Rentner müssen umziehen

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Der Neubau der Senator-Erich-Soltow-Stiftung soll abgerissen werden. Das sieht eine Planung zur Verlagerung des Altenstufts vor. Foto: Hanke
 
Grüne Idylle hinter dem Martin-und-Clara-Heimann-Stift. Hier plant die Stadt den Bau von drei Häusern im freifinanzierten Wohnungsbau. Foto: Hanke

Stiftung möchte Standort in Eppendorf aufgeben

Von Christian Hanke
Hoheluft. Ingrid Töppler ist empört und verärgert. Die über 70-jährige, noch sehr rüstige Dame wohnt in einem Neubau der Senator-Erich-Soltow-Stiftung aus dem Jahre 1958 an der Breitenfelder Straße. Vor zwei Jahren ist sie in die gemütliche Zwei-Zimmer-Wohnung eingezogen. Womöglich muss sie bald wieder ausziehen. Die Soltow-Stiftung und deren Verwaltungsfirma, die Wichern Betreuungsgesellschaft, unterrichteten die Mieterinnen und Mieter ihres Gebäudes an der Breitenfelder Straße kürzlich über Planungen, dieses Gebäude aufzugeben und im Grandweg in Lokstedt einen Neubau für die Bewohner zu errichten. „Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich vor zwei Jahren nicht eingezogen. Zwei Jahre habe ich nach einer passenden Wohnung gesucht und diese hier gefunden. Sie ist sehr schön geschnitten“, ärgert sich Ingrid Töppler, die sich auch in der Umgebung ihrer neuen Wohnung sofort wohlfühlte. Denn hinter dem Soltow-Stift befinden sich zwei weitere Stiftsgebäude und dazwischen liegt eine große Wiese mit alten Bäumen. Eine kleine Idylle mitten in der Großstadt.
Doch wenn es nach den Planungen von zwei Stiftungen und der Stadt geht, wird dieses Ensemble bald nicht mehr sein. Denn auch die beiden alten Gebäude der Martin-und-Clara-Heimann-Stiftung in der Löwen- und der Martinistraße, die hinter dem Soltow-Stift liegen, sollen aufgegeben werden.
Die Planung sieht vor, die Altbauten aus den Jahren 1902/03 und 1912/13, prächtige Backsteingebäude im Heimatstil, zu entkernen und dort freifinanzierte Mietwohnungen anzubieten. Die besagte Grünfläche im Blockinnenbereich soll mit drei „Punkthäusern“ bebaut werden. Auch die Bewohner der Heimann-Stufung sollen in den Grandweg ziehen. Dort ist auf einem städtischen Grundstück der Bau von rund 100 altengerechten und Barriere freien Wohnungen vorgesehen. Die Wohnungsbaukreditanstalt wird Mttel dafür bereitstellen. „In Gesprächen ist Einvernehmen mit den Stiftungen über die Verlegung der Einrichtungen auf ein Grundstück in Lokstedt am Grandweg herbeigeführt worden“, schreibt dazu Uwe Voss, der Leiter des Senatorenbüros der Finanzbehörde.
Sanierungsbedarf?
Als Grund für die Verlagerungen geben die Stadt und die Soltow-Stiftung an, dass die Stiftsgebäude an Breitenfelder, Löwen- und Martinistraße umfassend saniert werden müssten, was zumindest die Soltow-Stiftung finanziell nicht leisten kann. „Die Gebäude entsprechen nicht mehr heutigen Anforderungen an altengerechte Wohnungen“, so die Finanzbehörde. Viele Bewohnerinnen und Bewohner haben nicht den Eindruck, dass ihre Wohnungen saniert werden müssten. Ingrid Töppler fühlt sich in ihren vier Wänden rundum wohl. Nirgendwo sind Mängel zu sehen. Im Gegenteil die Bewohner sind in dem Umfeld, in dem sie wohnen zufrieden. Einen möglichen Umzug nach Lokstedt empfindet Ingrid Töppler als Verschlechterung. Sie hat sich das Grundstück am Grandweg schon angesehen. „Dort gibt es keine Geschäfte in der Nähe und auch die Busanbindung ist weiter weg als hier. Das sind für ältere Menschen wichtige Dinge. Unsere Wege werden immer kürzer“, erläutert Ingrid Töppler. Dass diese Punkte bei der Planung nicht berücksichtigt wurden, wundert auch nicht.
Unmut zeigt Wirkung
Denn „der eigentliche Anstoß für diese umfangreiche Neuordnung“, so die Finanzbehörde, hat seinen Hauptgrund nicht in der Notwendigkeit von Sanierungen der Stiftsgebäude, sondern in einem vom Immobilienmanagement der Stadt ausgelobten Ideenträgerwettbewerb, in dem Vorschläge für städtische Grundstücke unterbreitet werden sollten, „die bisher nicht für den Wohnungsbau zur Verfügung stehen“. Dabei fiel der Blick offenbar auf die „Filetstücke“ in Hoheluft-Ost, auf denen die drei Stiftsgebäude stehen. Der Unmut vieler Stiftsbewohner über diese Planungen zeigt aber schon Wirkung. Das Einvernehmen der Stiftungen mit der Stadt über die Verlagerungen scheint so groß nicht mehr zu sein. Die Verwaltungsfirma der Martin-und-Clara-Heimann-Stiftung jedenfalls betreitet, dass es eine solche Planung überhaupt gibt. (ch)
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