Transparenz kostet extra

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Beim Ortstermin im Poßmoorweg: Christoph Timann, Reinhold Niehoff, Roswitha Weidner, Karin Haas, Angela Boll und Hermann Hinrichsen (v.l.) Foto: Haas
 
Anwohner Reinhold Niemann fühlt sich desinformiert Foto: Haas

Initiative darf in Unterlagen zu Bunkerabriss schauen – gegen Gebühr

Von Waltraut Haas
Winterhude
Viel Staub, Lärm und Rammarbeiten hatten die Bewohner schon rund um die Forsmannstraße 10 aushalten müssen: wegen der Abrissarbeiten des alten, sieben Geschosse hohen Bunkers (Das Wochenblatt berichtete). Besonders heftig waren die Erschütterungen noch in den letzten Wochen, wegen einer sehr widerständigen Betonbodenplatte. Dass es fortan gemütlicher wird, bezweifeln die Anwohner jedoch – und mit ihnen „Wir sind Winterhude“. Schon vor Jahren trat die Initiative an gegen die überall im Viertel zu beobachtende Gentrifizierung: „Wir wollten den Trend zu immer höher, dichter und teurer aufhalten“, erklären Angela Boll und Roswitha Weidner.
Dort, wo der bis 2013 denkmalgeschützte Bunker, seit 1947 in Privatbesitz, bis vor kurzem noch einen Trödler und einen Handwerksbetrieb sowie Archiv- und Lagerräume beherbergt hatte, starten bald die Vorbereitungen zu einem hochpreisigen Wohnungsbau.Zudem steht wohl demnächst der Abriss des nächsten Bunkers bevor: Schon vor zwei Jahren wurde das städtische Gelände am Poßmoorweg 38 gegen Gebot ausgeschrieben. Der Bunker soll vom Käufer abgerissen und mit einem Gebäude für 23 Wohnungen und Tiefgarage bebaut werden. Unmittelbar Betroffene in diesem Fall: die Anwohner rund um den Poßmoorweg sowie diverse Kitas in der Nähe.

Zwei Baustellen


„Der Abriss des Bunkers und der Neubau mag zwar das Straßenbild aufwerten. Aber wir Anwohner werden in ‚Sippenhaft‘ genommen, wenn hier gleich zwei Großbaustellen auf uns zukommen“, befürchtet Anwohner Reinhold Niehoff. Denn auch die Goldbek-Schule neben dem Bunker soll in den Sommerferien abgerissen und dort neu gebaut werden. Was Niehoff vermisst: Dass die Bezirksverwaltung die Anwohner über die Details zu Abriss und Bauprojekt informiert hat. Ebenso wurde der Vorschlag zur Bildung eines Runden Tisches oder auch nur die Beantwortung eines ausführlichen Fragenkatalogs zu Abriss und Bebauung von der Bezirksversammlung Nord abgelehnt. Noch bis vor kurzem war der Bunker im Poßmoorweg – anders als der Forsmannstraßen-Bunker – in städtischem Besitz. „Deshalb zogen wir eine alternative Nutzung in Betracht, zudem hätte sich auf dem Dach dieses sehr viel niedrigeren Bunkers auch der Neubau von Wohnungen angeboten“, sagt Karin Haas, Vorsitzende der Linke-Bezirksfraktion. Nur war dieser Vorschlag schon von vornherein vom Tisch. Denn unterdessen erfolgte die Ausschreibung „Poßmoorweg – Wohnen am Goldbekkanal“ durch den Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG). Auch bei der zuständigen Finanzbehörde bleiben Detail-Informationen bislang unter Verschluss, „wegen des laufenden Verfahrens“, teilt Björn Domroese, persönlicher Referent des Finanzsenators, auf Anfrage mit.

Transparenz für 110 Euro


Überraschend gewährt das Bezirksamt Nord auf Anfrage von „Wir sind Winterhude“ nun doch Einsicht in die Unterlagen zum Bebauungsplan. Allerdings nur eine Stunde lang – und die soll stolze 110 Euro kosten, wie ein Sachbearbeiter mitteilt: Diesen Betrag könne sich eine Initiative ohne Vereinsstatus jedoch nicht leisten, so die „Wir sind Winterhude“-Aktiven. Die Transparenz von Behördenvorgängen sei eigens im Hamburgischen Transparenzgesetz von 2012 festgeschrieben, befinden die Mitglieder der Initiative einhellig. Eine Stellungnahme aus dem Bezirksamt Nord lag zu Redaktionsschluss noch nicht vor.
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