Hamburg: Foto-Schätze aus der Südsee

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Eine Familie aus Polynesien, vom europäischen Fotografen für die Aufnahme in Pose gesetztFotos: ch

Neue Ausstellung im Völkermuseum zeigt Kolonialisierung der Insel-Paradiese

Hamburg. Die Südsee, sie galt und gilt Europäern und Amerikanern als der Inbegriff des sorgenfreien Daseins, verspricht seit über hundert Jahren ein glückliches Leben in wohliger Wärme an Sandstränden unter Palmen mit wunderschönen Einheimischen. Dieses Klischee entstand im 19. Jahrundert, als die pazifischen Inseln von Europäern kolonisiert wurden, wie uns die Fotografien aus der Kolonialzeit zeigen, die jetzt im Völkerkundemuseum in der Ausstellung „Blick ins Paradies - Südsee erleben in historischen Fortografien“ zu sehen ist. „Fantasien unter Palmen“ heißt folglich eine Abteilung der Ausstellung, in der Fotos Sehnsuchtsfantasien der Europäer darstellen, darunter die „edlen Wilden“, die eigens für diese Fotos herausgeputzt wurden. Da können sich die Besucher auch ihr Lieblingsfoto aus einer Auswahl dazuhängen.

Zwischen Paradies und Plantagen

Meistens aber stehen die weißen Kolonialherren im Vordergrund, wie in der Abteilung „Zwischen Paradies und Plantagen“ zu sehen ist. Die Einheimischen lagen hinter Bäumen oder stehen im Hintergrund. Sie wurden auch im Studio gruppenweise abgelichtet und mit Vorliebe vermessen, um Erkenntnisse über ihre „Rassen“ zu gewinnen. Davon zeugen die Fotos, die wie Bilder von gesuchten Verbrechern aus jeder Perspektive in der Abteilung „Sammelgut und Vermessungswahn“ zu sehen sind. „Wir wissen leider nichts über sie, nur ihre physischen Daten“, sagt Jeanette Kokott, die Leiterin der Abteilung Südsee im Völkerkundemuseum, über die abgelichteten Einheimischen. Auch von Herrschern der Südsee, ihrem Verhältnis zu den Europäern, und von Hula-Tänzerinnen erzählen die Fotos.
Die Ausstellung ist das Ergebnis der Erfassung und Erschließung der rund 10.000 Polynesien-Fotos des Völkerkundemuseums, mit der vor zwei Jahren begonnen wurde. Damit begann eine zeitaufwendige Puzzlearbeit, denn die Fotos waren nur unzureichend oder überhaupt nicht beschriftet. Sie stammten aus privaten Sammlungen von Kaufleuten, Wissenschaftlern und Fotografen. Mit der Lupe in der Hand, mit Hilfe von Datenbanken und im Austausch mit Kollegen konnten etwa 1000 Motive rekonstruiert werden. Rund 1600 Fotos entpuppten sich als Originale. Das älteste stammt aus dem Jahre 1860. 110 hängen jetzt an den Wänden der Ausstellung. Sie können noch bis zum 31. August 2014 im Völkerkundemuseum bewundert werden. (ch)
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