„Nein“ zu sechs Monaten Bauzeit in Hamburg

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Rund 300 Menschen demonstrierten am Sonnabend gegen die Umbaumaßnahmen für die Busbeschleunigung durch den Mühlenkamp Fotos: Thielcke (3); Flüß (1)
 
„Die Umleitung des Verkehrs geht gar nicht“, sagt Anrainerin Svenja Sund

Rund 300 Winterhuder gingen gegen Mühlenkamp-Umbau auf die Straße

Hamburg. Der Protest gegen den geplanten Umbau des Mühlenkamp-Viertels für die Busbeschleunigung wird immer lauter. Am Sonnabend gingen rund 300 Winterhuder dagegen – und vor allem gegen eine sechsmonatige Dauerbaustelle – auf die Straße. „Die überarbeiteten Pläne haben rein kosmetischen Charakter“, kritisiert Bernd Kroll von der Bürger-Initiative „Unser Mühlenkamp“ das Ergebnis des Regionalausschusses Eppendorf-Winterhude zu den Maßnahmen für die Busbeschleunigung am Mühlenkamp. Mehr als 300 Bürger waren schon am 10. Februar zur Vorstellung der überarbeiteten Pläne ins Goldbekhaus gekommen. Dort wurde die erneute Überarbeitung beschlossen, die endgültige Abstimmung im Ausschuss soll am 17. März ab 18 Uhr im Goldbekhaus erfolgen. Die Initiative spricht sich grundsätzlich für eine Umgestaltung aus, wehrt sich aber gegen eine Verkehrsinsel auf dem Mühlenkamp, fordert Tempo 30 für Mühlenkamp und Gertigstraße, eine Gehwegbreite von mindestens zwei Metern, Zufahrt für Lieferfahrzeuge aus dem Mühlenkamp in die Gertigstraße und Beibehaltung der Einbahnstraßenregelung für die Preystraße in Richtung Schinkelplatz. Weiter schlägt die Initiative eine zeitlich gestaffelte Umsetzung vor, um die Auswirkungen auf die Busfahrzeiten erst einmal untersuchen zu können und befürchtete große Belastungen durch Verkehrsverlagerungen im Quartier zu vermeiden (das Wochenblatt berichtete). „Was aber gar nicht geht, ist eine Dauerbaustelle über die Weihnachtszeit von Oktober bis Dezember“, sagt Kroll nachdrücklich. Die Initiative hatte zur Demonstration aufgerufen. „Wir sind optimistisch für den 17. März“, sagt Initiator Bernd Kroll. „Wir sind vehement und haben gute Argumente“, ergänzt seine Mitstreiterin Bettina Hagen, die das Bistro „Drei Tageszeiten“ am Mühlenkamp betreibt. „Die Pläne führen zu einer Bus-Verlangsamung. Wenn die Haltestelle zurückgebaut wird, müssen die Busse auf der Straße halten. Mit der geplanten Verkehrsinsel wird es keine Ausweichmöglichkeit mehr geben, der Verkehr staut sich dann und auch nachfolgende Busse müssen warten.“

700 Unterschriften

Arne Wasmuth, der in der Initiative die Immobilien-Eigentümer vertritt und in fünfter Generation am Mühlenkamp ansässig ist, verweist auf die drohende Zerstörung des historischen Viertels: „Der Mühlenkamp ist nicht für XXL-Busse von der Größe einer Queen Mary gemacht. Die sind auch nur frühmorgens und zum Feierabend gut gefüllt. Der Mühlenkamp lebt vom Verkehrsfluss und Gewerbe.“ Auch Marianne Meinecke aus der Preystraße wehrt sich gegen die Pläne: „Ich bin dorthin gezogen, weil es eine ruhige Einbahnstraße ist. Wenn die Preystraße bis zum Ärztehaus in beide Richtungen befahrbar wird, ist es mit der Ruhe vorbei.“ Meinecke befürchtet, dass „die Pläne am 17. März mit Blick auf die Bezirkswahlen im Mai durchgedrückt werden.“ Rund 700 Unterschriften hat die Initiative bisher gesammelt. Unterstützung erhält sie von den Fraktionen von CDU und Grünen. Die Grünen-Fraktion kritisiert, „dass die Planung einzig unter dem Gesichtspunkt der Busbeschleunigung betrieben wurde“ und Wünsche und Anregung aus Planungswerkstatt und Regionalausschuss nur teilweise berücksichtigt worden seien.
Die CDU beantragte, Wirtschafts-Senator Frank Horch in den Regionalausschuss am 17. März zu laden. (flü)
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