Hamburg: Kräuter für die Seele

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Konzentration und beherztes Schnuppern bei den Teilnehmern der Kräuterwanderung

Kräuterwanderungen rund um den Mühlenteich immer beliebter

Von Miriam Flüß
Hamburg. Mitten in Eppendorf wartet rund um den Mühlenteich ein kleines Dorado auf Gourmets und Naturheil-Interessierte: Was viele Spaziergänger für Unkraut halten, sind Wildkräuter, die nicht nur köstlich schmecken, sondern auch eine heilsame Wirkung haben.
Felicitas Bethmann weiht Wissbegierige auf einer Kräuterwanderung um den Mühlenteich und entlang der Tarpenbek in die Welt der Wildkräuter ein. Wie eine Kräuterhexe sieht die schlanke 46-Jährige, die auf der Wiese am Mühlenteich hockt und gelbe Blüten abzupft allerdings überhaupt nicht aus. „Das Gänsekraut heißt so, weil es auf Wasser nahen Wiesen wächst, über die gern Gänse trampeln und ihren Dünger hinterlassen.
Seine zweite Bezeichnung „Krampfkraut“ verrät, dass es gegen Durchfall, Migräne, Menstruationsschmerzen und andere Krämpfe hilft“, erklärt Bethmann den elf Frauen und einem Mann, die um sie herum stehen und auf ihren Hinweis hin die Blätter in den Mund stecken. Beim Kauen verziehen sich einige Gesichter. „Richtig lecker ist das nicht“, lacht Bethmann. „Also verwendet es in der Küche lieber nur in kleinen Dosen für den Wildkräutersalat.“

In Süddeutschland mit Natur aufgewachsen

Felicitas Bethmann wuchs nahe Stuttgart in einer kräuterkundigen Familie auf. „Wir haben viel von der Wiese gegessen und sind mit selbst gemachten Kräutertees, Tinkturen und Salben aus der Natur gesund gepflegt worden“, erzählt sie.
Seit 20 Jahren lebt sie in Hamburg und gibt ihr Wissen, das sie ständig an Heilpflanzenschulen vertieft, auf Kräuterwanderungen und Vorträgen an eine stetig wachsende Gruppe von Interessierten weiter.
Auch immer mehr Männer sind dabei. „Die interessieren sich besonders für die Herstellung von grünen Smoothies, für die sie teure High-Tech-Geräte anschaffen“, sagt Bethmann. Auch für melancholische und unruhige Gemüter hält die Pflanzenwelt am Mühlenteich das richtige Mittel bereit: „Paracelsus und Hildegard von Bingen verabreichten den Stinkenden Storchenschnabel in pulverisierter Form gegen Melancholie“, erzählt die Expertinund weist auf die Pflanze mit rosa-weißen Blüten und schnabelförmiger Frucht, die einen eigentümlichen Geruch verbreitet.
Baldrian ist ein guter Bekannter von vielen Menschen, die nervös sind oder unter Schlafstörungen leiden. Dass das Heilkraut mitten in der Stadt wächst, wissen die wenigsten. „Ich habe mein Abitur unter Baldrian geschrieben. Für einen Tee verwendet man die Wurzel. Die könnt ihr ausgraben, wenn genügend Pflanzen vorhanden sind.“
Weiter geht es zu Sumpfziest und Beinwell. Letzterer wurde in früheren Zeiten bei Knochenbrüchen verwendet und steckt heute in vielen bekannten Salben. Zum Schluss greift Felicitas Bethmann noch in die Nesseln: „Aus Brennnesseln kann man in der Pfanne Chips machen“, verrät sie das Rezept für einen ungewöhnlichen, aber gesunden Snack.
Wer mitgehen möchte: Die Termine von Bethmanns Stadtpark-Exkursionen sind auf kraeuterkiste.de zu finden.
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