Hamburg: Etwas Farbe für das fremde Zuhause

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Ingrid Steinborn und ihre Schützlinge: Kinder aus der Flüchtlingsunterkunft Borsteler Chaussee Foto: Hanke

In der Flüchtlingsunterkunft Borsteler Chaussee greifen Kinder aus anderen Ländern unter Anleitung zum Pinsel

Hamburg. Es sollte schöner werden in der Flüchtlingsunterkunft Borsteler Chaussee 299 – und es ist schöner geworden. Seitdem dort untergebrachte Kinder die Wände bemalen. Vier Kinder einer afrikanischen Familie und ein Kind aus Osteuropa verschönern gerade den Eingangsbereich des tristen Altbaus.
Häuser, Bäume, eine Sonne oder einfach farbige Flächen werden da gepinselt. Unter Anleitung zweier ehrenamtlich tätiger Frauen. „Sie sind stolz auf ihre Bilder. Das stärkt das Selbstbewusstsein“, erzählt Ingrid Steinborn, eine der Helferinnen. Sie betreut die kleinen Malerinnen seit Anfang des Jahres. Sie war Lehrerin, suchte nach der Pensionierung eine neue „sinnstiftende Aufgabe“. „Ich bin schon seit langem Hobbymalerin“, erzählt die Groß Borstlerin, die sich erst bei einer anderen Flüchtlingsunterkunft meldete. „Aber die hatten keinen Bedarf mehr und rieten mir, mich in meinem Stadtteil umzugucken“, berichtet die Pädagogin. Da passte es gut, dass Rosanna Paulsen, bis vor kurzem Leiterin der Unterkunft an der Borsteler Chaussee, gerade die Verschönerung des Hauses eingeleitet hatte. In einem neu eingerichteten Kreativkurs, der einmal in der Woche angeboten wird, konnten Bewohnerinnen und Bewohner der Unterkunft die Wände ihres neuen vorübergehenden Zuhauses bemalen. Der Beginn um 16.30 Uhr war auf Kinder und Jugendliche abgestimmt worden, die bis 16 Uhr zur Schule gehen. Es kamen einige der bis zu 20 Kinder, die in der Unterkunft leben. Nur sechs kommen regelmäßig, aber das sehen die Verantwortlichen als Erfolg. Ausdauer und Zuverlässigkeit fehlen den Flüchtlingskindern häufig, hat Ingrid Steinborn beobachtet, aber sie „bewertet das nicht“. „Die freuen sich unheimlich“, ist Rosanna Paulsens Eindruck von den teils stark traumatisierten Kindern.
Mit 93 Sollplätzen ist die Flüchtlingsunterkunft Borsteler Chaussee 299 eine der kleinsten in Hamburg. Alleinstehende Männer und Familien mit Kindern aus rund zwölf Nationen leben hier von wenigen Wochen bis zu mehreren Jahren. „Die meisten sind Asylbewerber. Einige dürfen aber auch arbeiten. Alle Kinder gehen zur Schule“, erzählt Rosanna Paulsen.
Derweil bemalen die fünf Kinder immer noch den Eingangsbereich. Ingrid Steinborn ist zufrieden mit ihren Schützlingen. Sie freut sich über die kontinuierliche Arbeit der Kleinen. Wenn das Malprojekt im Haus beendet ist, möchte sie im Garten weitermachen. „Im Sommer können wir Steine bemalen“, hat sie sich überlegt. Kochen und Backen möchte sie weiter anbieten. Beides ist bereits Bestandteil des Kreativkurses. Und vielleicht wird in diesem Jahr sogar ein Sommerfest unter den Bewohnern gefeiert. Das ist Ingrid Steinborns Traum.
Wer in der ehrenamtlichen Betreuung der Flüchtlingskinder mitmachen möchte, für den ist polizeiliches Führungszeugnis ist Voraussetzung. „Es wird ein Vertrag geschlossen“, sagt Ingrid Steinborn. Interessierte können sich in der Unterkunft unter Tel.: 552 012 70 melden. (ch)
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