Mit dem Paternoster in ethische Randgebiete

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„Einwirkzeit“ spielt im Bezirksamt. Hamburger Erstaufführung von „Die Ware Mensch“

Hamburg. Etwas Ungewöhnliches geht vor im Grindelhochhaus Nummer 66. Auch am Wochenende dreht der Paternoster im Bezirksamt Eimsbüttel stetig seine Runden, eine junge Frau schleppt eine Motorsäge umher und ständig springen Gestalten aus dem antiken Fahrstuhl raus und dann wieder rein... Spukt‘s etwa im Amt? Sind Geister aus verstaubten Akten auferstanden? Müssen Beamte mit deren – theatraler – Rache rechnen? Nein, ganz so schlimm wird es denn nicht werden, aber Theater, ja, das wird es geben! Womöglich sogar ein bisschen gruseliges Theater.
„Einwirkzeit“ inszeniert an diesem außergewöhnlichen Ort das Stück „Die Ware Mensch“, Regie führt Heike Skiba. Das freie Theater hat Erfahrung mit ungewöhnlichen Spielorten. Auch im Turm des Hamburger Michel haben die Theatermacher schon zwei Mal „(ein)gewirkt“. Für ihre aktuelle Produktion konnten sie sogar die Gunst der Bezirksversammlung erwirken: Mit insgesamt 2.800 Euro wurde die Produktion unterstützt.
„Die Ware Mensch“
Der Autor Tuğsal Moğul (geb. 1969) ist diplomierter Schauspieler, Regisseur, Anästhesist und Notarzt. Er studierte neun Jahre parallel Medizin und Schauspiel. Mit den Hamburger Theatermachern, die sein Stück hier zur Erstaufführung bringen, hat er sogar Kontakt, bespricht mit der Regisseurin und den drei Schauspielerinnen Leena Fahje, Solveig Krebs, Hannah Sieh den Text und dessen dramaturgische Bearbeitung. Das Stück wirft die Frage auf: Liegt es in den Genen des Menschen, der beste Mensch zu werden, der er jemals sein kann? Renate ist Reproduktionsmedizinerin und träumt vom perfekten Menschen. Iljana ist Transplantationsärztin und träumt vom vollständigen Ersatzteillager. Andrea ist arbeitslos und träumt von viel Geld. „Die Ware Mensch“ erzählt vom Streben nach der Perfektion des Lebens und dessen Kehrseite. In kurzen ineinander greifenden Monologen, die sich zu einem schauderhaften Ganzen zusammenfügen, erzählen die drei Frauen von Transplantationen, Eizellenspenden und Amputationen, von der Bedeutung der Fitness und der Schönheit: Eine künstlerische Forschungsreise in medizinisch-ethische Randgebiete. Das Publikum wird in die typische Behördenatmosphäre des Bezirks-
amtes geladen. Der Paternoster garantiert ein ständiges Auf und Ab, einen nicht endenden Kreislauf ... (ba)

Premiere am 25. Oktober, Bezirksamt, Grindelberg 62-66, 20 Uhr, Karten: Tel.: 401 38 025 E-Mail: mail@einwirkzeit.de; http://www.einwirkzeit.de
Weitere Vorstellungen: 26. 10., 1., 2. und 3. November
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