Oh, it‘s Schuh-Time!

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Yalcin Dayar (43) bei der Arbeit in seinem Maßschuhgeschäft Foto: tal
 
Der kleine Yalcin (2.v.r.) mit Mitarbeitern seines Vaters in dessen Schuhmanufaktur in Instanbul Foto: privat

Vor 20 Jahren kam Yalcin Dayar nach Hamburg – und lebt hier seinen Traumberuf

Von Thore Albertsen
Winterhude
Ein feiner Hauch von Leder liegt in der Luft. Unzählige Größenmodelle für Schuhe aus Holz hängen an den Wänden von Yalcin Dayars Maßschuhgeschäft. Es ist eine Werkstatt wie aus alten Zeiten. Der Meister selbst sitzt hinter seiner Werkbank und arbeitet an ein paar schwarzen Lederschuhen für Herren – Größe 47. Yalcin Dayar lächelt dabei. Für den 43-Jährigen ist dies kein normaler Job, es ist seine Berufung. Bereits in dritter Generation ist der Wahlhamburger in dieser Handwerkskunst tätig, fertigt rahmengenähte Schuhe an, die perfekt sitzen und bei ordentlichem Umgang über Jahre getragen werden können. Schon sein Großvater hatte eine Manufaktur in Istanbul, in der Yalcin bereits als kleiner Junge immer seine Nachmittage verbrachte. „Mich hat die Atmosphäre in der Werkstatt fasziniert, die Gespräche unter den Mitarbeitern und die Arbeit mit den edlen Materialien“, erklärt Dayar. Doch die Arbeit in der Werkstatt, füllte ihn nicht voll aus, der direkte Kontakt zu Menschen bedeutete ihm genauso viel.

Mit gelbem Walkman durch die Stadt


Vor 20 Jahren verließ der Schuhmacher die Stadt auf zwei Kontinenten und ging der Liebe wegen nach Hamburg. Schnell begann er hier deutsch zu lernen. Mit Sprachkassetten in seinem gelben Walkman lief er durch die Stadt, lernte, wann immer er konnte. Als er die Sprache beherrschte, war es kein Problem mehr eine Arbeit zu finden. Zuerst Aushilfsjobs, dann eine Festanstellung. Doch nach ein paar Jahren entschließt er sich eigene Wege zu gehen. „Ich wollte ein Geschäft, das genau meinen Vorstellungen entspricht“ , betont er. Vor 15 Jahren eröffnet der Türke sein erstes Geschäft in einem ehemaligen Gemüseladen im Eppendorfer Weg. Die Kunden kommen, um sich Schuhe für die Ewigkeit zu kaufen – oder zumindest für die nächsten Jahre.
Die Fertigung nach Maß beansprucht dabei viel Zeit. Über 100 einzelne Schritte braucht es vom ersten Entwurf des Schuhs bis zum fertigen Produkt. „Dafür halten diese auch viele Jahre und sind vor allem ganz genau auf den Kunden abgestimmt“. Wie ein Doktor untersucht Yalcin Dayar dabei die Füße seiner Kunden, nimmt Maß, studiert alte Schuhe , um den genauen Gang zu erkennen. Erst dann beginnt er mit der Gestaltung des Schuhs. Denn dabei muss man vorsichtig sein.

„Schuhe können krank machen“


„Mit den falschen Schuhen kann man seine Gesundheit aus Spiel setzen“, sagt Yalcin und blickt ein wenig besorgt auf die ausgelatschten Turnschuhe eines Kunden. Industrieschuhe aus Bangladesh oder Indonesien zu verkaufen, ist seine Sache nicht. „Wir entwickeln uns zu einer Wegwerfgesellschaft“, sagt Dayar. Und weiter: „Den Menschen ist es egal, dass die falschen Schuhe krank machen können. Ich versuche hier Überzeugungsarbeit zu leisten.“ Über 1.000 Stammkunden hat das Geschäft des Handwerksmeisters mittlerweile. Aus ganz Deutschland kommen die Kunden auf der Suche nach dem perfekten Schuhwerk oder um die Lebensdauer ihrer geliebten Stiefel ein wenig zu verlängern. Kein Wunder also, dass Yalcin zusammen mit seinem Bruder Serkan vor fünf Jahren ein zweites Geschäft in der Dorotheenstraße eröffnet hat. Hamburgs Maßschuhbedarf steigt. „Für immer mehr Kunden in Hamburg sind Schuhe ein Lebensgefühl – so etwa wie ein guter Wein. Sie bedeuten Glück und Zufriedenheit. Ich trinke ja auch nicht nur, um meinen Durst zu stillen.“
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