So geht das gut!

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Engagiert für Willkommenskultur: Ehrenamtliche von „Welcome to Barmbek“ mit dem neuen f&w-Mitarbeiter Thies Schüter (links) Foto: Haas
 
Freuen sich über hilfreiche Begegnungen: Bewohner am Tessenowweg Foto: Haas

Wie Nachbarn Flüchtlinge willkommen heißen

Winterhude/City Nord Unter den 430 meist jungen Männern sei die Stimmung gut, sagt Indira Weegh. Die Leiterin der Flüchtlingsunterkunft im Tessenowweg am Rande der City Nord hätte eigentlich Grund zum Feiern: Seit 20 Jahren ist sie Angestellte bei „fördern & wohnen“ (f&w). Im Auftrag der Behörde für Arbeit, Soziales, Familien und Integration (BASFI) kümmert sie sich um Einrichtung und Betrieb von Unterkünften für Wohnungslose und Flüchtlinge. Indira Weegh liebt ihre Arbeit und fühlt sich respektiert von ihren Schützlingen. Für die beginne nach dem Erwerb von Deutschkenntnissen die hürdenreiche Suche nach einem Arbeitsplatz. Aus eigener Erfahrung weiß Weegh, was es heißt, unter dramatischen Umständen die Heimat mit ungewissem Ziel verlassen zu müssen: Vor 22 Jahren war sie aus Bosnien geflohen.

Wichtige Unterstützung


Gerade heißt die Unterkunftsleiterin einen jungen Mitarbeiter in ihrem Team willkommen. Während Thies Schüter sich mit seinem neuen Arbeitsplatz vertraut macht, stellt er sich auch den Ehrenamtlichen von „Welcome to Barmbek“ vor. Die Kooperation mit der Initiative sei eine Bereicherung für die Unterkunft am Tessenowweg, erklärt Indira Weegh. Mittwochs übernehmen Ehrenamtliche die Verteilung der Lebensmittel von der Hamburger Tafel, danach organisieren sie die Teestube. Hier sind sie wichtige Gesprächpartner für die Bewohner im Pavillondorf. Drei mal pro Woche bieten sie Deutschkurse an, und an Sonnabenden treffen sie sich zu gemeinsamen sportlichen Aktivitäten mit den Bewohnern.
Meist wird auch Fußball gespielt, allerdings seien Fußballschuhe immer noch Mangelware. Weil der Bus der Hamburger Tafel sich heute verspätet, ist noch Zeit für Fragen, allen voran: Warum engagieren sich die Ehrenamtlichen hier? „Wir leben in einer privilegierten Gesellschaft. Angesichts des Elends in anderen Ländern sehe ich mich in der Pflicht, hier zu helfen“, sagt Michael Huhndorf. „Die Menschen fliehen ja nicht einfach mal so. Unsägliche Umstände zwingen sie doch dazu.“
Sozialarbeiterin Christiane Kroog, seit Januar in Rente, suchte eine ehrenamtliche Aufgabe. Jetzt hilft sie bei der Verteilung der Lebensmittel. Zudem engagiert sie sich in einer Arbeitsgruppe der Initiative. „Welcome to Barmbek“ sei ein gutes soziales Netzwerk, das sie gern unterstütze. Auch Gisela Fischer geht das Schicksal der Flüchtlinge nah. „Deshalb helfe ich mit, Kontakte für die Männer zu ermöglichen und ihnen das Leben zu erleichtern.“

„Jetzt erst recht!“


Birgid Gerwien hat aus der Zeitung von der Initiative erfahren. Auch sie möchte zur Willkommenskultur beitragen. „Angesichts dessen, was diese Menschen durchgemacht haben, jammern wir hier alle auf einem sehr hohen Niveau“, so die Helferin. Angesichts der Skepsis von Bekannten sagte sie sich resolut: „Jetzt erst recht!“ Inzwischen erntet Birgid Gerwien nicht mehr nur Schweigen, wenn sie von ihrem Engagement berichtet. Sie wird sogar unterstützt: Kürzlich sammelte sie viele Haushaltsartikel. In den Pavillon-Küchen werden sie dringend gebraucht.
„Auch ich möchte den Menschen, die so viel durchgemacht haben, zeigen, dass sie willkommen sind.“ Sie wolle einen Kontrapunkt setzen gegen mangelnde Toleranz, erklärt Sigrid Meißner.
Schon das Nachbarschafts-Konzert der Musikhochschule im Frühjahr auf dem Campus Nord habe das Eis gebrochen, berichtet die Journalistin im Ruhestand. Sie begegne hier durchweg freundlichen Menschen mit unterschiedlichen Deutschkenntnissen. Ihnen zu helfen bedeute nicht, sie zu entmündigen. (wh)

Kontakt: citynord@welcome-to-barmbek.de
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