb des Bezirksamtes die Gestaltungshoheit für das Zentrum des Stadtteils erhalte. Diese Entwicklung hatte die Stadt 2010 mit dem Verkauf der Bezirksamtsfläche an die German Real Estate AG erst ermöglicht. „Das war ein Fehler. Wir finden das skandalös. Das Bezirksamt ist immerhin das ‚Rathaus‘ für 280.000 Einwohner des Bezirks“, empört sich auch Klaus Kolb, einer der Leiter des Kulturhauses Eppendorfs, ebenfalls Mitglied im Planungsbeirat, „Jetzt sieht man, was dadurch passieren kann.“
Kolb gibt auch zu bedenken, dass die beiden betroffenen Gebäude unter Denkmalschutz stehen. Weil er den Eindruck hatte, dass Abriss und Neubau des Bezirksamtes bereits die Grundlage der Auslobung sein sollten, setzte er sich erfolgreich dafür ein, dass auch die Möglichkeit eines Teil-
abrisses des Bezirksamtes in die Auslobung mit aufgenommen wurde.
„Es lastet ein großer Druck auf dem Planungsbeirat, Abriss und Neubau nicht zu behindern“, erzählt Kolb.
Sehr viel unklarer ist die Situation auf dem Nachbargrundstück der Schule St. Nikolai, das sich unverändert in städtischem Besitz befindet. Die Schule muss saniert und erweitert werden. Ob hier auch ein Komplettabriss helfen kann oder die denkmalgeschützte Anlage ganz oder teilweise erhalten bleiben sollte, ist noch ganz offen, zumal der Denkmalschutz sich auch auf die Außenanlagen bezieht, die für ein pädagogisches Konzept der 1950-er und 1960-er Jahre stehen. Michael Werner-Boelz, Mitglied der Grünen im Planungsbeirat, steht dem ganzen Projekt skeptisch gegenüber. Man müsse aufgrund der Entwürfe, die nun angefertigt werden „sehr genau prüfen“, wie mit diesen zentralen Flächen umgegangen werden soll. Thomas Domres, der Vorsitzende der SPD-Bezirksfraktion, begrüßt das Neubauprojekt dagegen sehr. Insbesondere eine „schöne neue Schule“ liegt ihm am Herzen. Nur die Linken sind gegen das Projekt. Sowohl die Schule St. Nikolai als auch das Bezirksamt möchten sie nicht abreißen lassen. „Das Bezirks-
amt steht für die offene Bauweise nach 1945. Der große Saal symbolisiert mit seinen großen Fenstern Transparenz“, erläutert die Bezirksabgeordnete der Linken, Karin Haas. Auch weil die Schule St. Nikolai Inklusionsschule ist, sei das große Außengelände wichtig, findet Karin Haas. Außerdem dürfe „kein Quadratmeter öffentlicher Grund mehr verkauft werden. Es gibt keinen Spielraum mehr.“ Klaus Roelcke von German Real Estate AG indes weiß: „Die Stadt möchte auch dort Wohnungen.“ Noch wurde das Gelände aber nicht zum Verkauf ausgeschrieben. (ba/ch)
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