Musik für Tante Olli

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Studentinnen der Musikhochschule spielten zur Stolpersteinenthüllung für Tante Olli. John David und Caroline Philipp lauschten gebannt Fotos: Hanke

Stolperstein am Leinpfad für Olga Schindler verlegt

Hamburg. John David Philipp war sichtlich bewegt und dankbar zugleich, als er kürzlich vor dem Haus Leinpfad Nr. 30 stand, vor dem Haus, in dem seine Tante Olli von 1930 bis 1933 gelebt hatte. Für sie wurde hier ein Stoperstein enthüllt, denn Tante Olli, Olga Schindler, war im Oktober 1941 nach Lodz deportiert worden, gemeinsam mit ihrer Schwester Sophie, der Mutter von John David Philipp. Im Mai 1942 wurden beide Schwestern im bei Lodz gelegenen Vernichtungslager Chelmno ermordet. „Dass Sie sich so viel Mühe gemacht haben“, um seine Tante zu ehren, das machte den Engländer, der 1938 als Zwölfjähriger mit einem der ersten Kindertransporte nach London ausreiste, trotz des traurigen Anlasses glücklich. Seit fast 20 Jahren verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig Stolpersteine mit den Lebensdaten von NS-Opfern vor den Häusern, in denen sie gelebt hatten.
Olga Schindler zog nach dem Tod ihres Mannes, der eine Getränkefirma besaß, in den Leinpfad. Sie verarmte zusehends, da ihr mit der zunehmenden Judenverfolgung die finanziellen Mittel entzogen wurden. Offenbar wurde sie von Verwandten und Bekannten aufgenommen, worauf ein häufiger Adressenwechsel hindeutet. Im Oktober 1941 begleitete sie ihre Schwester nach Lodz, obwohl sie nicht zur Deportation aufgefordert worden war. Zwei Studierende der Musikhochschule spielten Geige bei dieser Stolpersteinverlegung. Einige Anwohner aus den Häusern Leinpfad 29 und 30 nahmen auch teil. Axel Gersing lud sogar zu Tee und Kuchen in seine Wohnung ein – nicht selbstverständlich bei diesen Zeremonien. (ch)
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