Hilfe im Ebola-Gebiet

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Stefan Schmiedel im Ebola-Behandlungszentrum in Sierra Leone Foto: Ärzte ohne Grenzen

UKE-Arzt Stefan Schmiedel berichtet über seinen Einsatz in Sierra Leone

Von Christian Hanke
Eppendorf
Stefan Schmiedels erster Eindruck von Sierra Leone war verheerend: „Die Hauptstadt Freetown wirkt wie ein Millionendorf. Es gibt keine Straßenbeleuchtung. Überall liegt Schmutz. Ins Landesinnere sind wir über katastrophale Pisten gefahren.“ Auch eine Folge von Ebola.
Die tödliche Virenerkrankung legt zunehmend das ganze westafrikanische Land lahm, das fünftärmste Land der Welt. Stefan Schmiedel ist Tropenmediziner am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) und arbeitet für „Ärzte ohne Grenzen“.
Einen Monat hat er im Ebola-Behandlungszentrum von Ärzte ohne Grenzen in Kailahun im Osten Sierra Leones gearbeitet. Von seinen Eindrücken berichtete er kürzlich im UKE. „Die Therapien dort sind aus unserer Sicht bestürzend schlecht, aber für die dortigen Verhältnisse herausragend gut.“ Sierra Leone ist das einzige westafrikanische Land, in dem die Ebola-Infektionen noch zunehmen. „Ebola ist noch lange nicht unter Kontrolle“, berichtete Dr. Frank Dörner, der im November die Projekte von Ärzte ohne Grenzen in Sierra Leone koordinierte.
Was Stefan Schmiedel während seines Einsatzes in Sierra Leone besonders deprimierte: „Eine individuelle Patientenversorgung, wie ich sie von Deutschland her kenne, war nicht möglich. Wir konnten gerade eine Basisversorgung leisten.“ Schmerztabletten waren oft die einzigen Mittel, mit denen der Arzt und seine Mitstreiter den Kranken helfen konnten.
Sie müssen Vollschutz-Plastik-
anzüge tragen, in denen die Arbeit unter den dortigen klimatischen Bedingungen nur zeitlich begrenzt möglich ist. Um die Mitarbeiter zu schützen, gibt es Vorschriften: nur dreimal pro Schicht, innerhalb von sechs bis acht Stunden, darf jeweils 60 Minuten gearbeitet werden. „Das limitiert die Arbeit enorm und behindert den Kontakt zu den Kranken, die einen gar nicht als Mensch wahrnehmen.“, erzählt Stefan Schmiedel.
Die Sterblichkeit der Ebola-Kranken ist hoch. „Jeden Tag kommen etwa 15 neue Kranke, und acht bis zehn sterben. Die Kranken haben oft Fahrten von sechs bis acht Stunden über ungepflasterte Straßen hinter sich. Sie werden auf den Ladeflächen von Pick-Ups transportiert. Man ist menschlichem Elend sehr direkt ausgesetzt“, erzählt Stefan Schmiedel. Diese Arbeit hat den Tropenmediziner nicht nur physisch, sondern auch psychisch belastet.
Nach seiner Rückkehr war er über psychologische Betreuung froh. Die Belastungen mischen sich aber mit dem Gefühl, wirksam geholfen zu haben. Denn die Anzahl der Erkrankten kann durch den Einsatz europäischer Ärzte deutlich gesenkt werden. Ohne ihre Hilfe passiert fast nichts mehr, da von den einheimischen Medizinern und Helfern schon viele gestorben sind.
„Es ist unvorstellbar, wie sich die Situation ohne massive Hilfe verbessern kann“, lautet sein Fazit. Ärzte ohne Grenzen muss weiterhelfen. Stefan Schmiedel ist zu weiteren Einsätzen bereit, obwohl er dafür Urlaub nehmen muss. (ch)
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