Hamburg: Rauhes Haus sucht Helfer

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EU gibt Fördermittel. Am 26. Juni feiert die Einrichtung 20. Geburtstag

Hamburg. Das betreute Wohnen „Alstertreff“ des Rauhen Hauses für Menschen mit psychischen Erkrankungen in Hamburg Nord wird 20 Jahre alt. Das wird am 26. Juni im Alstertreff in der Alsterdorfer Straße groß gefeiert. Obwohl es im Jubiläums-Jahr nicht nur Grund zur Freude gibt.
Im Rautenberg-Haus in der Alsterdorfer Straße 493, einer der beiden Standorte vom Regionalzentrum Ohlsdorf, finden Menschen mit psychischer Erkrankung Schutz und Sicherheit in den eigenen vier Wänden und können trotzdem auf Hilfestellung und Betreuung von Sozialpädagogen, Krankenpflegern und Assistenzkräften zurückgreifen.

Finanzmittel gekürzt

Die Küche und das Wohnzimmer werden von den Bewohnern geteilt. „Besonders das Kochen übt das Miteinander und das Sozialverhalten. Und beim Einkaufen können die Bewohner trainieren, sich angstfrei in der Öffentlichkeit zu bewegen und auch das Fahren mit Bus und U-Bahn üben“, erklärt Dieter Schoppel, der seit 2002 als Sozialpädagoge zusammen mit 13 Kollegen am Standort Alstertreff, Alsterdorfer Straße 530, tätig ist. Viele der 85 Klienten aus dem Regionalzentrum Ohlsdorf, die er aus Betreuungszusammenhängen kennt, haben Angststörungen die ein Symptom von chronischen Erkrankungen wie Schizophrenie oder Psychosen sein können. Die Zahl psychischer Erkrankungen hat seit Schoppels Eintritt ins Berufsleben vor mehr als 20 Jahren deutlich zugenommen, allein in Hamburg geht jede fünfte Krankschreibung auf eine psychische Erkrankung zurück. Im Betreuten Wohnen der evangelischen Stiftung Das Rauhe Haus beobachtet Schoppel einen Generationen-Wechsel: „Die Betreuten werden jünger, viele haben Psychosen die durch Alkohol- oder Drogenmissbrauch ausgelöst wurden. Das fing Anfang der 1990er Jahre mit den Designer-Drogen an. Aufputschmittel werden immer stärker verfeinert und können in kürzester Zeit Langzeitschäden verursachen. Viele der Betroffenen haben mit Mitte, Ende 20 ein Gedächtnis wie ein Sieb und können sich nicht mehr konzentrieren.“ Während psychisch erkrankte Menschen früher fast ausschließlich in Nervenheilanstalten verwahrt wurden, bietet ihnen seit mehr als 20 Jahren das eigenständige Wohnen deutlich mehr Lebensqualität und die Chance, sich im Alltag wieder zurechtzufinden. Auch im beruflichen: „Wir vermitteln Praktika und suchen Arbeitsplätze“, so Schoppel. Trotz steigender Krankheitsfälle und Wartezeiten bis zu zwei Jahren für psychotherapeutische Hilfe werden die finanziellen Mittel von der Sozialbehörde jedoch gekürzt. Die trägerübergreifende regionale Informations- und Beratungsstelle „Koordination Hamburg-Nord“ kann seit Ende Mai nicht mehr finanziert werden, damit fällt eine wichtige Anlaufstelle für Erkrankte weg. Fachkräfte werden abgebaut und durch Assistenzkräfte ersetzt, so auch der Psychologe des Alstertreffs. Nach seiner Pensionierung im Juli wird seine Stelle nicht neu besetzt.

„Ich hoffe, dass es keine weiteren Kürzungen geben wird“ wünscht sich Schoppel zum Jubiläum.

„Wenn die Rufbereitschaften eingestellt werden, kann das für suizidgefährdete Klienten fatale Folgen haben.“ Wie in vielen Bereichen wird auch hier auf die Hilfe von ehrenamtlichen Bürgern aus dem Stadtteil gesetzt, die beim Einkaufen unterstützen können oder einfach zuhören und reden.
Dafür, dass sich nicht nur professionelle Helfer um die psychisch Erkrankten kümmern, hat die EU sogar Fördergelder bereit gestellt. Wer sich für eine ehrenamtliche Unterstützung interessiert, kann sich im Alstertreff melden unter
t 500 40 60 oder via E-mail alstertreff@rauheshaus.de. (flü)
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1 Kommentar
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Wolfram Lenz aus Eilbek | 25.06.2014 | 14:50  
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