Hamburg: Fledermaus auf der Spur

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Fledermäuse lassen sich besonders an warmen Sommerabenden gut beobachten
 
Mit dem Bat Detektor lädt Jakob Lakowsky (20) zur Fledermaus-Safari ein

Jakob Lakowsky macht Führungen im Eppendorfer Park

Von Miriam Flüß
Hamburg. Endlich meldet sich ein Geräusch aus dem Ultraschallgerät. Die Fledermäuse sind zur Jagd erwacht. Nicht in Transsilvanien, sondern mitten im dämmrigen Eppendorfer Park. Von ihren Kehlköpfen senden sie Wellen aus, um per Echolot Beute und mögliche Hindernisse zu orten. Jakob Lakowsky und seine „Bat Detektoren“ genannten Ultraschallgeräte machen es möglich, dass die Teilnehmer der Fledermaus-Safari die Tiere im Halbdunkel ausmachen können. Der Detektor funkt auf der Frequenz der Fledermäuse, sobald er ertönt, kann man mittels der Jagdgeräusche das dazugehörige Tier erblicken. „Im Eppendorfer Park jagen große Abendsegler und Wasserfledermäuse“, erzählt Fledermaus-Fachmann Jakob Lakowsky.

Zwei Arten in Eppendorf

Der große Abendsegler, der in der späten Dämmerung erwacht, ist mit einer Flügelspannweite von 40 Zentimetern zwar die größte Fledermausart Europas, erinnert optisch aber eher an eine Schwalbe. Die Wasserfledermaus, die deutlich später heraus kommt und zur Jagd über den kleinen Teich düst, ist wesentlich schwerer zu erspähen. „Die größte Chance hat man mit einer Taschenlampe, vor die man eine rote Folie hält. Das reine Licht der Lampe verschreckt die Tiere“, weiß Lakowsky. Er ist zwar erst 20 Jahre alt, kennt sich mit den fliegenden Säugetieren aber bestens aus. Im heimatlichen Otterndorf nahe Cuxhaven an der Nordsee ist er in einem alten Bauernhaus aufgewachsen und seit früher Kindheit mit den Tieren vertraut.

2.000 Mücken pro Nacht

Sein Wissen hat er auf Fledermaus-Führungen speziell für Schulklassen weitergegeben. „Als ich nach Eppendorf gezogen bin, war ich erstmal traurig, dass es vorbei war mit den Führungen. Dann habe ich eines Abends hier im Park die großen Abendsegler entdeckt und beschlossen, hier weiterzumachen“, erzählt Lakowsky, der Wirtschaftswissenschaften studieren will. Sein Herz schlägt dennoch für die sagenumwobenen und oft gefürchteten Tiere: „Das sind ganz harmlose, liebenswerte Tiere, die über Jahrhunderte verteufelt wurden. Weil sie nachtaktive Tiere sind, sind sie vielen Menschen unheimlich – und natürlich wegen der Dracula-Filme. Nur 0,1 Prozent tragen den Tollwutvirus, aber für Menschen sind sie nicht gefährlich.“ Ganz im Gegenteil sind sie für Menschen sogar sehr nützlich, weil eine Fledermaus pro Nacht rund 2.000 Mücken verspeist.
Damit frisst sie sich bis zur Hälfte des eigenen Körpergewichts an. „Auf Jagd geht es allerdings nur, wenn es nicht regnet und Insekten unterwegs sind. Sonst ist der Energieaufwand für die Fledermäuse zu groß“, erklärt Lakowsky. Beim Abflug und auf der Jagd steigt die Herzfrequenz der Tiere nämlich auf 1.100 Schläge pro Minute, im Schlaf liegt sie bei 500 und im wachen Zustand bei 800.

Minimale Herzfrequenz

Wenn es mit Einbruch des Winters und Verschwinden der Insekten wie Mücken, Larven und Käfern in den Winterschlaf geht, kann sie die Frequenz sogar auf 60 bis 12 herunterfahren. Wenn die Räuber nicht jagen, lieben sie es, in kleinen Spalten unter Häuserdächern, bevorzugt auch in Kirchen, zu hängen.
Dämmungen und Moderniesierungen machen den Fledermäusen die Wohnungssuche allerdings zunehmend schwer. Wer einer Fledermaus ein Quartier anbieten möchte, kann überlegen, einen Fledermauskasten zu bauen. Die Anleitung gibt es auf der Homepage von Jakob Lakowsky unter www.fledermausführung-hamburg.de. Hier gibt es auch weitere Infos und Termine.
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