Hamburg: Senioren dürfen bleiben

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Erika Bothmann und Lutz Duhnenkamp wollen im Heimann-Stift wohnen bleibenFoto: Hanke
 
Ines Llosent y Gall ist Mitglied des MieterratsFoto: Hanke

Heimann-Stift: Wohnungen werden modernisiert. Häuser im Park

Von Christian Hanke
Hamburg. Aufatmen der Bewohner des Clara und Martin Heimann-Stifts: Die Flächen an Martini- und Löwenstraße und des Senator-Erich-Soltow-Stifts an der Breitenfelder Straße sind Investoren zum Kauf anhand gegeben worden (das Wochenblatt berichtete). Die gute Nachricht für die seit zwei Jahren verunsicherten Mieterinnen und Mieter, überwiegend ältere Menschen: Sie können zu moderaten Preisen bleiben, in modernisierten und neuen Wohnungen. Die Gebäude des Clara und Martin Heimann Stifts sollen dabei nicht, wie von der Finanzbehörde vermeldet, entkernt werden. „Wir wollen die Wohnungen modernisieren, aber sie bleiben so, wie sie sind“, berichtet Karsten Horx, einer der Geschäftsführer des Investors Euroland Projektierungen GmbH, der betont, dass es sich bislang nur um Planungen handele. Bis zum Sommer möchte die Euroland aber wissen, ob ihre Pläne umgesetzt werden können. Wie denken die Bewohnerinnen und Bewohner über die Umwälzungen, die auf sie zu kommen? Das Wochenblatt hat sich umgehört.
„Wir haben uns schon vorgestellt, dass sie uns rausschmeißen“, erzählt Erika Bothmann, die seit 1994 im Heimann-Stift an der Martinistraße wohnt. „Wir werden es nicht aufhalten. Das liegt alles fix und fertig in der Schublade“, resigniert die Rentnerin, die schon einiges durchgemacht hat. Als junge Frau musste sie während des Zweiten Weltkrieges mit Säugling aus der früheren Neumark fliehen, fing in Hamburg ganz neu an.
Seit Jahrzehnten mit dem Stadtteil verbunden
Die 93-Jährige ist dem Stadtteil schon lange verbunden, lebte vorher 49 Jahre im Abendrothsweg. „Ich will bleiben“, bekräftigt Lutz Duhnenkamp. „Das Ungewisse tut uns allen so weh“, erzählt der Senior, Jahrgang 1929, der sich bitter über die Stiftungsvorstände beklagt: „Uns sagt man ja nichts. Was wird nun?“ Diese zentrale Frage bewegt natürlich alle Bewohner, vor allem, weil wohl niemand die gewohnte Umgebung und den schönen Stadtteil verlassen möchte.
„Hier ist niemand, der ausziehen will“, ist sich Lutz Duhnenkamp ganz sicher. Er genießt neben der guten Nachbarschaft das Grün hinter den Stiften, die große Rasenfläche mit den vielen Bäumen und dem kleinen Rondell mit Bänken. Einen Baum mit einer Bank darunter mag er besonders. „Die Tannen haben Bewohner selbst gepflanzt“, erzählt er noch und zeigt auf zwei dieser Bäume vor dem Eingang an der Rückfront des Heimann Stifts Martinistraße. Diese Idylle wird verschwinden, wenn die Pläne der Investoren umgesetzt werden. Drei „Punkthäuser“ sollen hier gebaut werden: der Wohnpark Löwenstraße 77. Darüber ärgert sich Ines Llosent y Gall, Mieterin im Heimann Stift Löwenstraße. „Wir nutzen das Rondell gern. Der Garten ist wunderschön. Da wird auch die Wäsche aufgehängt. Bestimmt 50 Kaninchen leben hier. Die Bäume sind gesund“, erzählt die Malerin, die schon einige Auftragswerke für die Stadt Hamburg angefertigt hat.
Den Unmut der Bewohner über den Bau der drei Punkthäuser in der grünen Mitte des Geländes kann Karsten Horx verstehen, aber er sagt auch: „Wenn die Wohnungsoffensive der Stadt erfolgreich sein will, muss nachverdichtet werden.“
In der Wohnung von Ines Llosent y Gall stapeln sich Bilder. Auch sie möchte hier wohnen bleiben. Wie sie in eine Ersatzwohnung umziehen soll, wenn die Heimann-Stifte modernisiert werden, weiß sie nicht. „Das ist gar nicht machbar“, ist sich die Künstlerin wegen ihrer, teilweise großformatigen Bilder ganz sicher. Zumal auch völlig unklar ist, wo die Ersatzwohnungen sein sollen. Die Diplom Designerin ist eine von nur noch zwei Mitgliedern des Mieterrats, der sich natürlich darüber freut, dass die Mieter der beiden zum Verkauf stehenden Stifte zu moderaten Preisen wohnen bleiben können. Nur die Bebauung der Grünfläche stößt auf keine Gegenliebe. (ch)
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