Lebensretter als Bittsteller in Hamburg

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Hier können sich Bernhard Hänel (links) und Bernd Riechert eine DLRG-Station Außenalster vorstellen, neben dem AJUS Segelclub nördlich vom „Cliff“Fotos: Hanke
 
So ein Mobilheim möchte die DLRG als feste Station an der Alster aufstellen

Kurz vor Beginn der Wassersportsaison: DLRG sucht noch immer einen festen Standort

Von Christian Hanke
Hamburg. Waren es nur Lippenbekenntnisse? Nach dem tödlichen Unfall des 13-jährigen Ruderers Lorenz auf der Alster im April vorigen Jahres signalisierten Behörden und Politiker Bereitschaft der DLRG (Deutsche Lebensrettungsgesellschaft) bei der Suche eines festen Standortes zu helfen. Doch seitdem hat sich nichts getan. Jetzt ist die Wassersportsaison nicht mehr weit. Schon ab März wird die Außenalster wieder vor lauter Segel-, Ruder- Tretbooten und Alsterschiffen kaum mehr zu sehen sein. Boote werden kentern - und das bei lebensgefährlichen Wassertemperaturen unter 15 Grad Celsius. Die ehrenamtlich tätigen Sanitäter von der DLRG sind oft die ersten am Unfallort. Mit zwei Booten sind sie an drei Tagen in der Woche auf der Außenalster präsent, bekommen oft als erste mit, wenn Skipper in Not geraten.
Doch Hamburg macht es der DLRG unverändert nicht leicht Leben zu retten. Die Boote und Material sind auf drei verschiedene Standorte verteilt. Ein Boot liegt beim Hamburger Segel Club am östlichen Alsterufer, das andere beim Hamburger und Germania Ruderclub auf der westlichen Seite. Das Material lagert im Keller der Wasserschutzpolizei am Anleger Rabenstraße. „Wir haben nach wie vor keine eigenen Liegeplätze, kein WC, keine Dusche, keine Gelegenheit zum Trocknen oder Aufwärmen“, ärgert sich Bernhard Hänel, der Vorsitzende der DLRG-Abteilung, die für die Außenalster zuständig ist. Außerdem befürchten die ehrenamtlichen Lebensretter, dass ihnen der Nachwuchs wegbricht, wenn sie den jungen Sanitätern keinen Aufenthaltsort bieten können. „Wir sind auf Freiwilligkeit angewiesen“, betont Bernhard Hänel. Einen Standort für einen DLRG-Stützpunkt haben sich die Lebensretter schon ausgeguckt. Nördlich vom Restaurant Cliff am Fährdamm neben dem Gelände des Alster-Jugend-Segelclubs AJUS würden sie gern in Kooperation mit AJUS eine kleine Fläche mit einem mobilen Wohnheim belegen. „Von hier hat man einen guten Überblick über die Außenalster“, findet Hänel.
„Ein im vorigen Jahr angekündigtes Treffen aller Beteiligter vor Ort beim AJUS Gelände hat nicht stattgefunden“, berichtet Bernhard Hänel enttäuscht. Auch ein Gespräch der drei betroffenen Bezirksamtsleiter von Nord, Eimsbüttel und Mitte kam nicht, wie von der Bezirksversammlung Eimsbüttel beantragt, zustande.
Diese Versäumnisse will die FDP jetzt mit einer Kleinen Anfrage klären. Die CDU wird in dieser Woche mit einer eigenen Anfrage nachziehen. „Wenn Ehrenamt zur Sicherheit beitragen soll, muss der Staat entsprechende Rahmenbedingungen schaffen“, sagte dazu der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Dennis Gladiator. „Wir gucken, ob eine DLRG-Station in den Rahmen der Sicherheit für die Alster passt“, sagte Volker Dumann, der Sprecher der für die Alster zuständigen Umweltbehörde (BSU). Ansonsten hält man sich bei der BSU zu diesem Thema bedeckt. Für eine Entscheidung will die Behörde „die Beantwortung der Anfrage der FDP abwarten“. Auf dass die ehrenamtlich tätigen Lebensretter vielleicht endlich nicht mehr wie Bittsteller um die Alster laufen müssen. Im „Jahr des Wassersports“ 2014 in Hamburg wäre das eine angemessene Geste.
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