Hamburg: UKE wird 125 Jahre alt

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Blick in einen der Pavillons des Neuen Allgemeinen Krankenhauses in Eppendorf: 30 Patienten lagen dicht an dicht in ihren Betten Foto: UKE
 
Prägnanter Eingang: Wohl kein Eppendorfer, der nicht dieses Torensemble an der Martinistraße kennt Foto: Hanke

Serie Teil 1: Wie 1889 das „Allgemeine Krankenhaus“ startete

Von Christian Hanke
Eppendorf. Vor 125 Jahren wurde das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) als „Neues Allgemeines Krankenhaus“ gegründet. Am 17. Mai wird der runde Geburtstag mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. Bis dahin stellt das Wochenblatt das UKE und seine Vorgänger seit 1889 in fünf Teilen vor. Zum Auftakt: die Entstehungsgeschichte und die Eröffnung des Eppendorfer Krankenhauses.

Von den früher üblichen „dumpfen Krankensälen“ sei nichts geblieben, stellte der Bürgerschaftsausschuss für den Krankenhausneubau nach der Eröffnung des Neuen Allgemeinen Krankenhauses auf der Eppendorfer Feldmark am 1. März 1889 fest. In der Tat präsentierte sich das zweite Krankenhaus in Hamburg, das heutige Universitätsklinikum Eppendorf, den Behördenvertretern und Honorationen der Stadt, die es am 19. Mai 1889 zum ersten Mal in Augenschein nahmen, als eine revolutionäre Neuheit. Es bestand aus über 50 lichten und luftigen Pavillons in einer Parkanlage, die sogar einheitlich nach dem Sonnenstand gebaut worden waren, so dass das Sonnenlicht von morgens bis abends bestimmte Aufgaben erfüllte, um 10 Uhr beispielsweise leuchtete die Sonne in den Tagesraum, am Nachmittag auf die Veranda der Pavillons.
Neueste medizinische Erkenntnisse, insbesondere der Hygiene und der Bakteriologie bestimmten den Bau des Krankenhauses in Eppendorf. Die Pavillonbauweise und die umgebende Natur des Parkes sollten die Übertragung von Krankheitserregern einschränken und den Gesundungsprozess fördern. Die Verhinderung von Epidemien, die Europa im 19. Jahrhundert noch heimsuchten, bestimmte die medizinische Strategie, weshalb schon einige Jahre vor der Eröffnung des ganzen Krankenhauses 1884 die Epidemieabteilung eröffnet wurde, die das hoffnungslos überfüllte alte Krankenhaus in St. Georg entlastete.
Die katastrophalen Zustände in St. Georg, immer stärkere Überbelegungen, hervorgerufen durch den immensen Bevölkerungszuwachs in Hamburg ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, bedingt durch die Industrielle Revolution, hatten zu der Überlegung geführt, in Hamburg ein zweites Krankenhaus zu bauen.
Heinrich Curschmann, seit 1879 der erste Ärztliche Direktor des AK St. Georg (vorher gab es nur einen Verwaltungsdirektor), trieb die Idee eines neuen Krankenhauses zügig voran. Der 33-Jährige war dabei beseelt von der Idee der Pavillonbauweise. Die strikte Isolierung von Patienten bei der Eindämmung von Seuchen und die heilsame Wirkung frischer Luft bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten leiteten sein Handeln.
Gegen starke wirtschaftliche Argumente der Stadtväter setzte Curschmann sein Pavillon-Krankenhaus durch. Nur in Bezug auf den Standort musste der junge Krankenhaus-Direktor nachgeben. Entgegen seiner Vorstellung von einem neuen Krankenhaus in zentraler Lage kaufte die Stadt ein rund 18 Hektar großes Grundstück in der Eppendorfer Feldmark an der damaligen Stadtgrenze. Es war wesentlich billiger als Baugrund in der Stadt.
Für die Patienten wurde es dadurch mühsam, das Neue Allgemeine Krankenhaus zu erreichen. Die Pferdebahn fuhr nur bis Hoheluft.
Dieser Nachteil wurde allerdings durch die Lage des von Wiesen und Feldern umgebenen Krankenhauses und die Licht und Luft durchlässigen Pavillons inmitten einer idyllischen Parkanlage mehr als wettgemacht. Für die meisten Patienten aus den unteren Schichten, die in düsteren, unhygienischen kleinen Wohnquartieren zusammengepfercht lebten, war das neue Krankenhaus eine wahre Gesundheitsoase. Da störte auch die Tatsache nicht, dass die Pavillons Krankensäle mit rund 30 Betten, dicht an dicht, beherbergten.
Die Pavillons erleichterten auch die Aufteilung der Patienten nach ihren Leiden, nach medizinischen Sachgebieten, die sich in diesen Jahren herauskristallisierten. Das Neue Allgemeine Krankenhaus in Eppendorf war somit auch eines der ersten modernen Krankenhäuser, das Patienten nicht nur „aufbewahrte“. Hier bemühten sich Mediziner von Anfang an nach wissenschaftlichen Erkenntnissen um die Gesundung ihrer Patienten und forschten daran. Das war der Grundstein für das spätere Universitäts-Krankenhaus. (ch)

Nächste Woche: Die UKE-Architektur - erst ihrer Zeit voraus, dann eine Herausforderung
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