Protest in Schutzanzügen

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„Achtung Geldgier“: Wir-sind-Eppendorf erklärte die Baustelle um das Alte Brauhaus zum Seuchengebiet Foto: wb

„Wir sind Eppendorf“ demonstriert weiter vor Brauhaus-Trümmern

Eppendorf „Achtung Sicherheitsabstand! Seuchengefahr“, warnt der Mann mit Mund- und Augenschutz in weißer Schutzkleidung. Er und seine drei ebenso eingekleideten Mitstreiter stehen vor der Ruine des Alten Brauhauses an der Ecke Martini- und Eppendorfer Landstraße, an der kürzlich die drei markanten Kastanien gefällt wurden (Wochenblatt berichtete). Auf gelben Schildern, die an der Absperrung der Baustelle hängen, steht „Achtung! Geldgier – Sperrgebiet Seuchengefahr“ geschrieben. So demonstrierte die Initiaive Wir-sind-Eppendorf am vergangenen Sonnabend noch einmal ihre Wut über Abriss und Fällung. Auch von viel Trauer war auf zahlreichen Zetteln und Kränzen mit Trauerflor zu lesen („Das Herz von Eppendorf ruhe in Frieden“). „Hier zerstört die Stadt Hamburg altes Kulturgut“, hatte jemand geschrieben. „Wir werden die Abläufe, die zu Abbruch und Fällung geführt haben, konsequent überprüfen“, kündigte Marthe Friedrichs von Wir-sind-Eppendorf an. (ch)

Kommentar
Wie viel Protest ist wie und wann eigentlich angebracht?
Angesichts der Aussichtslosigkeit, mit der die Aktiven von „Wir sind Eppendorf“ nun vor den Trümmern eines Abrisshauses und drei gefällten Kastanien demonstrieren und es noch weiter tun wollen – durchaus mit theatralischer Qualität – stellt sich diese Frage. Sicher: Sie fühlen sich „verraten und verkauft“, ja sogar „entmündigt“. 5.000 Unterschriften wurden für den Erhalt des über 200 Jahre alten Hauses, das sich in Privatbesitz befindet(!), gesammelt, alles umsonst – Behörden und Politik sind für die empörten Bürger mittlerweile „antidemokratische“ Feindbilder. Woher nehmen diese Hamburger ihre Energie, ihre unermüdliche Protestwut? Und vor allem: Wo war oder ist die eigentlich, wenn beispielsweise Kinder zu Tode misshandelt werden in dieser Stadt? Was ist das eigentlich für eine Verhältnismäßigkeit, mit der in dieser Stadt protestiert wird? Wird dann auch öffentlich über den Zustand unserer Gesellschaft und Werte philosophiert, diskutiert, kritisiert? Ich vermisse, dass dagegen Websites ins Leben gerufen, Plakate gedruckt, Unterschriften gesammelt werden! Der „gekillte Baum“ direkt vor der Haustür scheint den braven – bei Gelegenheit dann aber doch aufmüpfigen – Bildungsbürgern näher zu sein, als das – sagen wir mal – Migrantenkind vom Mümmelmannsberg. Dabei ist zu bedenken: Bäume kann man nachpflanzen... Daniela Barth
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2 Kommentare
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Marthe Friedrichs aus Eppendorf | 18.03.2015 | 11:47  
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Edith Aufdembrinke aus Eppendorf | 18.03.2015 | 14:00  
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