Hamburger Klotz in Winterhude: Bunker wird abgerissen

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Der Bunker an der Forsmannstraße soll weg Foto: Hanke/Montage: Silvia Kühn

Denkmalschutz wurde aufgehoben. Nun sollte gesprengt werden - aber diese Arbeiten sind zu erschütternd...

Von Daniela Barth

Hamburg. Der Hochbunker an der Forsmannstraße 10, der mitten im eng bebauten Wohngebiet steht, soll Anfang nächsten Jahres abgerissen werden. Die Otto Wulff Bauunternehmung GmbH will an dessen Stelle 38 Wohnungen bauen. Darüber sind Anwohner der Forsmannstraße, die erst jetzt – zufällig – davon erfuhren und sich in der vergangenen Woche spontan im Goldbekhaus versammelten, entsetzt. Sie gründeten sogar eine Bürgerinitiative: „Wir sind Winterhude“.

Denkmalschutz wurde aufgehoben
Sie fordert nun einen Abriss-Stopp und hat schon ein Protestschreiben an die Kultursenatorin Barbara Kisseler (parteilos) formuliert, in dem unter anderem aus dem Denkmalschutzgutachten zitiert wird: „Als Bauwerk des 2. Weltkrieges legt er Zeugnis ab vom (…) verheerenden Luftkrieg und ist gleichzeitig Mahnmal gegen Faschismus und Krieg (...)“. In der aktuellen Denkmalliste Hamburgs wird der Bunker tatsächlich als geschützt aufgeführt. Dies sei allerdings ein Fehler, wie Enno Isermann, Sprecher der Kulturbehörde, auf Nachfrage des WochenBlatts einräumt. Das Gebäude gehörte zwar bis August 2012 zu den wenigen denkmalgeschützten Bunkern in Hamburg, so Isermann, aber vor über einem Jahr wurde der Denkmalschutz aufgegeben. Grund: Der private Eigentümer habe das beantragt, weil er wirtschaftlich nicht mehr in der Lage gewesen sei, den Bunker unter Denkmalschutz-Vorgaben zu erhalten.
„Nach gründlicher Prüfung hat die Kulturbehörde diesem Antrag zugestimmt“, sagt Enno Isermann. Dies sei eine deutliche Ausnahme und käme sehr selten vor, betont er.

Auch das Bezirksamt Hamburg-Nord bestätigt: „Der Abbruch wurde 2012 bestätigt, weil der Denkmalschutz aufgehoben wurde“, gibt Sprecherin Katja Glahn Auskunft. Der Baubeginn sei bis jetzt noch nicht datiert. Das Bauamt sei aber in Kontakt mit dem Bauherrn, um den zuständigen Bauausschuss über „die nächsten Schritte informieren zu können“.

Fräsen statt Sprengen- das ist leiser...
Die Otto Wulff GmbH, die den Bunker samt Grundstück aus privater Hand kauft, habe die direkt benachbarten Eigentümer schon informiert, erklärt ein mit dem Bauprojekt beauftragter Mitarbeiter der Firma Wulff. Eigentlich sei der Abriss schon zu Winteranfang mit so genannten Lockerungssprengungen geplant gewesen, man habe jetzt aber davon Abstand genommen, die Pläne auf Anfang 2014 verschoben und sich für ein „sanfteres Betonfräsverfahren“ entschieden. Dieses würde weniger Erschütterungen verursachen und sei auch nicht ganz so laut wie Sprengungen.
Zirka drei Wochen vor Abbruch habe man auch alle anderen Anwohner der Forsmannstraße informieren wollen, versichert der Mitarbeiter des Bauherrn.

Anlieger wie Hermann Hinrichsen, der einige Häuser weiter wohnt und auch mit zur Bürgerinitiative gehört, haben große Sorge, dass es zu einer monatelangen Umweltbelastung – zum Beispiel durch Betonstaub und extreme Lärmbelästigung – kommt. „Zum einen ist es für uns ein Skandal, dass wir über einen bevorstehenden Abriss noch nicht informiert wurden, zum anderen fürchten wir auch, dass an den benachbarten Gebäuden Schäden durch Rissbildung entstehen könnten“, sagt der ehemalige Architekt Hinrichsen. Er und die Bürgerinitiative wollen, dass der Bunker stehen bleibt – als charakteristische Eigenheit des Stadtbildes sowie aus historischen Gründen. Aus Sicht von „Wir sind Winterhude“ bestehe hier ein „öffentliches Interesse zur Erhaltung des Bauwerkes“.

Unterstützung erhalten die Bürger von Karin Haas, Fraktionsvorsitzende der Linken in der Bezirksversammlung und außerdem Mitglied im Bauausschuss: „Hier zeigt sich wieder mal, wie schädlich es ist, dass die Angelegenheiten im Bauausschuss hinter verschlossenen Türen verhandelt werden.“ Den Ausschuss-Mitgliedern würde regelrecht ein „Maulkorb“ verpasst, weil die Verwaltung „Vertraulichkeit“ fordere. „So werden die Bürger immer wieder vor vollendete Tatsachen gestellt und haben kein Mitspracherecht über die unmittelbar ihren Lebensbereich betreffenden Angelegenheiten“, kritisiert Haas. Sie fordert: „In Zukunft müssen auch Bauausschusssitzungen öffentlich sein.“ (ba)
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