Stammgäste retten Kneipe

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Ein Bild aus glanzvollen Dieze-Tagen: Wirt Jens Hoenig und Freundin Ulrike Semtner in der legendären Kneipe. Foto: Hirdt

„Dieze“ am Grindel zieht um

Von Christian Hanke
Grindel. Eine Kneipe zieht um! Nur wenige Meter weiter, von einer Straßenecke zur nächsten. Vor knapp zwei Wochen schloss das Köpi Dieze, eine Kneipen-Legende im Grindelviertel an der Ecke Rapp- und Heinrich-Barth-Straße. Vermieter und Mieter lagen nicht mehr auf derselben Wellenlänge. „Aus Kleinigkeiten wurden große Animositäten“, beschreibt Rechtsanwalt Hinnerk Hirdt, einer der Stammgäste, das gestörte Verhältnis. Doch die große Fangemeinde des Dieze, die rund 150 Stammgäste, wußte sich zu helfen.
Rund 50 Meter entfernt an der Ecke Heinrich-Barth-Straße / Rutschbahn steht seit zwei Jahren ein Kellerlokal leer. Ein Pfälzer Restaurant floppte. Hier, so beschlossen die Dieze-Gäste, wollen wir hin.
Dank eines großen finanziellen Engagements vieler Stammgäste und der Unterstützung durch eine Brauerei, die sich zunächst wegen der Kellerlage skeptisch zeigte, ist die Anmietung der Räume nun in trockenen Tüchern. Rund 10.000 Euro haben rund 50 Gäste zusammengetragen - und erhalten dafür Verzehrgutscheine in dem Wert, den sie gegeben haben.
Bier auf Vorkasse sozusagen. Sie hoffen, dass das Dieze so weiterleben kann, wie sie es seit viele Jahren lieben. Am besten eins zu eins umgesetzt. In den dunklen warmen Brauntönen, die sich seit der Eröffnung 1956 kaum verändert haben. „Das wird nicht ganz funktionieren. Der neue Gastraum ist größer“, weiß Hinnerk Hirdt. Aber die Atmosphäre wird bleiben. Dafür wird die „Community“ der Stammgäste sorgen, Menschen zwischen 20 und 70, die in der näheren Umgebung wohnen oder wohnten, viele frühere Studentinnen und Studenten, die sich hier zum Philosophieren, Karten spielen, Trinken und Klönen treffen, und sich alle mit Vornamen kennen und duzen. „Es ist für alle das zweite Wohnzimmer“, erläutert Jens Hoenig, Dieze-Wirt seit 1985 und Gast seit 1974. „Man hilft sich gegenseitig. Das ist ein großes Netzwerk“, erzählt Hinnerk Hirdt und Birte Jessen erläutert die hohe Frauenquote an den Stammgästen: „Frauen können hier jederzeit allein hingehen, weil sie nicht dumm angemacht werden.“ Die Schließung hat sie alle noch enger zusammenrücken lassen. „Wir haben uns noch besser kennengelernt. Das ist das einzig Positive an der Schließung“, verrät Birte Jessen. Bald packen alle gemeinsam noch ´mal an. Wenn es heißt: Umziehen. Derzeit wird das alte Dieze ausgeräumt und das neue wird gerade umgebaut. Für die dritte Juniwoche ist die Neueröffnung geplant. Die neuen Nachbarn brauchen sich übrigens nicht zu fürchten. Wegen Lärmbelästigung hat sich im Haus des alten Dieze noch niemand beschwert. Live-Veranstaltungen gibt es dort nicht. „Die Musik hat nur begleitenden Charakter“, berichtet Hinnerk Hirdt. (ch)
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