Hamburger Verein fördert Kindern in Indien

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Annie Wojczewski im Kinderdorf umringt von einigen „Schützlingen“ Foto: privat
 
Erfolgsgeschichte: Im Kinderdorf erhalten auch Mädchen eine vernünftige Schulausbildung Foto: privat

Annie Wojczewski leitet den Verein „Dewi Saraswati“ von Winterhude aus

Von Thomas Oldach
Winterhude
Eigentlich ist sie Griechenland-Fan. Aber vor mehr als 20 Jahren hat sie ihr Herz für benachteiligte Kinder in Indien entdeckt. Und seitdem engagiert sich Annie Wojczewski ehrenamtlich für den Verein „Dewi Saraswati“, der nunmehr seit 25 Jahren besteht und das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) trägt – das bedeutet: Der Verein ist auf seine Spendenwürdigkeit geprüft. Denn ohne diese Spenden könnte das Kinderdorf nicht existieren. Der erste Kontakt zu „Dewi Saraswati“ entstand für die heutige Erste Vorsitzende bereits 1993, ein Jahr nach Gründung des Vereins. 2009 stand sie dann zum ersten Mal vor dem Tor zum Kinderdorf. Ein, wie sie rückblickend sagt, „großer unwiederbringlicher Moment, und alle Kinder musste man einfach gerne haben.“ „Jeder von uns sollte sich fragen, wo sein ganz persönlicher Sinn in dieser Welt liegt und ob in dieser Welt alles so sein muss, wie es ist – oder ob wir im Rahmen unserer Möglichkeiten dazu beitragen können, damit am Ende alles einen Sinn ergibt“, sagt die engagierte Hamburgerin, die möglichst einen großen Bogen um scharf gewürztes Essen macht – und damit in Indien eigentlich kulinarisch falsch liegt.

Jährliche Reise ins Kinderdorf

Jährlich reist Wojczewski in den südindischen Bundesstaat Tamil Nadu, wo das Kinderdorf des Vereins „Dewi Saraswati“ etwa 90 Minuten mit dem Auto von Chennai (ehemals Madras) entfernt liegt. Für die 150 ständig im Kinderdorf lebenden Kinder ist es ein Zuhause geworden und für weitere 300 Kinder bietet es die Möglichkeit, eine Schule besuchen zu können. Gerade ist die 67-Jährige wieder von ihrer jährlichen Reise – einem dreiwöchigen Aufenthalt vor Ort – zurückgekehrt. Dort hat die pensionierte Rechtsanwaltsfachangestellte „nach dem Rechten gesehen“, und mit der indischen Projektleitung abgeklärt, wie das Spendengeld effizient eingesetzt werden kann. Während im Kinderdorf rund 45 Einheimische fest angestellt als Lehrer und Leherinnen, Hausmütter, Krankenschwestern oder Sozialarbeiterinnen arbeiten – darunter auch ehemalige Schüler – findet die Arbeit in Hamburg nur ehrenamtlich statt. „Möglichst jeder Euro soll den Kindern zu Gute kommen“, sagt Wojczewski, die in Uhlenhorst geboren wurde und seit 30 Jahren in Winterhude lebt: „Mit 25 Euro kann ich für alle Kinder im Kinderdorf Obst kaufen; daher hilft jeder Euro und jede Spende, die Situation der Kinder zu verbessern.“

Kinderzimmer wurde Vereinsbüro

Um die Kosten niedrig zu halten, wurde das Kinderzimmer ihres erwachsenen Sohnes kurzerhand zum Vereinsbüro. Selbst die Flüge nach Indien hatten die Mitglieder des sechsköpfigen Vorstandes zunächst privat bezahlt: „Jetzt haben wir einen Spender, der speziell die Reisekosten übernimmt, damit regelmäßig jemand von uns das Projekt besucht.“ Zum Kinderdorf gehören zusätzlich nicht nur Reisfelder, die bei normaler Ernte den Jahresbedarf abdecken – wenn nicht gerade ein Jahrhundertmonsun tobt oder ein Zyklon mit Tempo 130 über das Kinderdorf hinwegfegt – sondern auch Obst- und Gemüseanbau.

Buntstifte und Fußbälle im Gepäck

Eine kleine Molkerei sorgt für Milch. Für Wojczewski ist die ehrenamtliche Vereinsarbeit mittlerweile ein Halbtagsjob geworden. „Aber ein sehr erfüllender und aufbauender“, sagt sie gleich dazu. „Die Kinder, die ich in den Jahren gut kennengelernt habe, gehen nicht nur mit großer Freude in die Schule und lernen gerne, sie geben mir gleichzeitig das Gefühl, das jedes einzelne Kind, das mir während meines Aufenthaltes über den Weg läuft, diese Arbeit wert ist.“ Und so ist es auch kein Wunder, dass Annie Wojczewski bei jeder Reise nach Indien für Extra-Gepäck Geld ausgeben muss – mal ist es ein Wasseraufbereiter, dann wieder Buntstifte, Fußbälle und mal Trikots für das im vergangenen Jahr gegründete Fußballteam. Und dann ist da natürlich noch der Einsatz für behinderte Kinder, die von ihren Familien meist regelrecht verstoßen werden: „Ihnen gehört mein besonderes Augenmerk“, sagt Annie Wojczewski – und plant schon wieder ihren nächsten Trip ins Land mit den scharfen Gewürzen. (to)

Info

Dewi Saraswati ist der Name der indischen Göttin der Weisheit, der Sprache und der schönen Künste. Wer eine Patenschaft übernehmen will oder sich mit einer Spende an der Arbeit vor Ort beteiligen will, findet weitere Infos unter Dewi Saraswati Hamburg sowie unter Telefon 4601151
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