Ins Exil vertrieben

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Schriftsteller Heinz Liepmann musste während der Nazi-Herrschaft ins Exil
Eppendorf. Ihre Namen wären vielleicht heute in aller Munde, wenn die Nationalsozialisten ihre Laufbahnen nicht unterbrochen und sie in die Verbannung gezwungen oder ermordet hätten: die 18 Schriftstellerinnen und Schriftsteller, über die in der Ausstellung „Wo man Bücher verbrennt....“ im Lichthof der Staatsbibliothek noch bis 28. Juni informiert wird. Viele von ihnen wohnten am Grindel, in Rotherbaum, Harvestehude, Eppendorf und Winterhude. Das WochenBlatt stellt in einer kleinen Serie einige von ihnen vor:

Heinz Liepmann

Rotherbaum/Harvestehude. Er schrieb im September 1933 einen „Tatsachenroman aus dem heutigen Deutschland“ mit dem Titel „Das Vaterland“, in dem er ungeschminkt das damals neue Nazi-Deutschland beschrieb. Der deutsch-jüdische Journalist und Schriftsteller Heinz Liepmann (1905-1966) war gerade nach Paris emigriert, zuvor aus einem KZ geflohen, in das die Nazis ihn wegen seiner jüdischen Herkunft eingewiesen hatten. Der in Osnabrück geborene Liepmann lebte seit frühester Jugend in Hamburg, machte sich in den 1920er Jahren einen Namen als Schriftsteller autobiographisch gefärbter Romane und setzte sich journalistisch mit seiner jüdischen Herkunft, dem Antisemitismus und dem Aufstieg der Nationalsozialisten auseinander. Er wuchs in der Rentzelstraße 7, im Grindelhof 62 und in der Isestraße 42 auf, wohnte später in der Bieberstraße 9, im Mittelweg 40 und in der Badestraße 26. Nach der Rückkehr aus dem Exil in Paris und in den USA lebte er mit seiner Frau in der Schlüterstraße und in den Grindel-Hochhäusern. Liepmann schrieb weiter für Zeitungen, veröffentlichte 1961 die Broschüre: „Ein deutscher Jude denkt über Deutschland nach“.

Jakob Loewenstein

Rotherbaum/Harvestehude. Er gründete und leitete eine der renommiertesten Hamburger Privatschulen. Sie trug seinen Namen: die Höhere Mädchenschule - Lyzeum von Dr. Loewenberg in der Johnsallee 33. Der deutsch-jüdische Lehrer und Schriftsteller Jakob Loewenberg (1856-1929) ließ sich 1886 in Hamburg nieder, wohnte in der Oderfelder Straße. 1892 gründete er mit reformpädagogischem Elan eine private Höhere Mädchenschule, die ab 1912 als privates staatliches Lyzeum seinen Namen trug. Loewenberg schrieb außerdem Gedichte, Erzählungen und Romane, thematisierte das Leben in den Hamburger Gängevierteln („In Gängen und Höfen“, 1893) und kämpfte gegen soziale und religiöse Schranken. Loewenberg war mit den Dichtern Richard Dehmel, Detlev von Liliencorn, Gustav Falke und Otto Ernst befreundet. Er starb zwar vor Beginn der Nazi-Herrschaft, doch sein Name verschwand wie die Namen der Emigranten aus dem Gedächtnis der Hamburger. Seine Mädchenschule musste noch 1931 aus wirtschaftlichen Gründen schließen. (ch)
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