Hamburger Nahverkehr bleibt ein Ärgernis

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Seit Jahresbeginn kommt es häufiger zu Verspätungen oder Zugausfällen in Hamburg Foto: mdt
 
Signalstörungen sind eine häufige Ursache von Verzögerungen Foto: mdt

Warum das S-Bahn-Chaos uns noch weiter nerven wird

Von Marco Dittmer
Hamburg
Die Laune von Fahrgästen der S-Bahn in Hamburg sinkt auf einen neuen Tiefstand – was angesichts des freundlichen Wetters eine echte Leistung ist. Schuld daran sind Signalstörungen, Stellwerksprobleme und Zugausfälle. Die Folge: Angestellte kommen morgens erst zu spät zur Arbeit und verbringen abends ihren Feierabend auf dem Bahnsteig. Warum sich das in Zukunft kaum ändern dürfte?

„Da ist heute der Wurm drin“


„Da ist heute der Wurm drin“: So kommentierte in der vergangenen Woche ein Bahnsprecher gleich drei S-Bahnstörungen gefolgt von Zugausfällen an einem Tag. In einem Fall fuhr sogar eine S-Bahn in die falsche Richtung. Dass der Wurm aber schon lange vorher „drin“ war und vorerst auch „drin“ bleibt, zeigt eine traurige Statistik der Störungsmeldungen im Februar. Laut den offiziellen Störungsmeldungen, die die S-Bahn Hamburg GmbH, Tochter der Deutschen Bahn, auf Twitter verbreitet, summierte sich die Zahl der Ausfälle auf 44 Stunden in nur 22 Tagen, so berichtete www.nahverkehrhamburg.de. Prompt schaltete sich auch der Senat ein und verabschiedete noch Ende Februar einen Sechs-Punkte-Plan. Wer nun aber hoffte, dass schon bald die Züge wieder pünktlich fahren, wurde schnell enttäuscht. Die Forderungen des Senats zielen mit der Erneuerung und der teilweise Neugestaltung des Schienennetzes der
S-Bahn auf einen lang angelegten Sanierungsplan. So sollen mehr Signale zwischen dem Hauptbahnhof und Hammerbrook, Zäune an Bahnhöfen auf denen häufig Menschen auf die Gleise treten und mehr Wendemöglichkeiten für Züge die Störanfälligkeit mindern. „Wir sind derzeit mit allen Beteiligten im Gespräch. Es muss hier die Finanzierung geklärt und dann die Planung angeschoben werden. Daher können wir auch keine Zeitschiene benennen. Wir haben allerdings ein hohes Interesse, dieses umzusetzen“, sagt ein Bahnsprecher.

Die Züge bleiben voll


Ein weiteres Problem: Laut S-Bahn sind die Fahrgastzahlen in zehn Jahren um 30 Prozent gestiegen. Die Einführung von 60 bestellten Zügen, durch Außerbetriebnahmen von alten Zügen sind insgesamt 20 Züge zusätzlich auf den Gleisen, dauert allerdings noch Jahre. So werden dieses Jahr acht S-Bahnen in Betrieb genommen. Die Züge bleiben also voll. Davon betroffen ist vor allem die S3 und die S31 Richtung Harburg. Hier könnte die neue Linie S32 Abhilfe schaffen.
Um ihr anfälliges Netz zu sanieren hat die S-Bahn Hamburg viele Pläne, bei der Umsetzung lässt sie sich aber Zeit. So könnte es auch künftig zu Signalstörungen und Stellwerksproblemen kommen – mit Bitte um Verständnis.

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Leserbriefe


Die Meinung der Wochenblatt-Leser zum Artikel Schlechter Service beim Hamburger Nahverkehr?

Einsparung und Fahrpreiserhöhung
Es gibt sehr viel zum HVV zu sagen: Sauteuer, Service gleich Null, dazu oft dreckige und stinkende Wagons. Neben der sauteuren Fahrkarte muss man noch Parkgebühren für P+R bezahlen. Demnächst wird wohl noch mehr eingespart, denn die Züge sollen ohne Fahrer fahren, dann gibt es bestimmt wieder eine Fahrpreiserhöhung. Ach ja, bald kommt auch wieder die Zeit, in der die Fernster aufgerissen werden und man im Durchzug sitzt und einen steifen Nacken hat, aber das ist wohl das geringste Problem. Marion Flüge, Rahlstedt

Eiliges Umsteigen
Ein Ärgernis für mich persönlich ist das Umsteigen von der U1 Richtung Großhansdorf in Ahrensburg West auf den Bus 569. Die U-Bahn soll um eine Minute nach der vollen Stunde ankommen, der Bus vier nach abfahren. Leider hat die Bahn häufig ein wenig Verspätung und die Busfahrer haben es eilig, zum Bahnhof Ahrensburg zu kommen, um dort Pause zu machen. Konsequenz: man muss immer die Treppe hochrennen, in der Angst, der Bus sei schon weg. Birgit Alexandre

Mehr Information
Im Wesentlichen bin ich mit den U- und S-Bahnen und deren Pünktlichkeit sehr zufrieden. Wo es meiner Meinung nach hakt, ist der Informationsaustausch beziehungsweise die -weitergabe an die Fahrgäste zwischen den beiden Unternehmen hinsichtlich Sperrungen oder Verspätungen. Da wünsche ich mir mehr Infos an den Haltestellen und in den Zügen. Jürgen Petersen, Farmsen

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1 Kommentar
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Michael Kahnt aus Barmbek | 29.03.2017 | 13:35  
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