Hamburg: Protest in der „heißen Phase“

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Streitbare Geister an der Hebebrandstraße (v. l.): Wiebke Jäger, Alfred von Appen, Uwe Puttfarcken, Friedhelm Stepat, Lioba Klaas und Petra Burmester Fotos: Haas
 
Dagmar Bittermann und Michael Frank verweisen auf ihre Gärten als Klimazone zwischen Barmbek und City Nord

Bürger können bis 15. August umstrittene Pergolen-Baupläne einsehen

Von Waltraut Haas
Hamburg. Auch die Sonne bricht durch: pünktlich zum Gartenfest der beiden Kleingartenvereine „Heimat“ und „Barmbeker Schweiz“ am vergangenen Sonntagnachmittag. Und das hebt die Stimmung der zahlreich erscheinenden Gäste. Das Treffen wird hauptsächlich für einen ausgiebigen Informationsaustausch genutzt – denn seit Juli liegt nun offiziell der Bebauungsplan zum „Pergolenviertel“ aus. Noch liegen keine Parzellen-Kündigungen vor.
Vor drei Jahren haben sich die Kleingärtner beider Vereine in der Bürgerinitiative „Eden für Jeden“ zusammengeschlossen. Ihre 330 Gärten am Rande von City Nord und dem Stadtpark sollen eingeebnet werden: für das Wohnungsbauprojekt „Pergolenviertel“ des Bezirks Nord. Beim groß angelegten Verfahren der Bürgerbeteiligung ab 2011 hatten sie zwar engagiert mitdiskutiert und ihre Bedenken vorgetragen. „Alle Argumente wurden ausgetauscht, aber es hat rein gar nichts gebracht“, sagen die Laubenpieper – einstimmig grimmig. „Die Bürgermeinung ist für die doch ohne Bedeutung, das Ganze hatte pure Alibifunktion!“ Dass hier sogar zwei Drittel der geplanten Wohnungen „bezahlbar“ sein sollen, sei nirgendwo verbindlich festgehalten, bekräftigen sie.
Im Februar 2013 reichte die Initiative dann ein Bürgerbegehren für den Erhalt der Kleingärten ein, vom Bezirksamt wenige Wochen später für unzulässig erklärt. Trotzdem erreichte es über 10.000 Unterschriften. „Eine Entscheidung zur Rechtmäßigkeit steht vom Verwaltungsgericht jedoch immer noch aus“, erklärt Dr. Uwe Puttfarcken – ein Sprecher der Initiative. Jetzt seien Stellungnahmen gefragt, denn seit dem 1. Juli liegt der Bebauungsplan für das Pergolenviertel im Bezirksamt Nord aus. Für die Initiative beginnt damit die „heiße Phase“ ihres Protests.

Als neuer Unterstützer zog ein Uhu ein

Bis zum 15. August könnten sämtliche Hamburger Bürger ihre individuellen Einwände gegen das Bauprojekt vortragen. Für alle Fälle hat die Initiative zudem einen „Einwendungs-Generator“ mit Formulierungsvorschlägen ausgeklügelt und ins Netz gestellt: Info: www.eden-fuer-jeden.de.
„Sämtliche Gärten sollen doch erst mal platt gemacht werden“, erklärt Friedhelm Stepat zu dem strittigen „Bebauungsplan-Entwurf Winterhude 42 / Barmbek-Nord 42 / Alsterdorf 42“. 150 neue Parzellen auf sechs Hektar sind zwar vorgesehen, aber eben auch diejenigen Parzellen, die von der Bebauung doch gar nicht betroffen wären, würden eingeebnet: „Von den Kosten gar nicht zu reden.“ Mitstreiter Alfred von Appen ergänzt: „Dabei handelt es sich hier gar nicht um eine typische Kleingartensiedlung, das hier ist eine Parklandschaft mit einem wertvollen, schützenswerten Biotop.“ Denn in den alten Bäumen und im Gebüsch fühlen sich auch geschützte Arten wohl, wie Waldohreule, Habicht oder diverse Fledermausarten. Wie es der Zufall will, macht Kleingärtnerin Lioba Klaas beim Gartenfest einen neuen Bewohner in ihrer Parzelle aus, die Sensation des Festes: Ein junger Uhu hat sich einen Schlafplatz in einem Nadelbaum ausgesucht! Kleingarten-Kollege Michael Frank hält das Exemplar der weltweit größten Eulenart im Foto fest. Ein Vogel, der den Widerstand der Kleingärtner weiter stärkt.
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