Stillstand im verseuchten Grundwasser

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Der ehemalige Fabrik-Standort von Rieck & Melzian wurde 1994 zu Bürogebäuden umgebaut Foto: Haas
 
Im Innenhof von Goldbekplatz 2 vor fast zehn Jahren installiert: Die Anlage zur Entgiftung des Grundwassers. Sie wirkt nicht Foto: Haas

Goldbekplatz: Entgiftungsanlage nutzlos. Behörde verhandelt mit „Störer“. Genervte Anwohner fordern Transparenz

Winterhude Müssen sich Anlieger am Goldbekplatz sorgen? Die Anlage zur Sanierung des mit Gift kontaminierten Grundwassers steht schon lange still. Und lange ist auch schon der Schaden tief unter dem Goldbekplatz 2 und der näheren Umgebung bekannt: Das Grundwasser ist verunreinigt durch „leichtflüchtige Chlorkohlenwasserstoffe“ (LCKW). Dieser Grundwasserschaden zählt zu einer der zahlreichen Altlasten in ganz Hamburg, von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) dokumentiert in einem
Altlasthinweiskataster (auf: www.hamburg.de/altlasten). Zwar blieb die BSU auch hier nicht untätig: Schon 2006 hatte sie im Innenhof des Goldbekplatzes 2 eine Anlage zur Sanierung des Wassers installiert, allerdings ohne Erfolg, wie sich bald herausstellte. „Eine nachhaltige Abnahme der LCKW-Konzentrationen gelang hiermit allerdings nicht“, stellten von der BSU beauftragte Hydrogeologen der Firma Grontmij fest, nach umfangreichen Untersuchungen von 2009 bis 2012. Es seien „zusätzliche Maßnahmen an den anderen Eintragsquellen zur Verbesserung der Schadstoffsituation im betroffenen Grundwasserleiter erforderlich“, so die Experten weiter. Wer aber sind die Verursacher? Und wo sind „andere Eintragsquellen“? Seit 1908 war hier das Metalltechnik-Unternehmen Rieck & Melzian ansässig. Ab 1994 wurde das schmucke Gebäudeensemble umgebaut und dann für Büros genutzt.

Nichts passiert und keiner wird informiert


Anwohner und insbesondere auch Grundstückseigner aus der näheren Umgebung zeigen sich nun besorgt. Die Jahre ziehen dahin und nichts geschieht. Informationen durch die BSU: Fehlanzeige. Da bedurfte es schon einer formellen „Kleinen Anfrage“ des Bürgerschaftsabgeordneten Andreas Wankum (CDU) an den Senat: In der Antwort vom 16. Januar wird – noch einmal – mitgeteilt, dass die vor Ort seit 2006 in Betrieb genommene Anlage zur hydraulischen Sanierung des Grundwassers sich als ungeeignet erwiesen habe und deshalb bis heute abgeschaltet sei. Die LCKW seien „in Torflinsen eingedrungen und werden nur sehr langsam wieder freigesetzt. Handlungsbedarf besteht in Bezug auf das Grundwasser, eine Gefahr für Menschen ist nicht gegeben“, so die Antwort weiter. Die BSU sei „in Verhandlungen mit dem Störer getreten.“
Und weil die Verhandlungen bislang nicht abgeschlossen seien, nehme der Senat keine Stellung, so schließt die Antwort. Auch BSU-Sprecher Volker Dumann bleibt entsprechend knapp: „Nur dies: Von der Grundwasserbelastung am Goldbekplatz geht für die Anwohner keine Gefährdung aus. Wir arbeiten mit den Betroffenen an einer einvernehmlichen Lösung.“
Der auf Amtsdeutsch bezeichnete „Störer“ müsste folglich der Verursacher des Grundwasserschadens sein, vermuten jetzt die eigentlichen Betroffenen: Anwohner und Grundstückseigner. Doch wer ist das? Sie vermissen Transparenz und Bürgernähe. Wie lange mag es dauern, bis die BSU mit den Schadensverursachern zu einer Lösung kommt? Dass es auch anders geht, bewies die BSU im Umgang mit kontaminierten Böden und Grundwasserschäden anderenorts: So etwa 2012/2013 mit aufwendigen Sanierungen auf dem Gelände der ehemaligen Wäscherei in der Jarrestraße. (wh)
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