Hamburger Helfer auf vier Pfoten

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Goldenretriever Hündin Bani gönnt sich eine Pause, ihre Besitzerin Angela Harms (dritte von rechts) auch Foto: Svenja Lau
Von Svenja Lau
Hamburg. Die Goldenretriever-Hündin Bani (8) liebt es, Menschen mit ihrer Nase anzustupsen. Jeder andere Hundebesitzer hätte ihr das wohl schon im Welpenalter abtrainiert. Angela Harms (55), Banis Besitzerin, hat das nicht. Im Gegenteil: Sie hat dieses Verhalten noch bestärkt. Denn es gehört zu Banis Job. Bani ist ein Besuchshund und Angela Harms ihre Hundeführerin. Gemeinsam besuchen sie ehrenamtlich Seniorengruppen, führen Besuche bei Einzelpersonen durch und treffen auch Kinder in Schulen.
Mindestens einmal die Woche ist Angela Harms für die Hamburgische Brücke unterwegs. Die Gesellschaft für private Sozialarbeit mit dem Hauptsitz in Uhlenhorst betreut und pflegt Menschen mit Demenz. An diesem Mittwochmorgen haben sich alle Mitglieder der Seniorengruppe Eppendorf zum gemeinsamen Frühstück versammelt. Dass draußen auf dem Parkplatz vor dem Gebäude ein Goldenretriever und ein Labrador im Kofferraum eines Autos warten, ahnt von ihnen noch keiner. „Das Besondere an dem heutigen Besuch ist, dass noch nicht alle Gruppenmitglieder die Hunde kennen“, sagt Angela Harms. Sie hat sowohl ihre Hündin Bani als auch deren Tochter Lizzy (3) mitgebracht.

Hunde als Türöffner

Die Tische werden nach dem Frühstück gemeinsam an die Wände gestellt und als alle in einem großen Stuhlkreis sitzen, geht die Tür auf und zwei Hunde kommen schwanzwedelnd in den Raum. Bani lässt es sich nicht nehmen die Runde einmal abzugehen, um sich zur Begrüßung von jedem umarmen und streicheln zu lassen. „Viele haben schon in ihrer Kindheit einen Hund gehabt und freuen sich umso mehr“, so Harms. Nur einer möchte nicht an dem Trubel teilnehmen. Ein Herr sitzt abseits der Runde an einem der Tische, die beiseite geschoben wurden. Er puzzelt. „Menschen mit Demenz leben häufig in ihrer eigenen Welt. Sie sind versunken in Tätigkeiten von denen sie sich schwer abbringen lassen“, sagt Harms. In diesen Augenblicken nutzt Angela Harms ihre Bani als Türöffner. „Über die Hunde schaffen wir Momente, in denen Demenzkranke aus ihrer Welt herauskommen.“ Bani weiß, was zu tun ist und setzt sich ruhig an die linke Seite des Senioren. Vorsichtig stupst sie die auf den Puzzleteilen liegende Hand an – nichts geschieht. Ein erneuter Versuch bleibt ebenfalls ohne Reaktion. Doch alle guten Dinge sind drei: Bani schiebt die Nase noch einmal unter den Arm des Herrn und hat Erfolg. Er schaut zu Bani hinunter, streichelt langsam über ihren Kopf und nickt lächelnd. Dann ist der Moment vorbei und er widmet sich wieder seiner Aufgabe – dem Puzzeln.
Angela Harms hat sich die Goldenretriever-Hündin Bani als Welpe gekauft, um einmal gezielt mit ihr diese Tätigkeit ausüben zu können. Heute besitzt sie den Besuchshundedienst Bijou. „Ich habe die Philosophie, dass man alles zurückbekommt, was man auch selbst gibt“, sagt Harms. „Also kann ich guten Gewissens davon ausgehen, dass ich auch Hundebesuch bekomme, wenn mich die Demenz ereilen sollte.“


Angela Harms sucht für ihren Dienst weitere Besuchshundeteams. Infos im Internet unter therapiehunde-hamburg.de
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