Spielhaus in Finanznot!

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Betreuung gefährdet: Dem Spielhaus Tilly am Lokstedter Weg wird die Förderung für den Vormittagsbereich gestrichen. Anna-Karina Rühl, Mareike Hennings und Anne Konur (v.l.) vom Förderverein suchen neue Unterstützer Foto: Hanke
 
Das Spielhaus Tilly mit dem großzügigen Außenspielbereich Foto: fb/wb

Einsparungen im Bezirk: Bei „Tilly“ ist die Vormittagsbetreuung gefährdet

Von Christian Hanke
Eppendorf
Wieder mal! Das Spielhaus Tilly am Lokstedter Weg ist von der Schließung bedroht. Zumindest der Vormittagsbereich, den ein Förderverein mitgestaltet. Mit 20.000 Euro hat das Bezirksamt Hamburg-Nord die Betreuung der Kinder zwischen 8 und 15 Uhr bis 2014 unterstützt. Aufgrund von Einsparungen im offenen Kinder- und Jugendbereich des Bezirks läuft die Förderung bis 2016 aus.
In diesem Jahr erhält Tilly nur noch 10.000 Euro, die Hälfte der 2013 vereinbarten Fördersumme für den Vormittag. Wenn das Geld vom Bezirksamt im nächsten Jahr ganz ausbleibt, können von den derzeit elf Honorarkräften, die am Vormittag arbeiten, nur noch die fünf bezahlt werden, für deren Honorare der Förderverein aufkommt.

„Der ganze Tilly-Geist geht dann verloren.“ Anne Konur

„Damit ist unser Betrieb am Vormittag nicht mehr aufrechtzuerhalten“, erklärt Anna-Karina Rühl, die zweite Vorsitzende des Fördervereins. „Der ganze Tilly-Geist geht dann verloren“, befürchtet die frühere erste Vorsitzende des Fördervereins, Anne Konur. Der hat seinen Ursprung in der Spielhausidee, die von der langjährigen Leiterin Johanna Tilsner (1957-1988), genannt Tilly, intensiv gepflegt wurde. In den von den Amerikanern in den 1950-er Jahren eingeführten Spielhäusern werden Kinder ohne Anmeldung und ohne zeitliche Vorgaben kostenlos betreut. Darin besteht auch im Spielhaus Tilly das Basisangebot. Darüberhinaus bietet der Förderverein des Spielhauses Kurse am Vormittag an, die von Honorarkräften geleitet werden.
Für diese Angebote, derzeit Schwimmen, Turnen, Rhythmik, Vorschularbeit, Sticken, Bücherzauber, Kreativwerkstatt und Ausflüge sind Anmeldungen und der Eintritt in den Förderverein erforderlich. 22 Kinder besuchen derzeit tagtäglich das Spielhaus und nehmen diese Angebote wahr. Ihre Eltern zahlen 140 Euro im Monat. Passive Mitglieder des Fördervereins zahlen 30 Euro im Jahr. Auch am Vormittag können Kinder aber stundenweise kostenlos betreut werden. „Viele Kinder, die von einer Kita kommen, blühen hier auf, weil sie hier selbst bestimmen können, was sie wie lange wo spielen wollen“, erzählt Mareike Hennings, Beisitzerin im Förderverein.

Neues Finanzkonzept?


Das riesige, rund 3000 Quadratmeter große Gelände bietet viele Spielmöglichkeiten. Mareike Hennings betont dabei, dass Spielhäuser nicht generell besser als Kitas oder die Betreuung durch Tagesmütter seien: „Jedes Kind muss die ihm angemessene Betreuung erfahren. Für das eine ist die Kita das beste, für ein anderes das Spielhaus.“ Die Möglichkeit der spontanen Betreuung mit selbst gewähltem Spielen sollte aber erhalten bleiben.
Eine Schwierigkeit dabei: die Kinder, die ein Spielhaus oft nur kurz besuchen, können schwer gezählt werden. Es gibt keine belegbaren Auslastungszahlen. „Flexibilität ist nicht messbar“, konstatiert Anne Konur.
Um den Vormittagsbereich mit dem Kursangebot erhalten zu können, denkt der Förderverein nun über ein neues Konzept nach und sucht vor allem eine neue Finanzierung.
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