Mehr Mobilität: Tanzen mit Parkinson

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Die Aktivitäten in den einstündigen Workshops von „projekt:tanz e.V.“ wirken sich positiv auf die Parkinson-Symptomatik aus Foto: sos
 
Der Tanzunterricht von Tanzpädagogin Lena Klein (30) schult die Koordination, verbessert das Körperbewusstsein und die Motorik Foto: privat

Ein Hamburger Verein verhilft Erkrankten zu neuer Lebensfreude

Von Sonja Schmidt
Hamburg
„Man kommt her, ist voller Verspannungen – doch sobald man seine Übungen gemacht hat, ist man wieder frisch und munter“, sagt Claus Grebe und lächelt. Im Tybas Dance Center in der Hamburger Innenstadt sitzt er mit zehn anderen Tanzbegeisterten im Kreis, schwingt die Arme und wippt mit den Füßen im Takt der Musik. Viele in diesem Raum haben immer gern getanzt und sich bewegt – bis sie an Morbus Parkinson erkrankten. Im Verein „projekt:tanz e.V.“ finden sie neuen Mut und Lebensfreude. „Wir können natürlich keine klassischen Tangostunden anbieten, aber mittels therapeutischer Tanzgymnastik die Mobilität der Teilnehmer erhalten, oder verloren geglaubte Mobilität wiederherstellen“, erklärt Tanzpädagogin Lena Klein. Vor einem halben Jahr gründete die 30-Jährige den Verein – ihre Workshops sind seither stark gefragt. Vereinsmitglieder aller Altersklassen tanzen für 65 Euro Jahresbeitrag und fünf Euro pro Workshop in Niendorf, Bramfeld oder der Innenstadt gegen ihre Erkrankung an. Nichtmitglieder sind mit acht Euro pro Workshop dabei.

Gymnastik ist der Taktgeber


Schätzungsweise bis zu 300.000 Menschen sind aktuell in Deutschland von dem neurologischen Leiden Parkinson betroffen, das auch unter dem Namen Schüttellähmung bekannt ist. Der Auslöser ist nicht geklärt, die Ursache aber sind absterbende Nervenzellen im Gehirn, die den Botenstoff Dopamin enthalten und Bewegungsabläufe steuern. Die Folge: Muskeln versteifen, Hände zittern, oder Gang- und Gleichgewichtsstörungen erschweren das Leben. Medikamente lindern die Symptome, heilen aber kann man die Krankheit – die längst nicht mehr eine bloße Alterserkrankung ist – nicht. Um Bewegungsstörungen und Muskelsteifigkeit einzudämmen, setzt „projekt:tanz e.V.“ als Begleittherapie auf den positiven Nutzen von Bewegung und Sport. Tanzgymnastik ist quasi der Taktgeber in einem aus dem Gleichgewicht geratenen Leben. „Der Effekt ist einfach der Wahnsinn und hält tagelang vor“, betont May Evers. Alle zwei Tage nimmt die 52-Jährige eine Stunde am Kurs teil und tauscht sich mit anderen Betroffenen aus. Tanzen, da sind sich viele hier einig, wirkt sich positiv auf die Symptomatik aus. Auch Claus Grebe kann das bestätigen: „Die Bewegungen und das Gehen werden wieder leichter. Nach den Übungen könnte ich regelrecht nach Hause fliegen, so leicht und locker fühle ich mich dann.“

Kostenlose Übungs-DVD


Soi Anifantis zögerte keine Sekunde, als sie 2015 das erste Mal von der Projekt-Idee hörte. Und bot ihre Unterstützung an. Jetzt ist die 27-jährige Tanzpädagogin zweiter Vorstand und berichtet begeistert von Fortschritten in den Gruppen: „Ich weiß noch genau, wie eine Teilnehmerin in leicht gekrümmter Haltung mit ihrem Rollator zu uns in den Kursus kam. Nach der Stunde ging sie mit schwingenden Armen aus der Tür – da kann man mal sehen, was Tanzen bewirkt!“ Auch die bundesweite Kampagne „startsocial“ ist überzeugt von dem Konzept und unterstützt den Verein mit einem Coaching-Stipendium von Fach- und Führungskräften aus der Wirtschaft. Und bald schon gibt es noch einen Grund zur Freude: dann bringt „projekt:tanz e.V.“ eine eigens entwickelte Übungs-DVD mit 16 Tanzübungen für zuhause raus – und zwar kostenlos.

Weitere Infos: Tanzen mit Parkinson
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