Risse durch Gruben-Aushub

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Im November 2014 berichtete das Wochenblatt über Risse in Häuserfassaden am Eppendorfer Marktplatz Repro: wb
 
Hydrogeologe Uwe Tröger mahnte Transparenz an Foto: Hanke

Hydrogeologe sieht jedoch keine Bedrohung durch Abpumpen von Grundwasser

Eppendorf/Alsterdorf Es ist das Aufreger-Thema der letzten Monate in Eppendorf: Bedrohen Grundwasserabsenkungen bei neuen Bauvorhaben die Substanz der benachbarten Altbauten? Risse zeigten sich jüngst in einigen Häusern rund um den Eppendorfer Marktplatz. Eine erste öffentliche Anhörung zu diesem Thema verlief für viele Anwohner und Mitglieder der Initiative Wir-sind-Eppendorf unbefriedigend. Deshalb gab es nun eine zweite, an der nicht nur Vertreter der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU), des Bezirksamtes und der Bezirksversammlung Hamburg-Nord, sondern auch ein Experte für Hydrogeologie, Professor Dr. Uwe Tröger aus Berlin, teilnahmen. Der benannte mangelnde Transparenz und zu wenig Partizipation der Bürger an den Vorgängen als Hauptproblem. „Wenn die Transparenz nicht so vorhanden ist, wie sie sein sollte, fühlt sich der Bürger verschaukelt“, sagte Tröger und lobte Berlin über den grünen Klee. In der Hauptstadt wäre so etwas nicht passiert. Dort würden alle Bauvorhaben sogar in Tageszeitungen veröffentlicht. Verantwortlich dafür: der Bausenator.

Bürger wollen wissen, was passiert


Behörden müssten rechtzeitig von sich aus über Maßnahmen der Bauherren informieren, die die Nachbarn betreffen, so Tröger. „Partizipation gibt es nicht im Wasserwesen“, sagte der Geologie-Professor, der glaubt, dass immer noch alter Beamtengeist aus dem 19. Jahrhundert in deutschen Amtsstuben nachwirkt: es werde von oben herab entschieden. Aber die Bürger von heute wollten genau wissen, was passiert. „Vor 50 Jahren hätte diese Versammlung nicht stattgefunden“, vermutete Tröger. Dagegen wehrten sich die BSU-Vertreter. „Ich kann nicht nachvollziehen, dass von oben alles geregelt wird“, empörte sich Hartmut Dittrich vom Amt für Umweltschutz, Abteilung Wasserwirtschaft. Im Internet könnten alle Informationen zum Untergrund von Eppendorf eingesehen werden, so die Vertreter der Behörde. Aber niemand wurde auf die möglichen baulichen Folgen des Neubaus Eppendorfer Landstraße 108-110 für die Umgebung aufmerksam gemacht. Wenn viel Wasser abgepumpt wird, wie bei diesem Bauvorhaben geschehen, dann „muss das Misstrauen bewirken“, führte Tröger aus, der den kritischen Anwohnern und Initiativmitgliedern ein „Glaubensproblem“ attestierte. Risse in einem Nachbarhaus der besagten Neubauten konnten inzwischen auf die benachbarten Bauarbeiten zurückgeführt werden. Sie seien allerdings nicht durch Grundwasserabsenkungen, sondern bei der Erstellung der Baugrube verursacht worden, betonte Claudia Holl, die Leiterin des Referats Grundwasserschutzbewirtschaftung in der BSU. Die Nachbarn wurden entschädigt.
Fachlich stimmte Tröger den BSU-Vertretern zu. Die Gefahr für Setzungen sei in Eppendorfs Mitte relativ gering. Hier gäbe es vor allem sandigen Untergrund, der keine Gefahren böte. Nur mooriges Material birgt diese Gefährdung. Davon aber gibt es in diesem Teil Eppendorfs wenig.

Probleme in der Kommunikation


Tröger sagte auch: „Es gibt überall Ermessensspielraum“, und empfahl den rund 70 Gästen der Anhörung, alles zu fotografieren, sobald sie eine Gefährdung ihrer Häuser und Wohnungen vermuteten.
Fazit: Eppendorfs „Grundwasserproblem“ ist kein geologisches, sondern eines der Kommunikation. Denn wer Schäden fotografieren soll, muss wissen, dass Haus oder Wohnung gefährdet sein könnten. Auf dieses Problem wiesen die Vertreter der Eppendorfer Initiativen hin, um Gefährdungen durch Grundwasser und daraus resultierende Auseinandersetzungen bei den künftigen Bauvorhaben an der „kleinen“ Eppendorfer Landstraße Nr. 97-109 zu vermeiden.
Es waren auch Anwohner aus der Brabandstraße und dem Maienweg unter den Gästen, die ebenfalls auf Grundwasserprobleme in Alsterdorf aufmerksam gemacht hatten (das Wochenblatt berichtete). Für sie hatte Wissenschaftler Tröger indes keine passenden Lösungsansätze. Er empfahl individuelle Gespräche mit Behörden. (ch)
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1 Kommentar
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Kai Debus aus Alsterdorf | 07.04.2015 | 14:06  
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