Klinik Bethanien: Kunst macht hier Station

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Gisela Barfurth, die älteste lebende Ärztin des früheren Krankenhauses Bethanien, hat ihre Geschichte Maria Koser vom Stadtteilarchiv Eppendorf erzähltFoto: Hanke

Nach einer großen Ausstellung wird ein Mehr-Generationen-Wohnprojekt draus

Eppendorf. Mit Blasmusik der besonderen Art wurde sie eröffnet, die Kunst Klinik Bethanien, die Ausstellung von über 80 Hamburger Künstlern mit Musik, Lesungen und Kabarett am vergangenen Wochenende im leerstehenden früheren Krankenhaus Bethanien. „Tuten und Blasen“ marschierten musizierend voran und alle Gäste hinterher in den Hinterhof.

„Das ist alles nicht mehr zu erkennen“, Gisela Barfurth
Dort freuten sich neben den Veranstaltern, Klaus Kolb für MartiniERleben und Kulturhaus Eppendorf, auch Stadtentwicklungssenatorin Jutta Blankau und Nico Schröder vom Bezirksamt Hamburg-Nord über die Zwischennutzung der einstigen Klinik für die Kunst und vor allem über die künftige Nutzung des Gebäudes als Mehr-Generationen-Wohnprojekt. Die Baugenehmigung wird vermutlich in der nächsten Woche erteilt.
Mit großem Interesse und Erstaunen verfolgte auch Dr. Gisela Barfurth die Eröffnungsfeier. Als älteste lebende ehemalige Ärztin des Krankenhauses Bethanien war die immer noch rüstige alte Dame auf dem Fahrrad (!) gekommen, um die Wandlungen ihrer alten Wirkungsstätte in Augenschein zu nehmen. „Das ist alles nicht mehr zu erkennen“, kommentierte Gisela Barfurth den derzeitigen Zustand der früheren Klinik im Vergleich zu der Zeit, als sie hier arbeitete. Alte Fotos an der Erinnerungswand im Erdgeschoss vermittelten Eindrücke von damals. Auch Gisela Barfurth hatte Aufnahmen beigesteuert. Fotos, auf denen sie als junge Frau mit ihren Kindern zu sehen ist.

Leben im Seuchenzimmer

In bewegten Zeiten hat Gisela Barfurth im Krankenhaus Bethanien gearbeitet, vom Juni 1944 bis Ende 1947. Gleich nach bestandenem Examen hat sie in der Martinistraße als Assistenzärztin angefangen und im Krankenhaus Bethanien auch gewohnt. In einem Pavillon, der heute nicht mehr steht. „Das war das frühere Seuchenzimmer“, erzählt Gisela Barfurth, die ihrem Mann nach Hamburg gefolgt war. Wegen der vielen Zerstörungen herrschte große Wohnungsnot. „Das Krankenhaus war voll mit Flüchtlingen“, erzählt die frühere Ärztin. Als ihr Mann nach Kriegsende aus einem Gefangenenlager geflohen war und nach Hamburg kam, wurde es eng im ehemaligen Seuchenzimmer. Aber den Barfurths ging es trotzdem vergleichsweise gut. „Wir haben nie gefroren und gehungert, weil wir im Krankenhaus gewohnt haben“, berichtet die Medizinerin, die sich vergeblich um eine Stelle als Assistenzärztin im Allgemeinen Krankenhaus Barmbek bewarb. Männliche Bewerber wurden ihr vorgezogen. Begründung: sie habe ja einen Mann, der für sie sorgt.

„Das Krankenhaus war voll mit Flüchtlingen“, Gisela Barfurth
Die Arbeitsbedingungen waren in den Nachkriegsjahren nicht immer die besten. „Ab und zu ging das Licht aus, wenn wir operierten“, erzählt Gisela Barfurth. Maria Koser vom Stadtteilarchiv Eppendorf hat Gisela Barfurths Bethanien-Geschichten für die Nachwelt festgehalten. 1948 beendete die junge Ärztin ihre Tätigkeit in Bethanien und zog dort als eine der letzten Flüchtlinge aus. Doch sie blieb der Eppendorfer Klinik treu. Als Fachärztin mit einer Praxis in Tonndorf schickte sie viele Patienten nach Bethanien. Und sie wohnt noch heute in Eppendorf. (ch)
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