Unfertige Paeplowtwiete?

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Bernd K. kann sich nicht vorstellen, warum die Paeplowtwiete eine unfertige Straße ist.Fotos: Hanke

Stadt bittet Anwohner zur Kasse

Von Christian Hanke
Groß Borstel. Bernd K. ist ziemlich aufgebracht. „Das war ein Schock für uns“, berichtet er. Was ihn und seine Nachbarn in der kleinen Paeplowtwiete so aufregt, ist die Tatsache, dass die kleine Wohnstraße zwischen Weg beim Jäger und Paeplowweg, noch gar nicht fertiggestellt ist. Sie steht auf der neusten Liste der Erschließungsstraßen im Bezirk Hamburg-Nord.
Diese Straßen sind nur Provisorien. Der Rechnungshof der Stadt Hamburg mahnt immer wieder an, unfertige Straßen fertigzustellen, weil permanente Reparaturen an diesen Straßen auf die Dauer teurer werden als die Fertigstellung. Wenn sie aber ordnungsgemäß zu vollständigen Straßen ausgebaut werden, müssen die Anwohner zahlen, und zwar mitunter nicht wenig. Bernd K. musste 2005 schon 1.551 Euro Sielbaubeitrag für die Kanalisation des benachbarten Paeplowstieges zahlen, der ganz unnötig war. Paeplowtwiete und Peplowstieg verfügten schon über einen Kanalisationsanschluss zum Weg beim Jäger. Ähnliches befürchtet die Anwohner nun auch, falls das Bezirksamt ihre kleine Straße fertigstellen könnte. Allerdings fällt es selbst der Mitabeiterin im Bezirksamt schwer, sich vorstellen, was in der Paeplowtwiete ausbaufähig ist. Die kleine Wohnstraße steht in der Priorität mit 35 Punkten (Spitzenwert 61) auch ganz hinten, unter der Rubrik „Ausbau bei Bedarf“. „Die Straße ist in einem Topzustand. Was könnte hier gemacht werden?“, fragen sich auch die Anwohner. Kanalisation des Oberflächenwassers? Unnötig, denn „selbst bei Sturzbächen passiert nichts“, erzählt Bernd K.
Ernster ist die Lage im Licentiatenweg, der mit 49 Punkten ganz oben in der Kategorie „Ausbau vorrangig erforderlich“ rangiert. Aber auch Anwohner Hans-Jürgen Koch kann nicht finden, dass bei ihm vor der Haustür irgendetwas fehlt. Im Gegenteil, er befürchtet, dass eine Fertigstellung des Licentiatenwegs eine „Verschlimmbesserung“ wäre. Vorstellen kann er sich die Anlage richtiger Gehwege, denn in der kleinen Wohnstraße sind die Wege neben der Fahrbahn nicht befestigt. Ein idealer Platz zum Abstellen von Kraftfahrzeugen. Hans-Jürgen Koch fragt sich: „Wo sollen wir unsere Autos abstellen, wenn hier richtige Gehwege angelegt werden?“ Die nicht wirklich gebraucht würden, denn der Fußgängerverkehr im Licentiatenweg hält sich in Grenzen. „Es besteht absolut kein Handlungsbedarf“, fasst Hans-Jürgen Koch die Situation aus seiner Sicht zusammen.
Bevor sich die Beamten des Tiefbauamtes Hamburg-Nord an die Arbeit machen, sollten sie also genau hingucken, wo der Ausbau der Straßen „vorrangig erforderlich“ ist, und mit den Anwohnern der betroffenen Straßen sprechen. Das aber ist auch geplant. So bleibt zu hoffen, dass die geringen Mittel der Bzeirksämter nicht auch noch für ungewünschte und unnötige Straßenausbauten verwendet werden. (ch)
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