Protest gegen Schließung

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Auch ältere Menschen demonstrieren gegen die Schließung des Schwimmbades auf der Anscharhöhe wie Sabine Müller-Salzmann (l,) und Brigitte Junglöw von der Rheumagruppe. Foto: Hanke
 
Kinder protesteireten trillern und pfeiffend gegen die Schließung des Schwimmbades mit Schwimmschule auf der Anscharhöhe. Fotos: Hanke

Anwohner kämpfen für den Erhalt des Schwimmbads auf der Anscharhöhe

Von Christian Hanke
Eppendorf. „Fiedler soll bleiben. Sonst ertrinken wir“, stand auf einem Plakat, das ein kleines Mädchen hoch hielt. Zwei ältere Damen hatten ganz einfach „Rettet das Schwimmbad“ getextet. Kinder und ihre Eltern und Kitaleitungen sowie ältere Damen und Herren, insgesamt wohl an die 200 Menschen, hatten sich gestern morgen vor dem Gemeindehaus von St. Anschar auf der Anscharhöhe eingefunden, um lautstark mit Pfeiffen, Trillern und Plakaten gegen die Schließung des dortigen Schwimmbades zu protestieren, das von vielen Kindergruppen und von älteren Menschen genutzt wird.
Mindestens 1,5 Millionen Euro müsste die Stiftung Anscharhöhe aufwenden, um das stark sanierungsbedürftige Bad zu modernisieren und den hohen Energieverbrauch zu senken. Zu diesem Ergebnis sind Gutachter gekommen, die von der Stiftung Anscharhöhe beauftragt wurden, die Sanierungskosten zu ermitteln. „ „Die Betriebskosten, die die Stiftung bisher allein getragen hat, sind in den letzten Jahren explodiert. Sie betragen 70.000 Euro im Jahr. Das ist ein Mehrfaches der vom Hauptnutzer (Schwimmschule Fiedler) gezahlten Jahresmiete“, erläutert Günther Poppinga, der Vorstand der Stiftung Anscharhöhe. Außerdem werden wir kein Geld in ein schwer sanierbares Schwimmbad investieren, sondern unsere Einrichtungen (Pflegeheim, Behindertenhilfe) modernisieren und neue Angebote schaffen.“, erläutert Günther Poppinga, der Vorstand der Stiftung Anscharhöhe. Da sich Jerk Fiedler, der Inhaber der Schwimmschule Fiedler, die das Schwimmbad am Nachmittag nutzt, nicht an den Betriebskosten beteiligen wollte, sah die Stiftung nur die Möglichkeit, das Bad zu schließen. „Es ist ein Jammer! Aber wir haben keinen öffentlichen Auftrag, ein Schwimmbad zu unterhalten. Es ist ein privates Bad ohne jegliche Zuschüsse von kommunaler Seite“, erklärt Poppinga.
Für viele Kinder und ältere Menschen ist die Schließung ein riesiger Verlust. „Es hat sowohl flaches als auch tiefes Wasser und viel Intimität. Außerdem ist es für uns sehr gut erreichbar“, zählt Inge Dierck, die Leiterin des privaten Kindergartens Husumer Straße, die vielen Vorteile für die von ihr betreuten Kinder auf. Schon seit den 1980er Jahren lernen die Kinder aus der Husumer Straße hier schwimmen. Bei Jerk Fiedler und schon bei seinem Vater, der hier vor 35 Jahren angefangen hat. Die Fiedlers - sie sind ein weiterer Grund, warum die jungen und älteren Nutzerinnen und Nutzer des Schwimmbades so tieftraurig sind. „Herr Fiedler ist sehr wichtig. Er korrigiert die Kinder, macht sie sicherer im Wasser, veranstaltet Aufbaukurse“, erzählt Inge Dierck. Vormittags führt Jerk Fiedler die Aufsicht des Bades im Auftrag der Anscharhöhe. Auch eine Rheumagruppe nutzt das Bad sehr gern. „Das Wasser hat eine höhere Temperatur. Unsere Mitglieder kommen aus ganz Hamburg zur Anscharhöhe“, berichtet Sabine Müller-Salzmann, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Brigitte Junglöw das Plakat „Rettet das Schwimmbad“ hält. Sie müssen sich wie die Kitagruppen und die Bewohner der Anscharhöhe ab 1. Oktober ein anderes Schwimmbad suchen, denn zum 30. September wurde der Schwimmschule Fiedler gekündigt. Werden auf der Anscharhöhe aus Kostengründen Angebote eingeschränkt? Kürzlich wurde ein Pflegeheim mit Zweibettzimmern geschlossen, weil es nicht mehr ausgelastet war. Nun kursieren Gerüchte, dass ein Teil des Geländes an einen zahlungskräftigen Investor verkauft werden soll. „Nichts davon ist wahr“, dementiert Günther Poppinga unmissverständlich. Im Gegenteil, die Angebote, so Poppinga, werden erweitert. Behindertenhilfen zum Beispiel. Und just am Tag der Demo gegen die Schwimmbad-Schließung, eröffnete auf der Anscharhöhe ein Friseursalon.
(ch)
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