Ohne Neubau, aber mit Augenmaß

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Sind verantwortlich für die Behinderten, die in den Werkstätten am Klotzenmoorstieg beschäftigt sind: Rolf Tretow, der Geschäftsführer der elbe werkstätten, und Ilka Anders, die Koordinatorin für RehabilitationenFoto: Hanke

Erweiterung der Behinderten-Werkstätten in Groß Borstel vom Tisch. Handarbeit als Qualitätsmerkmal

Von Christian Hanke
Groß Borstel. Kein Neubau für die Behinderten-Werkstätten am Klotzenmoorstieg. Nach eingehenden Beratungen hat die „elbe werkstätten gmbh“, die den Betrieb 2011 nach einer Fusion mit dem früheren Betreiber, den Winterhuder Werkstätten, und den Hamburger Werkstätten übernommen hatte, beschlossen, einen geplanten Neubau auf der Fläche zweier abgerissener Gebäude nicht zu realisieren.

Verzicht auf Neubau

„Die Behörde hat uns signalisiert, dass die Belegung für die Werkstätten am Klotzenmoorstieg zurückgeht. Darum bauen wir lieber nicht. Die derzeitige Situation rechtfertigt einen Zwei-Millionen-Neubau nicht, den wir ja aus Steuergeldern finanzieren würden“, erläutert Rolf Tretow, der Geschäftsführer der elbe werkstätten. Eine wohl dauerhafte Umstellung bedeutet der Verzicht auf den Neubau für bis zu 90 Behinderten, die in den abgerissenen Gebäuden am Klotzenmoorstieg gearbeitet hatten, und nun in anderen Betrieben der elbe werkstätten ihrer Beschäftigung nachgehen. „Nur wenige können vermutlich zurückkommen. Das wird nicht nur auf Freude stoßen“, befürchet Rolf Tretow. Statt über 200 Beschäftigten vor dem Abriss von drei Gebäuden werden künftig nur noch rund 125 Behinderte am Klotzenmoorstieg arbeiten. Zwei Gründe führen die Verantwortlichen für die Abnahme der Zahl der Beschäftigten an. Weil es für behinderte Menschen immer mehr Alternativen zu der Beschäftigung in eigens für sie eingerichteten Werkstätten gibt, gehen die Belegungen zurück. Außerdem bemühen sich die Werkstätten, ihre Beschäftigten bei Unternehmen in „normale“ Arbeitsverhältnisse zu bringen. Und das gelingt immer besser. „Immer mehr Unternehmen kooperieren mit uns, so dass bereits 20 Prozent unserer Beschäftigten dort arbeiten. Wir wollen diesen Anteil auf 30 Prozent steigern“, erzählt Rolf Tretow. „Die Behinderten darauf vorbereiten. Das ist unsere Kernkompetenz“, ergänzt Ilka Anders, die Koordinatorin für Rehabilitation. Dort werden die Behinderten nicht nur in verschiedenen Werkstätten beschäftigt, sondern sie erlernen auch Handwerkstechniken, werden auf Berufe vorbereitet. Berufsbildung spielt eine große Rolle. Die Werkstätten sind zunehmend nach wirtschaftlichen Gesichtpunkten ausgerichtet worden. So werden kaum noch Besen gebunden und Stuhlteile geflochten, Bereiche, für die die Werkstatt am Klotzenmoorstieg noch heute in der Nachbarschaft bekannt ist.
„Diese Gewerke sind bei uns nicht mehr wettbewerbsfähig“, erläutert Rolf Tretow. Andere Tätigkeiten dagegen schon. Manuelle Arbeiten in der Verpackung zum Beispiel. Große Firmen erteilen den Werkstätten Aufträge für das Falten und Verpacken von Produkten, die eine Maschine so nicht leisten kann. Auch das Zusammenbinden von drei „Groschenromanen“ zu einem Sammelband können die Behinderten besser als Maschinen. „Babys Schatzkästchen“ falten und füllen zum Beispiel die 16 Beschäftigten der Packgruppe in Teamarbeit. Dabei dürfen die Bedürfnisse der Behinderten nicht auf der Strecke bleiben. „Welche Menschen haben welche Bedürfnisse? Diese Frage müssen wir uns stellen und die Wirtschaftlichkeit dabei nicht aus den Augen verlieren“, fasst Ilka Anders die Aufgaben der Werkstätten zusammen.
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