Kulturarbeit im Gedenken an Ida Ehre in Hamburg

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Hansjürgen Menzel-Prachner zwischen zwei Zeichnungen von Ida Ehre. In ihrem Sinne hat er den Ida-Ehre-Kulturverein gegründetFoto:

Verein mit breitem Aktionsprogramm. 2014 Hommage an die Schauspielerin

Hamburg. „Syrien aktuell“ heißt das Thema eines Diskussionsabends am 10. Dezember mitden Nahost-Experten Professor Udo Steinbach und Dieter Bednarz in der Ida Ehre Schule (Bogenstraße 36). Steinbach ist Islamwissenschaftler und Bednarz berichtet über den Vorderen Orient für ein bekanntes Nachrichtenmagazin. Es ist der Tag der Menschenrechte. Neben der Ida Ehre Schule veranstaltet der Ida Ehre Kulturverein diese Diskussionsrunde. Der Tag der Menschenrechte ist für den 2001 gegründeten Verein ein wichtiges Datum, ein Standardtermin, an dem immer eine Veranstaltung zum Thema organisiert wird. Ebenso hat die Ida Ehre Schule eine zentrale Bedeutung für den nach der jüdischen Schauspielerin und Gründerin der Hamburger Kammerspiele in der Hartungstraße benannten Verein.
Der Gründer und erste Vorsitzende des Ida-Ehre-Kulturvereins, Hansjürgen Menzel-Prachner, hatte als früherer Elternratsvorsitzender an der Umbennung dieser Schule nach Ida Ehre 2001 entscheidenden Anteil. Sie war 1934 als Jahnschule gegründet worden. Die Benennung nach „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852) war als untragbar empfunden worden, da Jahn sich sehr nationalistisch und antisemitisch geäußert hatte. Mit der Umbennung der Schule wurde der Ida-Ehre-Kulturverein gegründet, der es sich zur Aufgabe macht „im Andenken an Ida Ehre und ihren besonderen Einsatz für die Kulturarbeit im Dienste des Friedens und der Menschenrechte“ tätig zu werden. Ida Ehre (1900-1989), die als jüdische Schauspielerin in Hamburg die Nazizeit überlebte, gründete 1945 die Hamburger Kammerspiele, zeigte dort vor allem in den ersten Jahre junge Dramatik, viele Stücke zu den nach der Nazizeit hochaktuellen Themen Frieden und Menschenrechte.

Unterstützung von Schulprojekten

Der Ida-Ehre-Kulturverein führt Veranstaltungen mit diesen Thematiken aus aktuellen Anlässen durch, wie die Syrien-Diskussion. Er fördert außerdem „Projekte gegen soziale Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit“, unterstützt entsprechende Schul- und Unterrichtsprojekte, in die gern Kulturschaffende mit eingebunden werden und kooperiert mit Menschenrechtsorganisationen.

Prominente Gäste

So hat der Ida-Ehre-Kulturverein viele Musik- und Theaterprojekte an der Ida-Ehre-Schule, aber auch an anderen Schulen finanziell und ideell unterstützt. Gerade in den letzten Jahren schob der Verein das Projekt „Stein des Anstoßes, An- und Innehalten“ zur Erforschung der NS-Vergangenheit der Ida-Ehre-Schule durch Schülerinnen und Schüler an, und gewann damit einen Preis als „Anstifter“ der Körber-Stiftung in Höhe von 10.000 Euro, je zur Hälfte durch die Körber-Stiftung und ein begeistertes Unternehmen finanziert, und einen Bertini-Preis für Mut und Zivilcourage. Ein Stolperstein wurde in diesem Zusammenhang für eine frühere jüdische Schülerin vor der Ida-Ehre-Schule eingesetzt, vor dem nun an jedem 9. November eine Gedenkminute angehalten wird. Die Liste der Veranstaltungen des Ida-Ehre-Kulturvereins ist schon lang: Lesungen unter anderen mit Uwe Friedrichsen, Ralph Giordano und Siegfried Lenz wurden ebenso veranstaltet wie ein Abend mit Dieter Hildebrandt, eine Diskussionsrunde zum Hamburger Schulsystem und Vorträge zu den Konflikten im Nahen Osten. Im besten Falle werden die oft prominenten Gäste durch die Einnahmen finanziert. Ein kleiner Kreis von Mitgliedern initiiert und organisiert die Veranstaltungen und Projekte. Aktuell kümmert sich der Ida-Ehre-Kulturverein um die so genannten „Lampedusa-Flüchlinge“ mit Lebensmitteln. „Wir sind immer bei den Menschen, die durch widrige Lebensumstände hin- und hergeschoben werden“, begründet Hansjürgen Menzel-Prachner diesen Einsatz. Auch für 2014 hat der Verein schon einiges vor. Am 4. Februar wird er den Helmut-Frenz-Preis für Menschen mit Zivilcourage ausloben, der nach dem evangelischen Bischof und Menschenrechtsaktivisten Helmut Frenz (1933-2011) benannt wird, der insbesondere in Chile zur Zeit der Militärdiktatur als mutiger Vertreter der Menschenrechte auftrat. Frenz war 1965-1976 Probst der evangelischen Kirche in Chile, später Flüchtlingsbeauftragter der Nordelbischen Kirche. Außerdem wird der 25-jährige Todestag von Ida Ehre mit einer Veranstaltung im Lichthof der Staats- und Universitätsbibliothek begangen. Die Hommage an die Namensgeberin wird zum Höhepunkt des nach ihr benannten Vereins im nächsten Jahr. (ch)
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