Pläne für den Carlebach-Platz

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Bernhard Effertz ist seit Kurzem der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Hamburg Foto: Hanke

Jüdische Gemeinde möchte Fläche von der Stadt zurückbekommen, um dort ein Bildungshaus zu bauen

Von Christian Hanke
Grinde
l Wird auf dem Joseph-Carlebach-Platz, der Fläche, auf der bis 1939 die Bornplatz-Synagoge, das größte jüdische Gotteshaus Hamburgs stand, in den nächsten Jahren wieder ein Gebäude errichtet? Die Jüdische Gemeinde, seit 2007 in der benachbarten Talmud Tora Schule ansässig, beabsichtigt auf dem Joseph-Carlebach-Platz ein Jüdisches Bildungshaus zu errichten.
„Die Joseph-Carlebach-Schule platzt aus allen Nähten. Wir benötigen dringend Platz“, erklärt der gerade wiedergewählte erste Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Bernhard Effertz. Die Joseph-Carlebach-Schule wurde 2007 als Grundschule im Gebäude der früheren Talmud Tora Schule gegründet, wird Jahr für Jahr um eine Klasse zur Stadtteilschule erweitert. Im August starten die ersten neunten Klassen. 162 Kinder und Jugendliche besuchen derzeit die Joseph-Carlebach-Schule, die für Schülerinnen und Schüler aller Konfessionen offen ist. Die ebenfalls hier untergebrachte Kindertagesstätte betreut rund 50 Kinder. Das geplante Bildungshaus soll das Zentrum der Jüdischen Gemeinde werden. „Ein Zentrum für ein interkulturelles, religiöses, weltoffenes Judentum“, erläutert Bernhard Effertz.
Um diesen Plan umzusetzen muss die Jüdische Gemeinde die Fläche, auf der die Synagoge stand, von der Stadt zurückbekommen. Derzeit ist sie ein öffentlicher Platz. Die Jüdische Gemeinde musste die Fläche 1939 an die Stadt verkaufen. Verhandlungen mit der Stadt wurden noch nicht aufgenommen. Erst einmal wird über ein Gebäude der Universität verhandelt, das an den Schulhof der Joseph-Carlebach-Schule angrenzt. Dieses möchte die Jüdische Gemeinde erwerben, um die akute Raumnot zu beheben.
Eine neue Synagoge kann sich Bernhard Effertz auf dem Joseph-Carlebach-Platz nicht vorstellen. „Davon müssen wir uns verabschieden. Wir müssen nach vorn schauen und eine neue Gemeinde aufbauen“, erklärt der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, die langsam wächst. 2.600 Menschen zählt sie derzeit. In den letzten vier Jahren gab es mehr Eintritte (265) als Sterbefälle (200). „Entgegen dem Kirchentrend“, kommentiert Effertz stolz. Die neuen Mitglieder setzen sich aus Zuwanderern und Hamburger Juden zusammen, die noch keine Mitglieder der Gemeinde waren. Effertz erwartet, dass die Gemeinde die frühere Synagogenfläche zurückerhält: „Zur Weltstadt Hamburg gehört ein jüdisches Bildungs- und Gemeindezentrum. Das jüdische Leben kehrt wieder dorthin zurück, wo es war.“
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