Hamburg: Jüdische Schriften werden restauriert

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Maria Kesting zeigt einen Band aus dem Jahre 1709: ein Zyklus jüdischer Feiertage mit Gebeten Fotos: Hanke

Gemeindebibliothek soll nach Katalogisierung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden

Hamburg. „Das ist ein Schatz“ strahlt Maria Kesting, die Leiterin der Bearbeitungsdienste in der Staats- und Universitätsbibliothek. Ein Schatz, der nun endlich restauriert und dann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann: die Jüdische Gemeindebibliothek Hamburg.
Die rund 13.000 Bände in deutscher, hebräischer und jiddischer Sprache, darunter 3.000 aus dem 17. und 18. Jahrhundert, befinden sich seit den ersten 2000-er Jahren in den Magazinen der Staats- und Universitätsbibliothek. Sie ist eine der wenigen oder vielleicht sogar die einzige jüdische Gemeindebibliothek in Deutschland, die noch als geschlossene Bibliothek vorhanden ist. Dank einiger glücklicher Umstände. Sie wurde 1939 nach der Reichspogromnacht ins Reichssicherheitshauptamt nach Berlin geschafft. 1942 konnte sie der damalige Leiter der Bibliothek der Hansestadt Hamburg, der heutigen Stabi, Dr. Gustav Wahl, erfolgreich als Hamburgensie reklamieren, um sie nach Hamburg zurückzuholen.

Im Keller gelagert

Die Bibliothek wurde dann aber auf sächsische Außenlager der Hamburger Bibliothek verteilt, da Hamburg inzwischen ständig bombardiert wurde. 1957 gelang es, die jüdischen Schätze, vor allem durch die Bemühungen eines Mitglieds der jüdischen Gemeinde in Dresden, nach Hamburg zurückzubringen, wo sie in Kellerräume eingelagert wurden. Um die Jahrtausendwende bat die Jüdische Gemeinde die Staatsbibliothek um Aufnahme der teilweise sehr wertvollen Bände. Durch die vielen Transporte haben die Bücher und Zeitschriften arg gelitten. „Von 101 Kisten, die 1939 nach Berlin transportiert wurden, kamen nur 70 nach Hamburg zurück“, erzählt Maria Kesting. 1930 umfasste die Bibliothek rund 17.000 Bände. Die ältesten stammen aus dem 17. Jahrhundert. Besonders wertvoll sind 20 unterschiedliche Ausgaben des Babylonischen und des Palästinensischen Talmuds, teilweise in kostbaren Drucken des 18. Jahrhunderts. Sehr zahlreich sind Werke jüdischer Philosophen, Theologen und Autoren aus dem 19. Jahrhundert vorhanden. Die Bibliothek wurde 1909 als „Jüdische Bibliothek und Lesehalle“ in der Bieberstraße 4 eröffnet, zog 1929 ins Gemeindehaus, Johnsallee 54, und 1932 in die Beneckestraße 6 (heute Uni-Campus) um.

Die Bücher und Zeitschriften sind teilweise in einem schlechten Zustand. Rund 1000 Bände haben mittlere und 236 schwere Beschädigungen. Aufgrund einer Spende der Zeit-Stiftung in Höhe von 100.000 Euro kann 2015 mit der Restaurierung und Katalogisierung der Jüdischen Bibliothek begonnen werden. Auch die Hermann-Remtsmaa-Stiftung beteiligt sich an der Finanzierung. Die Wissenschaftsbehörde zahlt die Personalkosten für zwei Hebraistinnen, die sich eine neue volle Stelle für die Sichtung der Bibliothek teilen. (ch)
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