Trauer um Harald Nieß

Anzeige
Dier Schwanenväter Senior und Junior: Harald Nieß mit Sohn Olaf Foto: citynewstv

Ehemaliger Schwanenvater und engagierter Naturschützer wurde 84 Jahre alt

Von Waltraut Haas
Winterhude/Eppendorf
In der Nacht zum vergangenen Mittwoch ist er friedlich eingeschlafen. Mit seiner Familie trauert Hamburg um den Senior-Schwanenvater Harald Nieß, 84. Der städtische Jagdreviermeister widmete sich nicht nur Hamburgs Schwänen. Mit Passion engagierte er sich in der Tierrettung sowie für den Umweltschutz – zu Zeiten, als es den Begriff noch nicht gab. Bestens vorbereitet hatte Olaf Nieß nach der Pensionierung des Vaters vor 25 Jahren sein Amt übernommen. 46 Jahre lang war Harald Nieß im „Hamburger Schwanenwesen“ tätig: auf einer Planstelle, die Bürgermeister Max Brauer im Rahmen der „Friedensarbeit“ 1950 eingerichtet hatte. Zunächst in der Bucht am Schwanenwik siedelte Nieß Höckerschwäne aus Holland an, denn die einheimischen wurden im Krieg fast ausgerottet. In ganz Hamburg war der Senior zu Tierrettungseinsätzen unterwegs, anfangs noch beschwerlich per Fahrrad oder Ruderboot, erst später mit seinem privaten VW Käfer oder amtlichen Motorbooten. So beschreibt Nieß den mühsamen Aufbau seines Amtes, das ab 1957 seine Bleibe am Eppendorfer Mühlenteich bezog, in einem reich bebilderten Band: „Hamburgs Alsterschwäne“, 1997 bei Rasch und Röhring erschienen. Mit den 1950er-Jahren häuften sich die Ölverschmutzungen von Wasservögeln im Hafen. Auch in Alster und Fleeten leiteten Werkstätten ihre Abwässer und Altöle ein. Zu oft gab es Ölalarm. Zahlreiche Tiere konnte Nieß Senior nur durch ein aufwändiges Verfahren der Gefiederreinigung retten: Grund genug, die unhaltbaren Zustände anzuprangern. Seine Passion in Sachen Natur- und Tierschutz teilte er mit seiner Frau Ilse in fast 50 Jahren Ehe. Bei der Bergung verletzter Tiere packte sie ebenso mit an, wie sein Sohn Olaf. Oder bei Behandlung und Aufzucht gefährdeter Tierarten: ein Job rund um die Uhr für einen Ein-Mann-Betrieb, in dem er Eisvögel, Singschwäne, Fischadler oder Kraniche aufpäppelte. Auch ein verletzter Hirsch fand Asyl beim Wildmeister, zudem Rehe, Dachse oder eben Seehunde, verirrt in Hamburger Gewässern. Auch grausam verletzte Tiere behandelte der Senior-Schwanenvater oft: verheddert in achtlos entsorgten Plastikteilen oder Angelschnüren und -haken. Tierleid, mit dem sich der Junior weiter befasst. „Immer noch mehr Verständnis der Menschen für die Belange der Natur!“ Sein größter Wunsch wird jetzt zum Vermächtnis. Harald Nieß wird im Kreis seiner Familie beigesetzt.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige