Mehr Frauennamen auf Straßenschildern

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Nur knapp 400 Straßen sind nach Frauen benannt, 2500 heißen dagegen wie berühmte Männer Montage: wb/Wessels
 
Maria Karoline Herder
Hamburg: Herderstraße |

Elf Frauen werden jetzt gemeinsam mit Ehemännern und Vätern geehrt

Von Stefanie Hörmann
Hamburg
Es ist ein kleiner Trick, aber wirkungsvoll: Elf Frauen werden jetzt zu Namensgebern für Straßen in Hamburg – und das, obwohl der Straßenname bleibt. Die Straßen wurden ursprünglich nach ihren Ehemännern oder Vätern benannt, jetzt gibt es neue Schilder, die auch die bedeutenden Frauen in der Familie würdigen.

Nur 400 Frauennamen

In Hamburg wurden rund 2500 Straßen nach Männern benannt, die Frauen bringen es gerade mal auf 400. „Diese Diskrepanz wollten wir verringern, ganz pragmatisch, damit ist ja nicht ausgeschlossen, dass wir neue Straßen nach Frauen benennen, aber wir rücken bisher verschwiegene Frauen in den Vordergrund“, sagt Rita Bake, bis August war sie stellvertretende Leiterin der Landeszentrale für politische Bildung, die Straßennamen sind ihr Forschungsprojekt (das Wochenblatt berichtete). Jetzt, im Ruhestand, verfolgt Rita Bake das Straßenprojekt weiter, stellt ehrenamtlich Hintergründe zu den geehrten Frauen online. Im 18. und 19. Jahrhundert standen die Frauen fast immer im Schatten ihrer Männer, aus dem sie nun herausgeholt werden sollen. Der Senat und die Bezirke haben jetzt, nach einer ersten Runde im Jahr 2001, erneut 11 Frauen ausgewählt, die gemeinsam mit ihren Männern oder Vätern auf zwölf Straßenschildern genannt werden. 2001 waren es vierzehn Hamburger Straßen. So heißt zum Beispiel in Winterhude die 1910 nur nach Johannes Gottsched benannte Gottschedstraße seit 2001 nach dem Schriftstellerehepaar Luise und Johannes Gottsched.

Leistung wird gewürdigt

Nach diesem Muster werden in den nächsten Wochen zwölf Straßenschilder neue Namensgeberinnen bekommen. „Die Frauen sind jetzt nicht mehr das verschwiegene Anhängsel des Mannes“, sagt Rita Bake, „der Blick richtet sich auch auf die Leistungen der Frauen.“ Wie wäre beispielsweise die Geschichte des Automotors ohne Bertha Benz verlaufen, die Pionierin des Automobils? Der Straßenname ehrte bislang nur ihren Mann, Carl Friedrich Benz, Erfinder des Automobils. Doch ohne Bertha wäre seine Erfindung wahrscheinlich nicht realisiert worden, sie ließ sich noch vor der Heirat ihre Mitgift auszahlen, um dem Verlobten den Ausbau seines Unternehmens zu finanzieren. Ihre 106 Kilometer lange erste Automobilfernfahrt von Mannheim nach Pforzheim ohne ihren Mann war ein PR-Erfolg für das Unternehmen. Bertha Benz: „So hab´ ich als erste gezeigt, dass dem Papa Benz sein Automobil auch für weite Fahrten gut ist. Und auf meinen Vorschlag hat er dann noch einen dritten Gang eingebaut für Bergfahrten. Und den haben heute alle Autos auf der Welt. Da bin ich sehr stolz drauf“. Das wäre sie wahrscheinlich auch auf das neue Straßenschild der Benzstraße in Bramfeld mit ihrem Namen und dem ihres Mannes als Namensgeber. Neben Bertha Benz erinnert Hamburg an 11 weitere bedeutende Frauen, großzügige Spenderinnen wie Anna Büring (1455-1537) (Bühringstwiete im Stadtteil Ohlsdorf), die ihren Reichtum für soziale Zwecke nutzte oder kluge und erfolgreiche Frauen wie Maria Karoline Herder, über die es heißt, ohne sie hätte es auch den berühmten Schriftsteller Johann Gottfried Herder so nicht gegeben.

Info: Maria Karoline Herder

Im Stadtteil Uhlenhorst und in Barmbek-Süd wird Maria Karoline Herder (1750-1809) als eine der überragenden Frauengestalten des Weimarer Kreises um Goethe und als Lektorin und Autorin neben ihren Ehemann Johann Gottfried Herder (1744-1803) gestellt. Karoline arbeitete unermüdlich an der Reputation ihres Mannes, sie lektorierte und redigierte seine Schriften, auch eine Biographie schrieb sie über ihren Mann. Goethe nannte die kluge Karoline Herder oft seine „Schwester“.

Info: Anna Blos

Anna Blos (1866-1933), geb. Tomasczewska, war eine einflussreiche Politikerin (SPD), Frauenrechtlerin und Verfechterin des Frauenwahlrechts. Zudem wurde sie erste Ortsschulrätin Deutschlands. Anna Blos wurde 1919 als einzige weibliche Abgeordnete der württembergischen SPD zum Mitglied der Weimarer Nationalversammlung gewählt. Anna Blos veröffentlichte wichtige Arbeiten zur Geschichte der proletarischen Frauenbewegung. Die Blostwiete liegt in Horn.

Info: Amalie Cäcilie Schmilinsky

Amalie Cäcilie Schmilinsky, geborene Tanner (1833-1916), war Mitbegründerin des Schmilinsky-Stifts. Die Stiftung kümmerte sich um unversorgte, junge Mädchen, während sie einer beruflichen Ausbildung nachgingen, als Gouvernanten arbeiteten oder als Lehrerinnen bereits pensioniert waren. Nach dem Tod ihres Mannes Carl Heinrich Schmilinsky ging das gesamtes Vermögen der Eheleute, rund fünf Millionen Goldmark, an die gemeinsam gegründete Stiftung.

Info: Bertha Benz

Die Benzstraße in Bramfeld soll auch nach Bertha Benz (1849-1944) benannt werden, nicht nur nach ihrem Ehemann Carl Friedrich Benz (1844-1929), dem Erfinder des Automobils. Berthas finanzieller Einsatz brachte die Entwicklung des Automobils in Schwung, sie ließ sich 1871 noch vor ihrer Heirat ihre Mitgift auszahlen und investierte in die Firma ihres Verlobten und seine Autopläne. Bertha Benz besaß technisches Verständnis und trug mit eigenen Ideen zur weiteren Entwicklung des Automobils bei – auf ihr Konto gehen außerdem für die damalige Zeit spektakuläre PR-Aktionen.

Info: Dorothea Tieck

In Eilbek heißt der Tiecksweg jetzt auch nach Dorothea Tieck (1799-1841), nicht nur nach Ludwig Tieck (1773-1853), ihrem Vater, dem Dichter und Dramaturg. Dorothea war eine bedeutende Übersetzerin, Übersetzungen ihrer Shakespeare-Stücke werden heute noch gespielt. Ihr Name wurde allerdings zu Lebzeiten nicht genannt, Ludwig Tieck setze seinen Namen unter die Arbeiten seiner Tochter. Jetzt wird sie gleichberechtigt neben dem Vater genannt.

Weitere Infos: Hamburger Frauenbiografien

Lesen Sie auch: Lebensleistung der Frauen in Hamburg
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1 Kommentar
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Erich Heeder aus Billstedt | 24.08.2017 | 16:34  
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