Plädoyer für die Klinker

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Historische Backstein-Optik erhalten trotz Dämmschutz: Davon überzeugte sich Jutta Blankau, Mitte, beim DHU-Gebäudeensembles im Vogelbeerenweg Fotos: Haas

SPD-Senatorin Blankau unterstützt Erhalt historischer Backstein-Optik

Hamburg. Was wären die Jarrestadt oder die Bauten aus den 1920er Jahren am Braamkamp, wenn ihre Fronten unter dicken Dämmputzen oder gar Ziegelimitaten aus Plastik verschwänden? Das Dilemma heißt vielerorts: Energieeinsparung durch Wärmedämmung oder Erhalt der Klinkerfassaden. Die prägen immerhin Hamburgs Stadtbild – neben vielen Gründerzeit-Ensembles.
Kürzlich zu Gast bei der DHU-Baugenossenschaft verwies Senatorin Jutta Blankau (SPD), Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU), auf Auswege aus diesem Dilemma. Demnach könnte bei Sanierungen der erforderlichen Energieeinsparverordnung entsprochen und zugleich die historische Backstein-Optik erhalten werden. Die Senatorin informierte zunächst über den städtischen Backsteinkatalog (www.hamburg.de/backstein).
Ab sofort sind wegweisende „gute Beispiele energetischer Sanierung“ in der BSU-Broschüre „Backstein Qualitätssicherung“ dokumentiert. Gastgeber des Treffens war Joachim Haselhoff. Der Vorstandsvorsitzende der Baugenossenschaft DHU hatte in den Nachbartreff am Braamkamp eingeladen, um eine beispielhafte Sanierung am u-förmigen Gebäude-Ensemble der Genossenschaft zwischen Vogelbeerenweg, Braamkamp und Buchsbaumweg vorzustellen. Für diesen aufwändigen Akt wurde die DHU schon Mitte des Monats mit einem „Deutschen Fassadenpreis“ ausgezeichnet.
Immerhin satte 8 Millionen Euro hatte die Sanierung vor Ort gekostet.
Um die Fassade nach Auftrag der Wärmedämmschicht dem historischen Zustand anzugleichen, wurden neue Sprossenfenster eingesetzt und spezielle Flachziegel in den urspünglichen Backsteinfarben gebrannt: 255.000 so genannte Klinker-Riemchen waren erforderlich, auf die im Innenhof allerdings verzichtet wurde. „Die Mietsteigerung beschränkt sich nun auf maximal 7 Euro pro Quadratmeter. Die aber wird angesichts eingesparter Heizkosten von den Bewohnern toleriert“, erklärte DHU-Vorstand Joachim Haseloff. Beim Rundgang überzeugte sich Senatorin Jutta Blankau von der gelungenen Fassadensanierung, umgeben von Backstein-Experten. Der beauftragte Architekt Olaf Lundius stand dabei Rede und Antwort.
Der Backstein sei als ein stilprägendes Fassadenelement im Hamburger Stadtbild nicht wegzudenken, sagte Blankau. Umso mehr gelte es, auch bei anstehenden energetischen Sanierungen, die Backsteinoptik zu erhalten, so die Senatorin. Mit dem Backsteinkatalog stünden für Bauherren praktikable Hilfsmittel zur Verfügung. In einer umfangreichen Bestandserfassung erhaltenswerter Fassaden seien Gebäude mit „Backstein-Relevanz“ katalogisiert. Steht eine Fassadensanierung an, könne das Mauerwerk von Sachverständigen im BSU-Auftrag inspiziert werden. Nach den Gutachten der behördlichen Qualitätssicherer gewährt die Hamburgische Investitions- und Förderbank sogar Zuschüsse bei der Sanierung. (wh)
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