Museum und Universität arbeiten deutsche Kolonialzeit auf

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Dr. Carl Triesch, Ausstellungsmanager des Völkerkundemuseums (l.), und Afrika-Experte Professor Jürgen Zimmerer stellten das Projekt zur Aufarbeitung des Kolonialismus vor
Hamburg. In einer neuen Zusammenarbeit zwischen dem Völkerkundemuseum und der Hamburger Universität soll die Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte intensiviert werden. Deutsche Kolonien gibt es zwar schon lange nicht mehr, aber auch heute erinnern noch viele Benennungen an die unrühmliche Zeit deutschen Wesens in Afrika und in der Südsee.
Das 1908 bis 1912 erbaute Völkerkundemuseum ist zum Teil ein Ergebnis dieser Zeit, beschäftigt sich deshalb seit 2000 mit seinen Bezügen zur Kolonialgeschichte. Auch die Hamburger Universität hat koloniale Wurzeln, beherbergte das heutige Uni-Hauptgebäude, der markante Kuppelbau an der Edmund-Siemers-Allee, doch vor der Gründung der Universität unter anderem das Hamburgische Kolonialinstitut. Bis in die 1960er Jahre zeugte davon die martialische Statue des „Kolonialhelden“ Hermann von Wissmann vor dem Haupteingang, die zweimal von Studierenden gestürzt und danach nicht wieder aufgestellt wurde.
In zwei Seminaren, die im Völkerkundemuseum stattfinden, werden sich Studierende nun mit der kolonialen Vergangenheit beschäftigen. Eines
leitet der Afrika-Experte Professor Jürgen Zimmerer, der ein Buch über Erinnerungsorte der deutschen Kolonialgeschichte geschrieben hat („Kein Platz an der Sonne“).
Sein Seminar „Die Wahrnehmung des Anderen“ war in Windeseile ausgebucht. „Es gibt ein rapide wachsendes Interesse nach der Rolle Deutschlands in der Zeit des Kolonialismus“, stellte Zimmerer auch dabei wieder fest.
Anhand von Objekten des Völkerkundemuseums soll die deutsche Vergangenheit in Übersee aufgearbeitet werden, denn „Viele Objekte haben koloniale Zusammenhänge“, weiß der Ausstellungsmanager des Museums, Dr. Carl Triesch.
Die Ergebnisse werden im Sommer 2015 als App vorliegen, über die sich die Besucher des Völkerkundeumuseums zum Kolonialismus informieren können. Da wird womöglich Unbequemes zu erfahren sein. Zimmerer kündigte schon an: „Die Politik darf nicht auf einen Schlussstrich hoffen.“ (ch)
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