Schüler helfen Schülern

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Melda, Massah und Robert (hinten, v. l.) mit ihren Schützlingen Foto: Haas
 
ShS-Koordinatorin Martina Holm und Alexander Bentheim Foto: Haas

Alsterdorfer Jugendliche betreuen in ihrer Freizeit Kinder in der Grundschule Carl-Cohn-Straße

Von Waltraut Haas
Alsterdorf
Es ist Nachmittag. Im Klassenraum der Grundschule Carl-Cohn-Straße treffen sich die kleinen Mädchen und Jungen nach dem Mittagessen, um zu spielen und ihre Hausaufgaben zu machen. Die Kinder wohnen meist im nahen Wesselyring. Das Besondere bei dieser Nachmittagsbetreuung: Unterstützt werden die Grundschüler von älteren Schülern, die sie beaufsichtigen und anleiten.
Sollte es Kummer oder Konflikte geben, sind die jugendlichen Helfer auch erste Ansprechpartner für die Kids. „Das ist zwar nicht immer leicht, aber der Spaß überwiegt“, sagen die vier Jugendlichen einstimmig über ihr freiwilliges Engagement bei „Schüler helfen Schülern“ (ShS). Das Projekt führt der Verbund Sozialtherapeutischer Einrichtungen (VSE) hier in Kooperation mit „Soziale Jungs Hamburg“ durch.

Ausflug inklusive


Seit gut zwei Jahren arbeiten die Teenager abwechselnd an jeweils zwei Nachmittagen pro Woche mit den Grundschulkindern. Die Schülerin Massah Hassanzadeh besucht selber die 12. Klasse einer höheren Handelsschule. Nach dem Fachabitur möchte sie Kauffrau werden. Als sie durch eine Freundin von ShS erfuhr, war sie gleich interessiert und macht seitdem begeistert mit. Besonders schön findet Massah das Ferienprogramm mit den Grundschulkindern, wenn sie gemeinsame Ausflüge mitgestaltet.
Auch „Kollege“ Robert Yeritsyan kam durch einen Freund zum Projekt. „Mich erfüllt diese Arbeit mit den Kindern. Man lernt, wie sich Konflikte lösen lassen, und man kann tatsächlich auch erzieherisch auf sie einwirken“, hat der Abiturient erfahren und ergänzt: „Ich bin schon stolz darauf, dass die Kinder mich mögen.“ Für Robert bot die Freiwilligenarbeit bei ShS noch mehr. Sie habe ihn motiviert zu seiner Berufswahl: Er möchte Sozialpädagogik studieren.
Melda Polat hat vor dem Abitur zwar viel zu tun. Zwei mal pro Woche engagiert sie sich dennoch in der Grundschule Carl-Cohn-Straße. Die habe sie schließlich selber als Kind besucht. Jetzt freut sie sich, den Nachwuchs heranwachsen zu sehen. Melda will Lehrerin werden.

Erfahrungen für Beruf


Der vierte im Bunde ist heute Arsim Hyseni, Schüler an einer IT-Fachschule mit dem Berufsziel KFZ-Mechatroniker. Durch Mitschüler aus der Heinrich-Hertz-Schule hat er von dem Projekt erfahren und kommt seitdem wöchentlich an zwei bis drei Nachmittagen zur Unterstützung der Kleinen. „Hier herrscht eine super Atmosphäre. Und wir lernen schließlich auch etwas im Umgang mit den Kindern“, betont Arsim. Wenn es mit der Konfliktklärung nicht klappen sollte, helfe Martina weiter. „Sie möchte zwar, dass wir selbständig arbeiten, aber sie ist so etwas wie unser Joker.“ sagt Arsim lächelnd. Als VSE-Projektkoordinatorin ist die Sozialpädagogin an fünf Nachmittagen pro Woche präsent, inzwischen seit zehn Jahren.
„Die Jugendlichen stehen anfangs irgendwo dazwischen, sie haben es wegen des geringen Altersunterschieds zunächst schwerer, sich gegenüber den Kindern Respekt zu verschaffen,“ sagt Martina Holm bei ihrer Anleitung der Jugendlichen. Über Nachwuchs kann sie nicht klagen: Sämtliche Praktikumsplätze seien zurzeit vergeben.
Heute trifft Martina Holm ihren Kooperationspartner Alexander Bentheim von „Soziale Jungs Hamburg“. Seit 2010 besteht das Projekt, das speziell Jungen in ganz Hamburg eine Berufsorientierung im Sozialbereich vermitteln will. „Dabei lernen sie ganz nebenbei, dass auch Jungs ihre sozialen Kompetenzen entwickeln können“, sagt Bentheim. Zugleich sammeln sie wichtige Erfahrungen für berufliche Bereiche, in denen Männer bislang extrem unterbesetzt sind.
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