Schräge Vögel und rudernde Eisbären

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Wenn er in das Malen und Schreiben von Kinderbüchern abtaucht, schaltet der ehemalige HNO-Arzt total ab Foto: Dagmar Gehm
 
Der Korken war sein Debüt als Kinderbuchautor und – maler: sehr beliebt bei seinen Enkeln und Ehefrau Gretchen Foto: Gehm

Winfrid Budde – ehemals Hals-Nasen-Ohren-Arzt in Rotherbaum – malt und schreibt Kinderbücher

Von Dagmar Gehm
Rotherbaum
Früher war seine Aufmerksamkeit meist auf das Hörorgan der Patienten gerichtet. Damals war er noch als Hals-Nasen-Ohren-Arzt in der Praxis am Mittelweg tätig, die 2006 sein Sohn Jan übernahm. Inzwischen bemüht sich Dr. Winfrid Budde eher um das Sehen als um das Hören. Nicht mehr als Mediziner, sondern als Künstler. Stark gefordert sind die Augen beim Anschauen der vielen, bunten Illustrationen in seinen Kinderbüchern, müssen herumwandern zwischen durchgeknallten Punkvögeln mit Irokesenhaarschnitt, Walen, die eine ganze Hütte vor sich her schieben, rudernden Eisbären und Kängurus mit Brautschleier, die einen Pinguin mit Zylinderhut heiraten. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Weder in Winfrid Buddes erstem Buch – „Der Korken – die Geschichte einer unglaublichen Reise an das Ende der Welt“, noch in „Das Kuckucksei“. Alles stammt aus seiner Feder, die Texte, die Bilder und auch die Landkarten, um die Weltreise nachvollziehen zu können. Plastisch, prall und pädagogisch wertvoll. Weil sie nicht nur eine Geschichte erzählen, sondern weil diese Geschichte ganz nebenbei ganz viel Lehrreiches vermittelt.

Altes Versprechen eingelöst


„Schon als Kind wollte ich immer alles bemalen“, erinnert sich der 74-Jährige. „In der Schule habe ich die Bücher vollgekritzelt und später meine Vorgesetzten karikiert. Doch erst als Pensionär habe ich angefangen, für meine drei Enkel Ben (9), Lio (8) und Wim (7) zu schreiben und zu malen.“ Mit seinem Erstling „Der Korken“ löste der Arzt 2011 ein altes Versprechen ein, das er vor Jahren seiner längst erwachsenen Tochter Nina gegeben hatte. Den Anstoß gab die Nachricht über einen Container voller Quietscheenten, die im Ostpazifik über Bord gegangen waren und nach einer 15-jährigen Odyssee teilweise 27.000 Seemeilen zurückgelegt hatten. Wissenschaftler waren begeistert, weil sie anhand ihrer Anlandung an verschiedenen Küsten die Meeresströmung berechnen konnten.
Also erfand der „Ohrendoktor“ die Figur Seppl, den Sohn von Käpt’n Kurt Schellfisch aus Övelgönne, der sich mit einer Antwort nicht begnügt, sondern selber alles herausfinden muss. Zum Beispiel, ob das Meer fließen kann. Dafür baut er ein Floß und begibt sich auf Weltreise. Gabelt in der Arktis einen Eisbären auf, mit dem er fortan den Meeresströmungen folgt und so manches Abenteuer besteht. Später gesellen sich weitere Tiere aus ihrem jeweiligen Lebensraum dazu. Die Mischung aus Fantasie und Wissenschaft überzeugte Jung und Alt. 2013 folgte die zweite Auflage, in der es bereits einiges zu aktualisieren gab. So war inzwischen die real existierende Riesenschildkröte „Einsamer George“ auf den Galapagos-Inseln gestorben, was im Nachwort erwähnt werden musste.
Fast zeitgleich mit der zweiten Auflage des „Korkens“ erschien das zweite Kinderbuch des kreativen Ruheständlers, der auch sportlich sehr aktiv ist und im Alter von 50 Jahren noch Snowboard fahren lernte, was er noch heute dem Skifahren vorzieht.
„Das Kuckucksei“ war das erste Buch der Reihe „Schräge Vögel“, gewidmet allen großen und kleinen Hobby-Ornithologen und wieder seinen drei Enkeln. Diesmal entstand die Idee aus einer Beobachtung am Meisenkasten im Garten, der von einem Specht in Beschlag genommen wurde. Im Nu war der total flippige Schwarzspecht Heinz Holzkopf geboren, der schrägste Vogel im ganzen Buchenwald, mit Nasenring, violetter Brille, knallroter Irokesenbürste und einer Vorliebe für auffälligen Schmuck. Sein Dilemma: Dem Wunsch, ein Ei auszubrüten steht dagegen, dass er sich nicht für Schwarzspechtweibchen interessiert. Zum Glück legt ein Kuckuck das Fremdei seiner Sehnsucht im Kasten ab, der eigentlich auch nicht sein eigener ist. Was ihm entschlüpft, findet Heinz natürlich total hässlich. Bis es zu einem bildschönen Kuckucksmädchen heranwächst, in das er sich verliebt. Es folgt die Vogelhochzeit, und aus eigenem Ei entschlüpft der Nachwuchs als Ergänzung der verrücktesten Vogelfamilie im Buchenwald.
Das nächste Ei – Verzeihung – das nächste Buch - wartet inzwischen auch schon aufs Ausschlüpfen. „Oskar, beeil Dich! – Ein unglaubliches Abenteuer auf der Insel“ soll im März 2016 erscheinen. Diesmal auch mit Widmung an Bela, seinen vierten Enkel, der im Oktober zur Welt kam. „Malen und schreiben hat etwas Meditatives“, findet Winfrid Budde. „Wenn ich einmal angefangen habe, kann ich nicht mehr aufhören.“
„Dann kann ich rufen, so viel ich will, er hört einfach nicht“, klagt seine Frau Gretchen in gespielter Verzweiflung. So tief ist der Geschichtenerzähler dann in seine opulente Fantasiewelt versunken, dass wohl noch nicht mal ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt sein Hörvermögen verbessern könnte.

„Der Korken“ (19,90 Euro) und „Das Kuckucksei“ (14,90 Euro) sind im Cord Oltmanns Verlag erschienen. Bestellung beim Buchhandel und über die Homepage des Autors www.winfrid-budde.de . „Oskar, beeil Dich!“ erscheint im März 2016 im Boysen Verlag und kostet 9,95 Euro.
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