Raues Klima für ältere Mieter in Hamburg

Anzeige
 
Margurita V. (73) wohnt seit 48 Jahren in diesem Altbau an der Danziger Straße. Sie befürchtet weitere Mieterhöhungen Fotos: stahlpress/ks

Sozialverband und Mieterverein: 50.000 seniorengerechte Wohnungen zusätzlich nötig

Von Klaus Schlichtmann
Hamburg. Seit 48 Jahren lebt Margurita V. in einer gemütlichen, aufgeräumten Wohnung in St. Georg. Sie fühlt sich wohl in ihrem kleinen Nest, wie die 73-jährige Witwe ihre Zweizimmer-Wohnung im 3. Stock eines 122 Jahre alten Mehrfamilienhauses in der Danziger Straße nennt - 50 Quadratmeter groß, 241,87 Euro Grundmiete.
Doch Margurita V. macht sich Sorgen um die Zukunft. Fragt sich, wie es weitergehen wird mit ihrer Wohnung, mit allen 16 Wohnungen im Hause, seitdem ein Investor das Gebäude Anfang des Jahres gekauft hat. Die Seniorin hat Angst, dass sie auf ihre alten Tage ihr behagliches Zuhause verlieren könnte, denn die Wohnungen sollen modernisiert, die Miete dann entsprechend angehoben werden. „Das werde ich mir dann wohl nicht mehr leisten können“, seufzt Margurita V. Schon heute muss sie mit jedem Cent rechnen. Kürzlich erhielt die alte Dame Post vom neuen Eigentümer - eine Mietanhebung zum 1. April auf 265,79 Euro. Das sind nur knapp 24 Euro monatlich mehr, könnte man nun sagen. Wer aber von einer kargen Rente bzw. Grundsicherung leben muss, den trifft auch dieser Betrag empfindlich.
Das Schicksal von Margurita V. aus St. Georg - für den „Mieterverein zu Hamburg“ und auch den Sozialverband Deutschland ist es beispielhaft für die Situation älterer Menschen auf dem Wohnungsmarkt. „Steigende Mieten gehen mit steigender Altersarmut einher. Am Ende dieser Entwicklung stehen dann Menschen, die ausgegrenzt werden, weil sie sich die Wohnung nicht mehr leisten können“, sagt Dr. Eckard Pahlke, Vorsitzender des Mietervereins.
Die Zahlen unterstreichen diese alarmierende Entwicklung: Zurzeit leben etwa 335.000 Menschen in Hamburg, die über 65 Jahre alt sind. 13,5 Prozent von ihnen sind von Altersarmut betroffen, darunter viele alleinstehende Frauen, die mit einer Rente von weniger als 600 Euro auskommen müssen. Und die Situation dürfte sich noch verschärfen, denn im Jahr 2025 werden bereits 27 Prozent der Hamburger über 65 Jahre alt sein - rund eine halbe Million Männer und Frauen.
Mieterverein und Sozialverband forderten deshalb in der vergangenen Woche die Umsetzung dringender Maßnahmen durch den Hamburger Senat: Mindestens 50.000 altengerechte Wohnungen müssen in den nächsten elf Jahren entstehen; jede Neubauwohnung sollte altengerecht erstellt werden, z. B. durch breitere Türen; altersgerechter Umbau sollte stärker gefördert werden; die Deckelung der Neuvertragsmieten auf zehn Prozent sollte nach Inkrafttreten des Gesetzes unverzüglich umgesetzt werden.
Das Klima für ältere Mieter auf dem Wohnungsmarkt wird zunehmend rauer. Und oft auch der Ton. Vor kurzem kündigte Margurita V.‘s neuer Vermieter den Anschluss ihrer Wohnung an eine Zentralheizung an. Die Rentnerin wies ihn auf die noch recht neuen Gasöfen hin, die ihr verstorbener Ehemann einbauen ließ. Die könne sie auch behalten, aber dann drehe er ihr das Gas ab, soll der Vermieter barsch geantwortet haben ...

Kontakt Sozialverband SoVD: Pestalozzistraße 38, Tel.: 6116070
Kontakt Mieterverein zu Hamburg: Unter Tel.: 8 79 79-345 erhalten Hamburger Mieter, auch ohne Mitglied des Mietervereins zu sein, allgemeine Auskünfte zum Wohnen und Mieten. Eine einzelfallbezogene Rechtsberatung erfolgt nicht. Die Anrufzeiten sind: Mo-Sa von 10 bis 12 Uhr, Mo-Do von 15 bis 17 Uhr
Anzeige
Anzeige
1 Kommentar
28
dieter Hesimann aus Hamm | 11.04.2014 | 09:33  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige