Kompromiss in der Hegestraße?

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Einige der letzten Mieterinen und Mieter der Häuser Hegestraße 46a-f luden kürzlich zum weihnachtlichen Beisammensein in den Hinterhof der HäuserFoto: Hanke

Neues Angebot bei umstrittenem Projekt: Wiedereinzug zu alten Konditionen

Hoheluft-Ost. Glühwein in der Hegestraße 44-48. Die letzten acht Mieterinnen und Mieter der Innenhofhäuser Hegestraße 46 a-f sowie einige Bewohner der Vorderhäuser Hegestraße 44 und 48, die auch bereits zum Teil leer stehen, hatten zum weihnachtlichen Nachmittag in den Innenhof geladen.
Viele Unterstützer der Mieter waren gekommen, die SPD war vor Ort, aber auch neugierige Passanten warfen einen Blick in den recht tristen Innenhof, der so gut es eben ging weihnachtlich „aufgehübscht“ war. Die letzten acht Mieter wollen ausharren, den Investorenplänen von Abriss und Neubau von Eigentumswohnungen hinter alten Fassaden trotzen. Eine erste Räumungsklage gegen eine Mieterin wurde bereits abgewiesen. Am 20. Januar 2014 werden vier weitere Räumungsklagen verhandelt. Es gilt als wahrscheinlich, dass auch sie abgewiesen werden. Die Mieter befinden sich aus ihrer Sicht auf der Siegerstraße. Doch große Freude will nicht aufkommen. Denn die Vermieter (GbR Hegestraße 44-48) werden vermutlich in die Berufung gehen. Die gerichtliche Auseinandersetzung könnte bis zu fünf Jahre dauern. Bis dahin, befürchten die Mieter, seien die Häuser in einem Zustand, der nichts anderes mehr zulässt als den Abriss. Schon jetzt würden notwendige Arbeiten an den Häusern nur zögerlich, ungenügend oder überhaupt nicht ausgeführt. Nur durch die Spende eines mittelständischen Unternehmens, das drei Heizkörper zur Verfügung stellte, konnten drei Wohnungen kürzlich winterfest gemacht werden. So verwundert es nicht, dass sich die letzten Mieter auch mit dem Gedanken beschäftigen, sich nun doch mit den Plänen der Vermieter zu arrangieren. Ihr Hauptziel ist dabei immer noch, dass sie in ihren – zukünftig sanierten – Wohnungen bleiben können.
Harald Rösler, der Leiter des Bezirksamtes Hamburg-Nord, und Jürgen Kaape, einer der Vermieter, der rund 50 Prozent des Eigentums an der GbR Hegestraße 46 a-f hält, unterbreiteten kürzlich das Angebot, dass die Mieter zu den derzeitigen Mietkonditionen in die geplanten Neubauten hinter alten Fassaden einziehen könnten. In der Bauzeit würden sie in leer stehenden, größeren Wohnungen in der Hegestraße 44 und 48 wohnen. Die Umzüge würden die Vermieter finanzieren.
Wo bleibt der
„Runde Tisch“?
Die Bezirksversammlung Hamburg-Nord hatte allerdings nicht nur beschlossen, die Häuser Hegestraße 46 a-f zu sanieren und als bezahlbaren Wohnraum zu erhalten, sondern auch, einen „Runden Tisch“ einzurichten, an dem alle Beteiligten die Zukunft der besagten Häuser beraten. Rechtsanwalt Bernd Vetter, der sieben der letzten Mieter vertritt, erinnerte Harald Rösler kürzlich daran, die Voraussetzungen für diesen „Runden Tisch“ zu schaffen. Rösler möchte aber erst die Gespräche mit Mietern und Vermietern fortsetzen. Von dem Beschluss der Bezirksversammlung bestehen ganz offensichtlich unterschiedliche Zielvorstellungen. Die Mieter und Anwalt Bernd Vetter, und auch die Kommunalpolitiker der Linken und Grünen halten es für möglich, dass ein gemeinnütziges Unternehmen die Häuser saniert. Die Vermieter, das Bezirksamt Hamburg-Nord und die SPD Hamburg-Nord sind sich sicher, dass nur der Sanierungsplan der Investoren, der de facto Abriss und Neubau bedeutet, noch realistisch ist.
„Es gibt keine Perspektive in der vorhandenen Form. Es muss jetzt saniert werden“, sagt Harald Rösler dem WochenBlatt. „Für ein gemeinnütziges Unternehmen ist es wirtschaftlich nicht machbar, die Häuser in diesem Zustand zu erwerben und dann zu sanieren. Das geht nicht“, bekräftigt Thomas Domres, der Vorsitzende der SPD-Bezirksfraktion Hamburg-Nord, diesen Standpunkt.
Diese Haltung ärgert manche Mieter, die in der Hegestraße wohnen bleiben wollen. Sie fühlen sich nicht nur von den Vermietern, sondern „auch von der Verwaltung verraten und verkauft“. Die GbR Hegestraße 44-46 war bis Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. (ch)
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