„Ise-, Miese-, Fiesestraße“

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Soluna Bach hat einen Roman über Eppendorf geschrieben

Von Miriam Flüß
Eppendorf. Jeden Dienstag und Freitag prallen auf Hamburgs größtem Markt unter der U-Bahnbrücke in der Isestraße Welten aufeinander: einerseits die bodenständigen Marktleute, andererseits die „feine Eppendorfer“ Gesellschaft. Eine Eppendorfer Illustratorin nutzt den Isemarkt als Kulisse für ihren Erstlings-Roman „Hühner und Handtaschen“.
„Das war wieder Eppendorf, wie es leibt und lebt!“ Ein Satz, von einem Markthändler empört zu einem Kollegen gerufen, gab den Anstoß für das Buch, das die Autorin unter ihrem Pseudonym Soluna Bach veröffentlichte. Sie lebte 20 Jahre am Isemarkt, liebt es, an den Auslagen vorbei zu schlendern und sich Geschichten über die Menschen vor und hinter den Ständen auszudenken.

„Ich habe oft Konflikte zwischen Marktleuten und den sogenannten typischen Eppendorfern miterlebt.“ Soluna Bach

„Ich habe oft Konflikte zwischen Marktleuten und den sogenannten typischen Eppendorfern miterlebt“, erzählt Bach, die den Wandel im Stadtteil kritisch beobachtet: „Es wird luxuriöser hier. Wer Geld hat, glaubt, er könne sich alles erlauben.“ Bach wünscht sich, dass die gut situierten Eppendorfer „sich auch mal überlegen, wie es auf der anderen Seite zugeht“. Dort zu landen könne schneller gehen, als einem lieb ist. Bach erzählt die Geschichte von der „blonden Egomanin“ Sidonie und der Marktbeschickerin Maren. Die beiden sind sich zunächst spinnefeind auf dem Markt „auf dem Mega-Carport in der Isestraße, die je nach Lage Ise-, Miese- oder Fiesestraße genannt wird“, wie es heißt.

Die zwei Frauen könnten unterschiedlicher nicht sein und ihr Verhältnis ließe sich mit „Hass auf den ersten Blick“ treffend beschreiben: Sidonie ist jung, blond, (zunächst) reich verheiratet und Mutter zweier wohlstandsverwahrloster Jungen. Am Geflügelstand treibt sie Marktfrau Maren, bodenständig und aus Schleswig-Holstein stammend, in den Wahnsinn.
Wie aus den beiden Kampfhennen über diverse Schicksalsschläge und Männergeschichten am Ende sogar Freundinnen werden, erzählt Soluna Bach zwar mit einigen Längen, aber Witz und Beobachtungsgabe. „Alle Figuren sind erfunden“, beteuert die Autorin.
Aber es stecken viele eigene Erlebnisse darin. Als ihr Sohn klein war, hat sie miterlebt, wie seine Schulfreunde von ihrer Mutter in der legendären Martini-Pizzeria abgeladen wurden, weil sie andere Pläne für den Nachmittag hatte. Und auch das Au Pair aus Litauen kommt einem bekannt vor: Die Beschreibung, wie Hausherr Leo Spitzy seinem Namen angesichts der hübschen Vesselina in der „sechsstellig teuren“ Küche alle Ehren macht, gehört zu den leicht schlüpfrigen Passagen des Romans.

Der Fantasie über Eppendorf und seine Bewohner wird in jeder Hinsicht Raum gegeben. Eine blondierte Sidonie mit repräsentativer Altbauwohnung, verzogenen Kindern und überdimensionalem Sport Utility Vehicle, kurz SUV, kennt wohl jeder Eppendorfer. In „Hühner und Handtaschen“ wird sie dem Leser, als sie nach ihrem tiefen Fall feststellen muss, dass sie ihren gesellschaftlichen Status und sogenannte Freunde ohne finanziellen Background schnell verliert, fast ein bisschen sympathisch. (flü)

„Hühner und Handtaschen“ von Soluna Bach, 8,95 Euro, z.B. bei Das Buch, Eppendorfer Landstraße 56, Tel.: 47 55 80, dasbuchineppendorf.de
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