Hamburg: Stift-Senioren in Sorge

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Alle Plätze des Großen Saales im Bezirksamt Hamburg-Nord waren bei der öffentlichen Anhörung zum Thema Wohnstifte besetzt Foto: Hanke

Dezernatsleiter: Drei Wohn-Areale werden an Investoren verkauft

Von Christian Hanke
Hamburg. Die Mikros waren schon ausgeschaltet, als die eigentliche Nachricht im privaten Gespräch zur Sprache kam: Die Grundstücke des Martin-und-Clara-Heimann-Stifts, Martinistraße 83 und Löwenstraße 77, und des angrenzenden Senator-Erich-Soltow-Stifts in der Breitenfelder Straße sind Investoren anhand gegeben, die sie - nach Rückgabe der Flächen an die Stadt - erwerben wollen. Das berichtete Dr. Michael Bigdon, der Leiter des Dezernats Wirtschaft, Bauen und Umwelt im Bezirksamt Hamburg-Nord nach dem offiziellen Ende einer öffentlichen Anhörung zur Zukunft der Wohnstifte in Hamburg-Nord, die auf Initiative der Grünen im voll besetzten Großen Saal des Bezirks-
amtes stattgefunden hatte. In den Altbauten der Heimann-Stiftung, so Bigdon, entstehen zu über 70 Prozent geförderte Wohnungen. Die Finanzbehörde hat diese Information bestätigt und außerdem mitgeteilt, dass die Altbauten des Heimann-Stiftes wie vorgesehen entkernt werden. „In enger Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt“ sollen hier 63 öffentlich geförderte Mietwohnungen realisiert werden. Das nicht unter Denkmalschutz stehende Soltow-Stift wird ebenfalls wie vorgesehen abgerissen und durch einen Neubau mit rund 140 ebenfalls öffentlich geförderter Mietwohnungen ersetzt. Der geplante Umzug aller Bewohner beider Stiftungen in Neubauten nach Lokstedt bleibt als Option. Unverändert sind aber Neubauten in der großen Grünanlage des Heimann-Stiftes geplant. Hier entstehen 277 Wohnungen, davon 73 Prozent, 203 Wohnungen „im geförderten Segment“. Über die Zukunft der Flächen von Heimann- und Soltow-Stift entscheidet die Kommission für Bodenordnung bis zur Sommerpause.

Bewohner wollen bleiben

Die Ankündigung der Vorstände von Heimann- und Soltow-Stiftung, die Grundstücke der Stiftungen an die Stadt zurückzugeben, die dort den Bau nobler Wohnungen plante und die Überlegung, die Stiftsbewohner nach Lokstedt umzusiedeln, hatte unter den alten Menschen zu großer Unruhe geführt. Sie wollen nicht umziehen, nehmen, um zu bleiben, auch Nachteile der Bebauung in Kauf.
Das Interesse an der Anhörung zum Thema Wohnstifte war riesig. Über 200 Menschen füllten den Großen Saal des Bezirksamtes Hamburg-Nord. Bewohnerinnen, nicht nur der beiden betroffenen Stifte, artikulierten ihre Ängste und Sorgen, ebenso wie die Vertreter in Hamburg-Nord ansässiger Wohnstiftungen. Dabei ergab sich ein unterschiedliches Bild. Während die Familie Beyling Wohltätige Stiftung unter finanziellen Belastungen ächzt, geht´s der benachbarten Julius-und-Betty-Rée-Stiftung (beide in der Schedestraße) prächtig. Vertreter des Heimann- und des Soltow-Stifts waren nicht erschienen. Hohe Kosten für Renovierungen, die die Stiftungsvorstände von Heimann- und Soltow-Stift als Grund für ihre Rückgabe-Pläne angaben, drücken aber viele Stiftungen, zumal sie keine Gewinne machen und daher auch keine Rücklagen bilden können.
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