Über eine verbotene Ausstellung

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Stellten die Ausstellung über die Ausstellung zusammen: Kunsthistorikerin Maike Bruhns (l.) und Annegret Moderegger von der Kunststiftung Heinrich Stegemann Foto: Hanke

Die Staats- und Universitätsbibliothek zeigt Malerei und Plastik von 1936

Von Christian Hanke
Rotherbaum
Über eine Ausstellung aus dem Jahre 1936, die nur elf Tage zu sehen war, informiert eine Schau in der Staats- und Universitätsbibliothek. „Malerei und Plastik in Deutschland 1936“ lautete der Titel einer Ausstellung des Hamburger Kunstvereins, die am 21. Juli 1936 in dessen Räumen, Neue Rabenstraße 25, eröffnet wurde. Es war die Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbundes. Sie zeigte 249 Kunstwerke von 175 zeitgenössischen Künstlern, unter anderen Werke von Ernst Barlach, Emil Nolde, Lionel Feininger, Edvard Munch, Otto Dix und Karl Schmidt-Rotluff. Nach zweimaliger Besichtigung durch Hamburger NS-Behörden konnte sie eröffnet werden. Um elf Tage später wieder geschlossen zu werden. Der Maler Will Spanier, ein „Konjunkturkünstler“ des Dritten Reiches, hatte die Reichskulturkammer in Berlin alarmiert, worauf deren stellvertretender Präsident nach Hamburg reiste, die Werke der Ausstellung als „Verfallskunst“ bezeichnete, die „eine Provokation gegen Partei und Staat darstellen“. Die Ausstellung wurde geschlossen und die Verantworlichen ihrer Ämter enthoben. Der Künstlerbund musste sich einige Monate später unter NS-Druck selbst auflösen. „Malerei und Plastik in Deutschland 1936“ war die letzte freie Ausstellung im NS-Deutschland. In der Staatsbibliothek sind jetzt 42 Werke von den Künstlern zu sehen, deren Kunst in dieser Ausstellung gezeigt wurde. Nur eines, das damals auch dabei war, und das auch nur als Reproduktion. Heinrichs Stegemanns Bild „In der Loge“. Stegemann war der Organsator der damaligen Ausstellung und wurde deshalb nach der Schließung vor ein berufsständisches Ehrengericht gestellt. „Es wäre zu zeitaufwändig gewesen, sich auf die Suche nach den 249 Werken zu begeben“, erläuterte Kunsthistorikerin und -sammlerin Maike Bruhns, die gemeinsam mit Gerhard Schneider die Werke für die Stabi-Ausstellung zur Verfügung gestellt hat. Maike Bruhns und die Kunststiftung Heinrich Stegemann hatten der Staatsbibliothek die Ausstellung angeboten, nachdem Kunstverein und Kunsthalle kein Interesse gezeigt hatten. Neben den Kunstwerken informieren neun Schautafeln in kurzen Texten über „Die Geschichte einer verbotenen Ausstellung“. Der Schließung der Hamburger Ausstellung von 1936 folgte 1937 die NS-Schau „Entartete Kunst“, die zum Verkauf und zur Vernichtung moderner Kunstwerke führte. 118 der in Hamburg 1936 gezeigten Künstler waren davon mit 9.256 Werken betroffen.

„Malerei und Plastik in Deutschland 1936. Die Geschichte einer verbotenen Ausstellung“ ist bis 28. August im Austellungsraum (Erdgeschoss) der Staats- und Universitäts-bibliothek, Von-Melle-Park 3, zu sehen
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