Lange Wege für Senioren

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Besonders zur Winterzeit wird das Einkaufen für gehbehinderte Senioren beschwerlich. Foto: Burmeister

Seniorenbeirat Hamburg-Nord fordert bessere Nahversorgung

Hamburg-Nord. In vielen Wohngebieten Hamburgs gibt es keine nahe liegenden Einkaufsmöglichkeiten. Das macht es vor allem für Senioren schwierig, sich täglich mit Lebensmitteln zu versorgen. Viele von ihnen fahren nicht mehr Auto und sind auch zu Fuß eingeschränkt. Es fehlt an Angeboten der Nahversorgung – dadurch wird das Einkaufen für Hochbetagte oft zur Qual.
Ende November kamen deshalb im Bezirksamt Hamburg-Nord in Eppendorf rund 40 Senioren zusammen, um auf einer öffentlichen Delegiertenversammlung über die Problematik der Nahversorgung im Bezirk zu diskutieren. Initiiert wurde die Veranstaltung vom Bezirks-Seniorenbeirat Hamburg-Nord. Referenten waren Heiner Schote von der Handelskammer Hamburg, Dr. Michael Bigdon, Dezernent für Wirtschaft im Bezirksamt sowie Wolfgang Basten, Vorsitzender des Seniorenservice Langenhorn. Moderiert wurde die Sitzung von Jörn Straehler-Pohl (NDR).
Allein im Bezirk Hamburg-Nord leben derzeit 49.000 Menschen, die älter als 60 Jahre sind. In ganz Hamburg sind es sogar 332.000. „In zehn Jahren werden es noch viel mehr sein. Senioren sind komplizierte Kunden, weil sie nicht mehr so beweglich sind. Dann muss nur ein harter Winter kommen und die Probleme sind noch größer. Darauf muss sich die Stadt einstellen“, fordert Helmut Riedel vom Seniorenbeirat: „Leider ist auch die nachbarschaftliche Hilfe kaum noch vorhanden und Tante-Emma-Läden sind nahezu verschwunden.“ Missstände bei der Nahversorgung gebe es vor allem in den Stadtteilen Langenhorn, Fuhlsbüttel und Barmbek. So weit der Ist-Zustand.
Es gilt also, Lösungen zu finden. Heiner Schote von der Handelskammer konnte das Publikum mit seinem Vortrag nicht wirklich zufrieden stellen. Er referierte über die demographischen Herausforderungen aus Sicht der Wirtschaft. „Es gibt immer mehr Investitionsangebote von Lebensmittel – und Drogerie-Ketten, die neue Standorte in Hamburg entwickeln wollen. Allerdings tendieren sie zu Auto-Standorten“, erklärte er. Das sei aus deren Sicht auch nachvollziehbar. „Hier ist die Stadtentwicklung gefordert. Die Bezirksämter kümmern zwar um das Problem der Nahversorgung, aber noch nicht genug.“ Die Stadtteilzentren würden zwar gestärkt, aber vor allem die Einzelhändler gingen nun mal dort hin, wo die Kaufkraft stark ist.
Dr. Michael Brigdon vom Bezirksamt referierte über die Zukunft der Nahversorgung in der Stadtentwicklung. „Wir befinden uns in einem Prozess und fangen dabei nicht bei Null an.“ Mit etlichen Folien erklärte er das Zentren-Konzept der Stadt, das die Problematik der Senioren jedoch nicht anfasste. Weiterhin lobte Brigdon die Wochenmärkte und erklärte, das Kioske kein Instrument der Nahversorgung seien.
Bei der anschließenden Diskussion notierte sich der Wirtschafts-Dezernet jedoch fleißig die Beschwerden der Senioren.
Neben den fehlenden Einkaufsmöglichkeiten in vielen Wohngegenden monierten die Teilnehmer auch nicht gestreute öffentliche Wege im Winter, unebene Fußwege, zu hohe Bordsteinkanten und Bestelldienste über Internet mit denen die meisten älteren Menschen nichts anfangen können. Außerdem brachten einige Senioren das Problem der Gewerbe-Mieterhöhungen zur Sprache, die daran Schuld sei, dass viele Einzelhändler ihre Geschäfte schließen müssen. „Auf die Mieten können wir als Stadt keinen Einfluss nehmen. Wir können nur mit den Grundeigentümern reden und das tun wir auch immer wieder“, reagierte Brigdon.
Nach einer sehr lebhaften Diskussion fand Helmut Riedel vom Seniorenbeirat die richtigen Schlussworte: „Es ist schade, dass das Problem der Nahversorgung nur wirtschaftlich und nicht menschlich betrachtet wird. Wir wollen in Würde altern und dafür müssen wir ohne Qual einkaufen gehen können.“ (sl/hfr)
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